Milliardenverlust
Bahn-Gewinn bricht drastisch ein

Die Wirtschaftskrise trifft die Deutsche Bahn noch weit härter als bislang bekannt. Der Staatskonzern schraubt seine Gewinnprognose für dieses Jahr abermals herunter und rechnet nun mit einem Einbruch um gut eine Milliarde Euro.
  • 0

HB BERLIN. Das zeigen Konzernunterlagen, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlagen. Demnach geht die Bahn nun nur noch von einem operativen Gewinn von rund 1,4 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr lag das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) bei fast 2,5 Milliarden Euro. Zuletzt hatte das Unternehmen noch 1,8 Milliarden Euro angepeilt. Bemerkbar machte sich neben der Schwäche bei der Güterbahn auch der gesamte Preisverfall in der Logistik, die auch die Bahn-Spedition Schenker massiv traf.

Auch der Umsatz soll weit unter dem Vorjahr und unter den Planungen liegen: Die Bahn rechnet für 2009 nun auf vergleichbarer Basis mit Erlösen von weniger als 30 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 33,5 Milliarden Euro. Auch hier wurde das Ziel für 2009 damit nochmals gekürzt. Die Bahn wollte sich nicht zu den Zahlen äußern.

Kaum ein Geschäftsfeld des Konzerns konnte den Unterlagen zufolge die an die Krise bereits angepassten Umsatzzahlen erreichen. Die Spedition Schenker (Lkw, Flugzeug, Schiff) verfehlte sie sogar um fast zwei Milliarden Euro und lag über drei Milliarden niedriger als im Vorjahr. Die Güterbahn liegt den Angaben zufolge um gut eine Milliarde Euro unter Vorjahr.

Einzig der von staatlichen Aufträgen abhängige Nahverkehr bleibt offenkundig stabil: Die Sparte könnte leicht besser als die Planung und sogar besser als im Vorjahr abschneiden. Dafür schreitet der Personalabbau deutlich schneller voran: Bislang wollte der Konzern die Zahl der Mitarbeiter auf knapp 239 000 senken. Nun sollen fast 3000 Stellen mehr wegfallen.

Wie gravierend sich die Krise auf die Lage bei der DB auswirkt, zeigt auch ein Blick auf den Gewinn nach Zinszahlungen. Dieser gilt wegen der hohen Verschuldung des Konzerns als besonders aussagekräftig: Er wird nun den Unterlagen zufolge um über 60 Prozent auf rund 650 Millionen Euro schrumpfen. Im Vorjahr waren es noch über 1,7 Milliarden Euro. So wird auch die Verschuldung der Bahn anders als geplant nicht sinken sondern auf dem Vorjahresniveau von fast 16 Milliarden Euro bleiben.

Damit ist die Bahn auch wohl weit von einem Börsengang entfernt: Die für die Kapitalmärkte wichtige Kennziffer der Rendite auf das eingesetzt Kapital wird so auf unter fünf Prozent absacken. Im Jahr 2008, dem des geplanten Börsengangs, lag sie noch bei fast neun Prozent.

Kommentare zu " Milliardenverlust: Bahn-Gewinn bricht drastisch ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%