Migros kauft Tegut-Supermärkte Die Schweizer kommen

Nun also doch: Der Schweizer Konzern Migros schluckt die deutsche Lebensmittelkette Tegut. Auch Sicht einer Expertin passen die beiden Anbieter gut zusammen – obwohl der Markt sehr umkämpft ist.
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Schritt über die Grenze: Der Schweizer Konzern Migros übernimmt die Supermärkte von Tegut. Quelle: dpa

Schritt über die Grenze: Der Schweizer Konzern Migros übernimmt die Supermärkte von Tegut.

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DüsseldorfDer Schweizer Handelsriese Migros kauft sich mit der Übernahme der Supermarktkette Tegut in den deutschen Lebensmittelhandel ein. „Wir werden die erfolgreiche 65-jährige Geschichte von Tegut nach der Devise "Migros bleibt Migros - Tegut bleibt Tegut" weiterführen“, erklärte Migros-Präsident Edi Class am Donnerstag in Zürich. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt. Eine kartellrechtliche Freigabe für das Geschäft erwarten die Partner bis zum Januar 2013.

Nach Einschätzung der Handelsexpertin Susanne Eichholz-Klein vom Institut für Handelsforschung (IFH) Köln passen die neuen Partner gut zusammen: „Die Unternehmen haben eine vergleichbare strategische Ausrichtung“, sagte sie Handelsblatt Online am Donnerstag. So setzten beide Unternehmen auf das Thema Nachhaltigkeit.
Die Vereinbarung beschränkt sich auf die Handelssparte von Tegut, das Industrie- und Landwirtschaftsgeschäft bleibt in Händen der Gründerfamilie Gutberlet. Zudem bleibt die Zentrale in Fulda wie auch das Handelsgeschäft mit mehr als 5000 Mitarbeitern unter Leitung von Thomas Gutberlet. Insgesamt beschäftigt die Tegut-Gruppe mit ihren rund 300 Märkten - überwiegend in Hessen, Thüringen und Nordbayern - etwa 6400 Menschen. 2011 belief sich der Jahresumsatz auf rund 1,17 Milliarden Euro.


Das Unternehmen setzt stark auf Ökologie und Nachhaltigkeit, der langjährige Chef Wolfgang Gutberlet gilt als Trendsetter für Bio-Produkte. Gegründet wurde Tegut 1947 von Theo Gutberlet unter dem Namen Thegu, den er aus seinem Vor- und Nachnamen ableitete. 1955 erfolgte die Änderung in Tegut. Wolfgang Gutberlet, heute persönlich haftender Gesellschafter von Tegut, erklärte am Donnerstag, er fühle sich bei der Führung des osthessischen Traditionsunternehmens den Grundsätzen von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler verpflichtet. Die Unternehmensphilosophie beider Handelsunternehmen sei sehr ähnlich. Vor wenigen Wochen noch hatte er Berichte über einen Verkauf des Unternehmens dementiert.

Der Schweizer Einzelhandel-Marktführer Migros setzt mit der Übernahme von Tegut nach den Worten seines Präsidenten Class eine Strategie des Wachstums im Ausland fort. „Expansion in der Schweiz ist für die Migros nur noch bedingt möglich“, sagte Class in Zürich. Zugleich wachse der Lebensmittelhandel in Deutschland stärker als in der Schweiz. Vorteile dürfte auch der gemeinsame Einkauf bringen.

Der Migros-Konzern, der Märkte in der gesamten Schweiz sowie im grenznahen Ausland unterhält, ist ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmensformen - Genossenschaften, Aktiengesellschaften und Stiftungen. Diese „Migros-Gemeinschaft“ wird als Gesamtheit durch den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) mit Sitz in Zürich vertreten.

Der Firmenname Tegut soll dem Vernehmen nach in Deutschland erhalten bleiben. Das Sortiment der Tegut-Märkte könnte nach Ansicht von Branchenexperten aber erweitert sowie an das der Migros angepasst werden. Migros-Märkte werden schon seit einigen Jahren unter anderem in Lörrach und weiteren Orten Baden-Württembergs betrieben.
Migros drängt auf einen umkämpften Markt, die Discounter Aldi, Lidl, Netto und Penny haben im Vergleich zu anderen Ländern einen hohen Marktanteil. Die amerikanische Handelskette Walmart musste ihren Ausflug auf den hiesigen Markt teuer bezahlen und gab 2006 nach nur acht Jahren auf.

Allerdings habe der Preiskampf in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen, berichtet IFH-Expertin Eichholz-Klein: „Themen wie Nachhaltigkeit und Bio werden immer wichtiger. Die Verbraucher achten aufs Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagte sie Handelsblatt Online. Zudem legten viele Verbraucher Wert auf ein breites Sortiment, frische Waren und eine ansprechende Präsentation der Waren – alles Punkte, mit denen die Supermärkte punkten. In den vergangenen Jahren seien sie mit diesem Konzept deutlich stärker gewachsen als die Discounter.

Auch Tegut setzt sehr auf Nachhaltigkeit. Bioprodukte sorgen nach Einschätzung von Eichholz-Klein für 20 Prozent des Umsatzes. Mit der Übernahme begibt sich Migros somit in ein attraktives Segment. Zudem passen die beiden Unternehmen gut zusammen: Auch der Schweizer Konzern sei „nachhaltigkeitsorientiert“ und verkaufe viele Handelsmarken im gehobenen Preissegment. „Die Unternehmen haben eine vergleichbare strategische Ausrichtung.“

  • dpa
  • chk
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4 Kommentare zu "Migros kauft Tegut-Supermärkte: Die Schweizer kommen"

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  • immer die gleichen sprüche. kein stein wird auf dem anderen für tegut mitarbeiter bleiben. ich habe dies gleich 4x so im einzelhandel als mitarbeiter selbst erlebt.

  • In Duetschland ist das so - wenn Sie korruption Anzeigen werden sie inegekastelet und nicht das nachweislich korrupte Politikerpack.

  • Jaja, die sogenannten Synergien im Einkauf. Jeder redet davon (bei Übernahmen), aber keiner hat sie je gesehen. Ist fast wie das Ungeheuer von Loch Ness.

    Wo waren denn die Synergien bei den ganzen Übernahmen im Handel? Beispiele gefällig? Karstadt-Quelle, Metro ( mit seinen ganzen zusammengekauften Läden, die alle nicht zusammen passten). Andere Branche:Daimler-Chrysler, als Hochzeit im Himmel ausgerufen, war aber wohl eher Rohrkrepierer.

    Die einzigen, die davon profitiert haben, waren ein paar Topmanager, die sich die Taschen vollgemalt haben, eventuell Beratungsfirmen, die den Zusammenschluss organisiert haben und sonst keiner.

    Wie gesagt:Synergien: jeder redet davon, aber keiner hat sie je gesehen bei einem Zusammenschluss!

  • Ob der Wahre Grund warum das Unternehmen verkauft wird hier wohl auch diskutiert wird?
    Für alle die es noch nicht wissen hier mal eine kurzform:
    Wolfgang Gutberlet, jahrelanger Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, möchte seine Anteile ausbezahlt haben. Er hielt bzw hält noch ca. 60 % des Unternehmens. Eine Summe die der Handelszwerg kaum stemmen kann. Deswegen die dringende Suche nach einem Kapitalgeber. Mal ab davon, dass die finanzielle Lage seit der gescheiterten Übernahme von ca. 20 Tengelmann Filialen im Rhein-Main Gebiet eh nicht grade rosig aussieht.
    [...]
    Für WG wohl Grund genug sein Lebenswerk hin zu schmeißen und den "Laden" in die Hände des Schweizer Konzernes zu geben. Alle die Wolfgang Gutberlet kennen hätten mit allem gerechnet - aber nicht damit.
    Aber vielleicht besser so, als das er noch als zweiter Schlecker in die Geschichte eingeht.

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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