Milliardengebot für CP Ships zur Stärkung der Schifffahrtssparte
Tui riskiert viel mit Reederei-Kauf

Deutschlands größter Tourismuskonzern ändert seine Strategie. Mit dem geplanten Kauf der kanadisch-britischen Reederei Canadian Pacific Ships (CP Ships) baut Tui an einem Zwei-Säulen-Modell, das die Abhängigkeit des Konzerns vom krisenanfälligen Tourismusgeschäft deutlich reduzieren soll.

ebe/rob/lip/HB FRANKFURT. 1,7 Mrd. Euro will sich Tui die Übernahme kosten lassen. Klappt der Zukauf der Reederei CP Ships, hätte das fusionierte Unternehmen derzeit rechnerisch 5,7 Mrd. Euro Umsatz und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 588 Mill. Euro. Hapag-Lloyd würde damit im stramm wachsenden Containergeschäft von Platz 13 unter die ersten 5 der Branche vorrücken. 139 Schiffen mit einer Kapazität von mehr als 400 000 Standardcontainern würden für das vergrößerte Unternehmen die Weltmeere befahren. Auch der Einfluss der Schifffahrtssparte auf die Tui-Bilanz dürfte deutlich steigen: 2004 lieferte Hapag-Lloyd knapp 20 Prozent des Konzernumsatzes, aber 47 Prozent der Gewinne.

Den Zeitpunkt der Transaktion sehen Schifffahrtsexperten allerdings kritisch. „Die Frachtraten haben die Spitze erreicht. Sie dürften wegen drohender Überkapazitäten bereits im nächsten Jahr zurückgehen“, sagte Hans-Heinrich Nöll, Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR). Verantwortlich hierfür sei China. Die dort stark wachsende Wirtschaft führe dazu, dass viele Reedereien neue und größere Schiffe bestellt hätten. Damit werde sich der Wettbewerbsdruck in der internationalen Containerschifffahrt erhöhen. Als Indiz dafür gilt auch die jüngste Übernahme der Reederei P&O Nedlloyd durch den dänischen Branchenprimus Maersk für 2,3 Mrd. Euro.

Der Größenwahn auf den Weltmeeren ist unübersehbar und auch Hapag-Lloyd mischt kräftig mit: Die Reederei Mediterranean Shipping Company aus Genf hat gerade das größte Containerschiff der Welt mit einer Tragfähigkeit von 9200 Standardcontainern in Betrieb genommen. 337 Meter misst die „MSC Pamela“ und ist damit deutlich länger als der höchste europäische Wolkenkratzer hoch ist. Das Monster-Schiff kann mehr als 109 000 Tonnen Fracht transportieren. Es verdrängt die "Colombo Express" vom ersten Platz - das größte Schiff von Hapag-Lloyd, das im April in Dienst ging. Mit 335 Metern und einer Kapazität von 8 750 Standardcontainern ist es nur unwesentlich kleiner. Doch lange wird auch der neue Rekord nicht halten. Längst entstehen auf den Computern der Werften in Korea noch gewaltigere Containerriesen und schon bald werden auf den Weltmeeren Schiffe fahren, die 10 000 und mehr Standardcontainer tragen. Die Frachtpreise dürften unter Druck geraten.

„Bislang fielen die Prognosen für das Mengenwachstum stets zu konservativ aus“, entgegnete am Sonntag Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt den Skeptikern. Er betonte, das Unternehmen sehe erhebliches Optimierungspotenzial bei CP Ships, „um bedeutende Effizienzsteigerungen und Produktivitätsfortschritte zu erreichen“. Die Flotten beider Unternehmen würden sich gut ergänzen: Während CP Ships auf den Nordatlantikrouten stark vertreten sei, habe Hapag-Lloyd seinen Schwerpunkt im zuletzt boomenden Asien-Verkehr.

Vom reinen Frachtaufkommen her scheint Hapag-Lloyd die richtige Kaufentscheidung getroffen zu haben. Die Containerschifffahrt wird von der Globalisierung vorangetrieben. Vor allem der asiatische Exportboom hat Schiffsraum in der Vergangenheit knapp und teuer gemacht. „Die Auslastung der Weltflotte ist auf 95 Prozent gestiegen“, berichtet Hermann J. Klein vom Germanischen Lloyd. Maschinen und Kleidung, Spielzeug und Unterhaltungselektronik, Motorräder und Haushaltsgeräte - die meisten Produkte des täglichen Bedarfs kommen komplett oder zumindest teilweise aus Japan, China oder einem anderen aufstrebenden Land der Region. „Im vergangenen Jahr wurden rund 356 Millionen Container umgeschlagen; bis 2014 wird sich diese Menge voraussichtlich verdoppeln“, sagt Ingmar Loges, der bei der Hypo-Vereinsbank das Schifffahrtsgeschäft verantwortet. Solche Prognosen werden meistens von der Realität sogar noch überholt.

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