Millionen-Veruntreuung
Ermittler gingen Heros-Hinweisen nicht nach

Im Millionenskandal um das ehemalige Geldtransportunternehmen Heros geraten jetzt auch Ermittler in die Kritik: Nach Recherchen des Handelsblatts und der Nachrichtenagentur ddp hatte die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bereits Anfang 2002 detaillierte Hinweise auf Veruntreuungen bei Heros erhalten.

HANNOVER. Ein Zeuge sprach damals sogar „von einer Art Schneeballsystem“, nach dem in dem Unternehmen Gelder verschoben würden. Dennoch stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ein, nachdem Firmenchef Karl-Heinz Weis ein wenig aussagekräftiges Gutachten aus dem Jahr 1997 vorgelegt hatte. Ein erfahrener Wirtschaftsermittler spricht von einem klassischen Versagen auch der Staatsanwälte: Der Berliner Wirtschaftsrechtler Hans-Peter Schwintowski geht von „Amtspflichtsverletzungen“ aus und hält Schadensersatzansprüche von Geschädigten gegen den Staat für möglich.

Heros musste im Januar dieses Jahres Insolvenz anmelden. In dem Unternehmen waren insgesamt 540 Millionen Euro an Kundengeldern veruntreut worden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp und des Handelsblatts waren bereits 1990 erstmals Unregelmäßigkeiten bei Heros entdeckt worden. Eine Handelskette vermisste mehr als 200 000 DM, einer Bank fehlten 30 000 DM. Doch weder die Kunden noch die Versicherer, die nach Angaben damaliger Mitarbeiter informiert waren, zogen ernsthafte Konsequenzen.

In der Folge entwickelte sich bei Heros ein umfangreiches System von Diebstählen, Unterschlagungen und Erpressungen. Manager bedienten sich an Kundenbeständen und gingen damit zum Roulettespielen in Casinos, eine Angestellte schleppte nach Beobachtungen von Kollegen unter ihrem Pullover einen Geldsack aus dem Unternehmen. Mitarbeiter fanden Geldbehältnisse im Gefrierfach eines Kühlschranks und zwischen alten Müllbeuteln. Wie viel Geld für private Zwecke veruntreut wurde, ist bisher nicht geklärt

Die Staatsanwaltschaft will noch im Spätsommer Anklage wegen des Verdachts auf Untreue beziehungsweise Unterschlagung gegen Firmenchef Karl-Heinz Weis und drei seiner Top-Manager erheben.

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