Millionendeal
Tschechien-Geschäft von Delhaize geht an Rewe

Die aktuelle Konsolidierungswelle treibt Tschechiens Einzelhandel zunehmend in deutsche Hände. Falls die Kartellbehörden zustimmen, wird die Kölner Rewe-Gruppe schon in den nächsten Wochen 96 „Delvita“-Supermärkte des Brüsseler Delhaize-Konzerns übernehmen, der sich aus dem Land zurückzieht.

DÜSSELDORF. „In unserer Internationalisierungsstrategie spielt Tschechien wegen der zentralen Lage und als fünftgrößter Markt Mittel- und Osteuropas eine wichtige Rolle“, kommentierte Rewe-Vorstandssprecher Alain Caparros die geplante Übernahme. Sie wird den Konzern 100 Mill. Euro kosten und ihn in Tschechien mit einem Marktanteil von 14,6 Prozent – nach 10,3 Prozent im Vorjahr – zur Nummer vier machen.

Mit dem Abschied der Belgier, die in Tschechien zuletzt bei einem Nettoumsatz von 282 Mill. Euro einen Verlust von 30 Mill. Euro erlitten, werden nun fünf der sieben größten Handelsunternehmen des Landes von Deutschland aus gesteuert. Dazu zählen neben dem Marktführer Metro (Makro Cash & Carry) und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) auch Tengelmann (Plus, Obi) sowie der saarländische SB-Warenhausbetreiber Globus. Unter den Top 10 der Branche kommen die deutschen Konzerne auf einen Marktanteil von 64 Prozent.

Angesichts des starken Verdrängungswettbewerbs im Land hatte zuletzt der französische Carrefour-Konzern seinen Abschied aus Tschechien erklärt. Seine SB-Warenhäuser hatte der britische Wettbewerber Tesco übernommen. Auch Julius Meinl gab vor einem Jahr sein komplettes Supermarkt-Netz an den niederländischen Wettbewerber Ahold ab.

Die Kölner Rewe zeigt sich vom harten Konkurrenzkampf im Lande indes unbeeindruckt. Schon vor einigen Monaten kündigte der Konzern an, dort in diesem Jahr 130 Mill. Euro investieren zu wollen. Man schreibe schwarze Zahlen, sagte ein Firmensprecher.

Der Rückzug des börsennotierten Delhaize-Konzerns, der auch in Aachen und Köln insgesamt drei Delikatessen-Märkte betreibt, gab gestern Anlass zu weitere Spekulationen. In den vergangenen Wochen hatten die Belgier Insiderberichten zufolge mit der Konzernspitze des niederländischen Ahold-Konzerns eine mögliche Fusion ausgelotet. Die Gespräche, die nach Berichten der belgischen Zeitung „De Tijd“ ausgesetzt wurden, könnten nun wieder in Gang kommen. Zum einen sorgte Verhandlungspartner Ahold vor wenigen Tagen mit dem Verkauf seines amerikanischen Kantinenlieferanten U.S. Foodservice dafür, dass beide Unternehmen inzwischen annähernd die gleiche Größe besitzen. Zum anderen beseitigten Ahold und Delhaize mögliche kartellrechtliche Hürden in Osteuropa: Ahold verkündete vor wenigen Tagen die Konzentration auf den tschechischen Markt, wo man eine weitere Expansion plant. Im Gegenzug bricht Delhaize genau dort nun seine Zelte ab. „Die Rückzugspläne der beiden Unternehmen machen eine Fusion wahrscheinlicher“, sagte Chris Glower, Analyst bei Man Securities in London.

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