Milliardendeal
Übernahme von dänischer ISS gescheitert

Der britische Sicherheitskonzern G4S hat die geplante Milliarden-Übernahme des dänischen Reinigungs- und Serviceunternehmens ISS wieder abgesagt. Grund ist offenbar der starke Widerstand der Eigner bei G4S.
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Kopenhagen / LondonEine der größten Firmenübernahmen in diesem Jahr in Europa ist geplatzt. Die britische Sicherheitsfirma G4S zog unter dem Druck ihrer eigenen Aktionäre die Reißleine und sagte am Dienstag den umgerechnet 5,9 Milliarden Euro schweren Kauf des dänischen Dienstleistungskonzerns ISS ab. Dessen Eigentümer, zwei Finanzinvestoren, müssen nun einen vierten Anlauf nehmen, den Konzern mit mehr als einer halben Million Mitarbeitern loszuwerden. Ein Verkauf an den Finanzinvestor Apax Partners für 6,2 Milliarden Euro war Anfang des Jahres ebenso gescheitert wie wenig später ein Börsengang von ISS. 

Der Multi-Dienstleistungsriese war von Anfang an bei den Aktionären von G4S auf Missfallen gestoßen. Das Papier des weltgrößten Sicherheitsdienstleisters war vor zwei Wochen nach der Bekanntgabe der Übernahmepläne um 20 Prozent abgestürzt. Am Dienstag legte der Aktienkurs gegen den allgemeinen Trend leicht zu. G4S hätte für den Kauf mit zwei Milliarden Pfund die größte Kapitalerhöhung des Jahres in Großbritannien stemmen müssen. Investoren kritisierten, dass das Unternehmen mit ISS sein Profil verwässere. G4S bewacht Regierungsgebäude, bildet das Personal für die Olympischen Spiele 2012 in London aus und betreibt Gefängnisse. ISS bietet eine breite Palette von Gebäude-Dienstleistungen vom Wachdienst bis zur Schulküche. 

Das Scheitern der Übernahme bringt G4S-Chef Nick Buckles unter Druck. „Wir sind ganz klar enttäuscht, dass wir diese Transaktion nicht zum Abschluss bringen konnten“, sagte er. „Aber nach den Reaktionen (der Aktionäre), die wir erhalten haben, haben wir beschlossen, nicht weiterzumachen.“ Erst am Montag hatte Harris Associates, mit fünf Prozent zweitgrößter G4S-Aktionär, erklärt, auf der Hauptversammlung am Mittwoch gegen die Übernahme zu stimmen. Zuvor hatten Schroders und Artemis ein Veto in Aussicht gestellt. Edoardo Mercadante, Gründer des Hedgefonds Parvus, forderte den Rücktritt von G4S-Aufsichtsratschef Alf Duch-Pedersen: „Er ist untragbar.“

„Ein dreifach Hoch, absolut ein dreifach Hoch“, sagte einer der 25 größten G4S-Anteilseigner, von Reuters auf die Absage angesprochen. Er stehe aber weiterhin hinter Buckles, betonte er. „Wir sind erleichtert, dass sie sich zurückgezogen haben“, sagte Panmure-Analyst Mike Allen. „Das war nicht das, was die Aktionäre wollten. Das Management hat sich bisher gut geschlagen, aber das war der falsche Schritt.“ 

Aus G4S und ISS wäre ein Dienstleistungsriese mit mehr als 18 Milliarden Euro Umsatz und gut 1,1 Millionen Mitarbeitern entstanden. Die Briten wollten für den größten Zukauf ihrer Firmengeschichte 1,53 Milliarden Pfund in bar und in Aktien zahlen und 3,67 Milliarden Pfund Schulden übernehmen. ISS gehört seit 2007 dem schwedischen Finanzinvestor EQT und der Private-Equity-Sparte von Goldman Sachs . Sie hatten damals 2,75 Milliarden Euro bezahlt.

Für Finanzinvestoren gibt es immer weniger Möglichkeiten, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Börsengänge sind in Europa kaum möglich. So haben der CVC und Advent den für den Herbst geplanten Börsengang des Spezialchemiekonzerns H.C. Starck längst auf Eis gelegt. Andere Private-Equity-Häuser kommen Investmentbankern zufolge nur schwer an Kredite für Übernahmen im Milliardenvolumen. 

ISS-Verwaltungsratschef Ole Andersen hat noch keinen Plan B: Man werde sich auf das operative Geschäft konzentrieren. Es gebe keinen neuen Verkaufsprozess, und ein neuer Anlauf zu einem Börsengang sei derzeit wenig aussichtsreich, sagte er Reuters. Aber Goldman Sachs und EQT könnten ISS auch nicht auf ewig behalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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