Milliardenprojekt Hochgeschwindigkeitsstrecke
Bahn droht Teilrückbau mit Millionenkosten

Das Eisenbahn-Bundesamt will eine neuartige Gleisbett-Konstruktion qauf Brücken nicht zulassen. Bei den Hochgeschwindigkeitsstrecken in der Region Leipzig drohen der Bahn enorme Verzögerungen und eine Kostenexplosion.
  • 0

FrankfurtDie Arbeiten auf der größten Bahn-Baustelle Deutschlands, den Hochgeschwindigkeitsstrecken in der Region Leipzig, könnten finanziell und zeitlich aus dem Ruder laufen. Grund dafür ist eine neuartige Gleisbett-Konstruktion auf Brücken, wie das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Mittwoch in Bonn erklärte. Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ hatte zuvor berichtet, dass es im schlimmsten Fall zu einem Millionen Euro teuren Teilrückbau kommen könnte.

Konkret geht es um einen Abschnitt der neuen Strecke im Saale-Elster-Tal und die sogenannte feste Fahrbahn auf Brücken. Dort wurde nach Angaben des EBA eine „abgespeckte“ Variante der Gleisbett-Konstruktion verbaut, die bislang nicht zugelassen sei. Üblicherweise würden auf Brücken zusätzlich Stahlstäbe verbaut, dies sei dort nicht geschehen. Der Bau unterscheide sich „erheblich von herkömmlichen Konstruktionsweisen“, erklärte das EBA auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Das Bundesamt habe zuvor „wiederholt“ darauf hingewiesen, dass die Bedingungen für die Zulassung nicht erfüllt seien, dennoch sei die Konstruktion vor der Zulassung dort gebaut worden. Nun müsse der Nachweis erbracht werden, dass das System sicher sei.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte auf AFP-Anfrage, das Unternehmen sei überzeugt, dass es die Nachweise für die Sicherheit erbringen könne. Seit Anfang des Jahres werde die Neubaustrecke getestet und von Zügen mit Geschwindigkeiten von bis zu 330 Kilometern pro Stunde befahren. Aus Sicht der Bahn handle es sich bei dem Einspruch der Behörde um „einen normalen Prozess“. Die Bahn hält demnach auch daran fest, die Strecke am 13. Dezember in Betrieb zu nehmen.

Die „Hannoversche Allgemeinen Zeitung“ hatte einen „hochrangigen Bahn-Mitarbeiter“ zitiert, demzufolge das schon fertige Schienenbett „womöglich“ rückgebaut und neu errichtet werden müsse. In diesem Fall könnten auf die Bahn Zusatzkosten von rund 50 Millionen Euro und drei weitere Jahre Bauzeit zukommen, berichtete die Zeitung. Am Donnerstag soll es dem Bericht zufolge einen „Krisengipfel“ zwischen Bahn, EBA und Vertretern des Bundesverkehrsministeriums geben. Der Bahn-Sprecher bestätigte zwar ein „Treffen auf Führungsebene“, konnte sich zu den Teilnehmern aber nicht äußern.

Die neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken bei Leipzig, Erfurt und Nürnberg sollen die Reisezeit auf Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen erheblich beschleunigen. Die Bundesregierung beschloss dazu bereits 1991 ein Zehn-Milliarden-Projekt, um eine große Lücke im deutschen Schnellbahnnetz zu schließen.

Die Aus- und Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt durch den Thüringer Wald verkürzt nach Angaben der Bahn die Reisezeit zwischen Berlin und München um bis zu einer Stunde und vierzig Minuten. Die Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle erhöht laut Bahn das Tempo im Ost-West-Verkehr. Zum Beispiel werde die Fahrt zwischen Dresden und Frankfurt bis zu eine halbe Stunde schneller.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Milliardenprojekt Hochgeschwindigkeitsstrecke: Bahn droht Teilrückbau mit Millionenkosten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%