Milliardenauftrag für DB Arriva
Deutsche Bahn kommt in London zum Zug

Bahn-Chef Rüdiger Grube kann einen neuen Milliardenauftrag für die britische Tochter Arriva verkünden. Es ist ein wichtiger Erfolg, der dabei helfen könnte, neue Investoren bei der Teilprivatisierung anzulocken.

London/DüsseldorfEs ist eine beeindruckende Zahl: 1,5 Milliarden Pfund, umgerechnet fast zwei Milliarden Euro, ist der Auftrag wert, der die Deutsche Bahntochter DB Arriva am Freitag in London eingeheimst hat. Mit dem neuen Auftrag für den Betrieb eines Teils der Londoner Nahverkehrsbahn Overground baut die Tochtergesellschaft, in die der deutsche Staatskonzern sein Auslandsgeschäft gebündelt hat, ihre Position in der britischen Hauptstadt weiter aus. Arriva werde die Betriebszeiten ausweiten, die Frequenzen erhöhen und neue Züge einsetzen, begründete die Londoner Verkehrsgesellschaft Transport for London die Entscheidung für die Deutschen.

Bisher hatte Arriva die Strecken, zu denen unter anderem die Verbindung zwischen West Croydon und Highbury & Islington in einem Joint Venture mit MTR, dem Betreiber der Metro in Hongkong, betrieben. Doch der Kontrakt lief aus und MTR hatte sich entschieden, nicht noch einmal mit Arriva anzutreten, weshalb der Erfolg der Deutschen nun umso wichtiger ist – und das gleich aus mehreren Gründen.

Denn für Bahn-Chef Rüdiger Grube ist der Abschluss ein Prestigeerfolg genau zur rechten Zeit. Nicht nur finanziell ist der Kontrakt, der eine Laufzeit von 7,5 Jahren plus eine Option für weitere zwei Jahre hat, ein Meilenstein. Auch strategisch kommt die Vereinbarung, mit der die Bahn Rivalen wie Metroline Rail, die Go Ahead Group sowie die französische Keolis aussticht, für den unter Druck stehenden Bahn-Vorstandsboss günstig. Denn der Großauftrag in Großbritannien könnte der Bahn, die im vergangenen Jahr trotz eines Rekordumsatzes einen hohen Verlust gemacht hat, auch noch in einer ganz anderen Frage helfen.

So will die hochverschuldete Bahn sowohl für ihre internationale Logistik (DB Schenker) als auch für den Personenverkehr im europäischen Ausland künftig private Investoren finden. Erst vor wenigen Tagen hatten sich die Bahn und der Bund nach Informationen des Handelsblatts darauf verständigt, dass der Staatskonzern die Erlöse aus den geplanten Privatisierungen behalten darf.

Geplant ist ein Verkauf von maximal 40 Prozent der Auslandstochter Arriva und des Logistikkonzerns Schenker. Arriva soll im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker ein Jahr darauf in Frankfurt. Umso mehr dürfte Grube der jüngste Prestigeerfolg der britischen Tochter freuen. Denn in London befördert Arriva mit 1600 Bussen bereits jetzt jährlich rund 330 Millionen Fahrgäste, das entspricht rund einem Fünftel des Busmarktes in der Hauptstadt. Viele der markanten roten Doppeldecker ziert das Arriva-Logo („a DB company“), und Teile der Nahverkehrsbahn London Overground betreibt der DB-Ableger seit 2007 – bisher jedoch mit dem Partner MTR.

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