Milliarden-Geldspritze
Delta fliegt auf Japan Airlines

Das Luftfahrtbündnis Skyteam wollen die angeschlagene Fluglinie Japan Airlines (JAL) retten. JAL ist eigentlich Mitglied im konkurrierenden Bündnis Oneworld.
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TOKIO. Der japanischen Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) geht es schlechter als je zuvor – und doch rangeln mehrere Bewerber mit Milliardenangeboten um einen Einstieg. Der US-Konkurrent Delta Air Lines und seine Partner könnten mit einer guten Mrd. Dollar einsteigen, sagte Delta-Chef Edward Bastian gestern in Tokio.

Der Haken: Die Hälfte des Geldes käme ausdrücklich aus dem Lager des Airline-Verbundes Skyteam. JAL ist jedoch bisher Teil von Oneworld, einer konkurrierenden Allianz. Wenn der asiatische Marktführer zu Skyteam überliefe, stände Oneworld hinterher deutlich schwächer da. Die bisherigen JAL-Partner American Airlines hatte bisher signalisiert, grundsätzlich zu einer Kapitalspritze in Höhe von ungefähr einer halben Mrd. Dollar bereit zu sein.

JAL sind zwar seit Jahren die Kosten aus dem Ruder gelaufen, doch die Marke und das Streckennetz gelten als außerordentlich wertvoll. Trotz schnellen Wachstums der chinesischen Konkurrenz ist das Unternehmen nach Passagierzahl immer noch die größte Fluglinie Asiens. Doch allein in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres wies JAL eine knappe Mrd. Euro Verlust aus. Der Schuldenstand des Unternehmens liegt bereits bei etwa sieben Mrd. Euro.

Um überhaupt den Betrieb aufrecht erhalten zu können, schöpft das Management derzeit alle Möglichkeiten aus. Im Sommer hat das Unternehmen bereits einen zinsgünstigen Kredit mit Staatsgarantien erhalten. Derzeit bewirbt sich JAL um weitere Staatshilfe und befindet sich dafür in Gespräch mit einer Auffanggesellschaft für scheiternde Firmen, der Enterprise Turnaround Initiative Corporation (ETIC). Bis Ende des Jahres braucht die einstige Vorzeigelinie etwa 1,5 Mrd. Euro an frischem Geld, sonst droht die Insolvenz.

Als der japanische Transportminister Seiji Maehara die Möglichkeit einer kontrollierten Insolvenz gestern nur erwähnte, sackte sofort der Wert der Anteilsscheine von JAL durch. Die Aktie fiel in Tokio deutlich unter die Marke von 100 Yen (75 Cent) und schloss selbst nach einer leichten Erholung noch bei 98 Yen. In der ersten Hälfte des Jahrezehnts notierte sie noch zwischen 300 und 350 Yen. Doch die niedrige Bewertung lockt Investoren wie Delta oder American zusätzlich an – das Unternehmen gilt als Schnäppchen, wenn es denn jemals wieder auf die Beine kommt.

Als ersten Schritt hat JAL-Chef Haruka Nishimatsu die Banken um Aufschub bei der Rückzahlung von Krediten gebeten. Ins Stocken geraten ist dagegen der Plan, sich das Geld bei den Rentnern zu holen: Da JAL in der Vergangenheit allzu üppige Pensionen versprochen hat, kosten die Verpflichtungen derzeit laufend Millionensummen. Doch die Bitte des Managements, auf einen Teil des Altersgeldes zu verzichten, stieß erwartungsgemäß selbst bei den loyalen Japanern dieser Generationen auf wenig Begeisterung. Ein Sparprogramm mit Streichung von mindestens 16 Routen und Abbau der internen Bürokratie befindet sich dagegen bereits in Umsetzung.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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