Milchbauern beklagen Preisverfall
„Es geht um unsere Existenz“

Viele der 80.000 Milchbauern in Deutschland kämpfen um ihre Existenz. Nach einem monatelangen Verfall der Milchpreise zahlen sie jedes Mal drauf, wenn sie ihre Kühe melken. Tausende Bauern protestierten heute in München.
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MünchenDie Bauern haben die Landluft mit nach München gebracht. Wo sonst Cabrios spazieren fahren, reihten sich am Dienstag am noblen Odeonsplatz in der Innenstadt Hunderte Traktoren mit Stallgeruch aneinander. Viele Bauern kamen direkt von ihren Höfen, um sich zur größten Protestaktion der Landwirte seit Jahren mitten in der bayerischen Hauptstadt zu versammeln.

Etliche waren aus Bayern, das als wichtigstes Erzeugerland für Milch besonders vom Preisverfall für die Milch betroffen ist. Aber auch aus Ostfriesland und anderen Regionen sind die Bauern nach einer einwöchigen Sternfahrt in München angekommen. Im Gepäck haben die Landwirte ihre Milchkannen, Kuhglocken - und eine große Portion Wut. Seit Monaten müssen sie zusehen, wie ihre Einnahmen aus der Milcherzeugung dahinschmelzen.

Während sie Ende 2013 noch 41 Cent für das Kilo Rohmilch erhielten, sind es inzwischen oft nur noch 27 Cent. Für einen Betrieb mit 120 Milchkühen bedeutet das rund 80.000 Euro weniger Einnahmen in diesem Jahr – das hält kein Bauer auf Dauer durch.

„Es geht um unsere Existenz“, ruft Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) den Bauern zu, die trotz glühender Hitze stundenlang vor der Bühne ausharren und die Reden dort mit einem Konzert aus Kuhglocken begleiten. Sie sind die Sonne gewohnt: Während sich Passanten vor der Mittagssonne in den Schatten flüchten, bleiben die Landwirte einfach stundenlang stehen.

Einer von ihnen ist Alfred Greubel, der sich aus Franken auf den Weg nach München gemacht hat. Er hat seinen Betrieb vor einigen Jahren auf Bio umgestellt und ist deshalb nicht ganz so stark betroffen wie seine Kollegen mit konventionellem Betrieb. Aber er ist sicher, dass auch der Preis für Bio-Milch ohne Unterstützung der Politik weiter fällt. „Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

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