Milliardenkredit
Ferrovial verschafft sich Luft bei Flughafenfinanzierung

Fast Zehn Milliarden euro leiht sich der Baukonzern bei spanischen Banken, um seiner Tochter, dem britischen Flughafenbetreiber BAA, unter die Arme zu greifen. Der hat es noch mit ganz anderen Problemen zu tun: die Kartellaufsicht prüft eine Zerschlagung des Unternehmens.

LONDON/MADRID. Der spanische Bau- und Infrastrukturkonzern Ferrovial ist der Refinanzierung seines Schuldenberges ein großes Stück näher gekommen. Das Unternehmen gab gestern bekannt, sich mit insgesamt sechs Finanzinstituten über die Grundbedingungen eines Bankkredits über 7,65 Mrd. Pfund (9,5 Mrd. Euro) geeinigt zu haben. Nach Informationen der spanischen Wirtschaftszeitung Expansión handelt es sich dabei unter anderem um die beiden Großbanken Santander und BBVA sowie um die zweitgrößte spanische Sparkasse Caja Madrid.

Ferrovial hatte die Übernahme des britischen Flughafenbetreibers BAA vor zwei Jahren komplett schuldenfinanziert und versuchte seit etwa einem Jahr vergeblich, knapp 12,8 Mrd. Euro kurzfristiger Kredite zu refinanzieren. Der Markt hatte mit einer Milliardenemission gerechnet, die durch die künftigen Einkünfte aus dem Flughafengeschäft von BAA garantiert werden sollten. Doch dieser Prozess wurde durch die Ungewissheit bezüglich der künftigen Tarife auf den Londoner Flughäfen und später vor allem durch die internationale Finanzkrise erschwert.

So griff Ferrovial jetzt auf einen Bankkredit zurück, mit dessen Hilfe BAA seine Investitionsverpflichtungen für die nächsten fünf Jahre in Höhe von sechs Mrd. Pfund finanzieren und außerdem seine Schuldenkosten senken kann. "Das ist nicht die Lösung, die Ferrovial angestrebt hatte, aber sie ist dennoch positiv für das Unternehmen", sagte Analystin Sonia Baldeira von Espirito Santo.

Mit dem neuen Kredit hat Ferrovial Spekulationen über Finanzierungsprobleme des britischen Flughafenbetreibers BAA den Boden entzogen. Das Unternehmen hat aber auch ohne dies einige Herausforderungen zu meistern. Seine dominante Stellung in Großbritannien ist unter schwerem Beschuss. Die maßgeblichen Fluggesellschaften drängen massiv auf eine Zerschlagung des Flughafenbetreibers, der vor allem im Großraum London und in Schottland den Markt beherrscht. Sie befürchten, dass sie letztlich die Zeche für die überwiegend kreditfinanzierte Übernahme von BAA durch Ferrovial zahlen müssen.

Die britische Kartellaufsicht Competition Commission prüft gerade, ob BAA eine schädliche Marktdominanz ausübt. Im April veröffentlichte sie einen Zwischenbericht, in dem sie deutliche Sympathie für eine Zerschlagung von BAA erkennen ließ. Sie nannte darin den Verkauf eines oder mehrerer Flughäfen als eine Möglichkeit, den Wettbewerb in der Branche zu verbessern. BAA beteuert zwar, sich von keinem Flughafen trennen zu wollen, Analysten glauben aber, dass ein Verkauf zum Beispiel des Flughafens London-Gatwick Ferrovial durchaus zupass kommen könnte.

Kritik übte die Competition Commission auch an der Flughafen-Aufsichtsbehörde CAA, die BAA eine kräftige Erhöhungen der Start- und Landegebühren erlaubt hatte. In ihrem Bericht, den sie im August vorlegen will, könnte die Kommission eine grundlegende Erneuerung der Flughafenaufsicht vorschlagen. Wegen der jüngsten Preiserhöhungen am Flughafen Gatwick hat die Fluglinie Easyjet die CAA vor dem Obersten Gerichtshof verklagt. Ob ein Verfahren eingeleitet wird, ist noch nicht entschieden.

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