Millionenindustrie: Der Kampf um den Altkleiderschatz

Millionenindustrie
Der Kampf um den Altkleiderschatz

Früher beschränkte sich der Altkleidermarkt auf Sammelcontainer und Kleiderkammern. Mittlerweile füttert die Secondhand-Ware ein Millionengeschäft - von dem nun auch klamme Kommunen und Modehändler profitieren wollen.
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KölnFeinste Sensoren, tonnenschwere Bohrgestänge, jahrelange Exploration: Die Suche nach Rohstoffen ist meist ein mühsames Geschäft. Auch die Altkleiderindustrie giert nach neuen Quellen für ihre Textilien – mit dem Unterschied, dass die Rohstoffe hier fast von selbst kommen, über Container, Straßensammlungen und Kleiderkammern. Nun hat die Branche einen neuen Explorationscoup gelandet: Große Modehändler heben für sie textile Schätze.

Für öffentliches Aufsehen sorgte zuletzt der Einstieg des schwedischen Konzerns Hennes & Mauritz (H&M) in das Geschäft. Seit Februar sammelt das Unternehmen in vielen Filialen Abgetragenes. „Wir möchten unsere Kunden sensibilisieren, dass alte Kleidung kein Müll, sondern etwas Werthaltiges ist“, schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

Der Bekleidungsriese füttert damit eine Millionenindustrie. Partner der Aktion ist die I:Collect AG, die die Textilien aus den grünweißen Sammelboxen bei H&M in ihre Sortieranlagen schickt. Neben H&M arbeiten auch andere große Händler mit I:Collect zusammen, darunter C&A, Esprit, Puma und sogar die Discounter-Kette Lidl.

Spätestens an dieser Stelle wird aus einer schönen Nachhaltigkeitsaktion der Modeindustrie ein lukratives Geschäft. I:Collect ist Tochter des Altkleidergiganten Soex. Ende der 70er Jahre im westfälischen Erwitte gegründet, ist Soex mittlerweile der größte Alttextilienhändler Europas. Umsatzziel für das vergangene Jahr: 200 Millionen Euro. Im Jahr davor waren es laut dem Brancheninformationsdienst Euwid noch 81,9 Millionen.

Seit die Branche in den Jahren 2004 und 2005 in einer Absatzkrise steckte, wächst der Markt wieder kräftig – und mit ihm die Altkleiderpreise. Sie stiegen allein in den vergangenen drei Jahren laut Schätzungen von Fairwertung, dem Dachverband der gemeinnützigen Sammler, um knapp ein Drittel. Derzeit erhalten die Händler demnach rund 300 bis 400 Euro pro Tonne – unsortiert. Weniger als die Hälfte davon ist für den Altkleidermarkt geeignet. Der Rest wird zu Putzlappen oder Isoliermaterial verarbeitet oder landet in der Müllverbrennung.

Den Großteil ihrer Top-Ware verkaufen Händler wie Soex an Märkte in Osteuropa, die B-Ware geht an Importeure in Afrika oder in arabischen Ländern. Die dortige Nachfrage wächst seit einigen Jahren rapide. Doch auch in Deutschland vermelden die Kleiderkammern steigenden Bedarf.

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  • Wir trauern um unsere Bella (w, 4 Jahre) aus Reinheim/Hessen. Verschwunden - wie andere Hauskatzen auch - im direkten zeitlichen Zusammenhang mit einer (dubiosen) Altkleidersammlung. Weitere Infos unter www: haustierdiebstahl-in-deutschland.de

  • @ Fabienne
    "Die einzige Frage, die sich hier stellt, ist meiner Meinung nach die, ob es moralisch zu vertreten ist, Profit aus diesem Klamottenüberhang zu machen oder ob es Non-Profit-Unternehmen vorbehalten sein sollte, damit zu handeln." So sehe ich es auch.

    Womit sich für mich die Frage stellt, wie dieses Kreislaufwirtschaftsgesetz überhaupt verabschiedet wurde. Offensichtlich haben die Konzerne hier geschlafen? Eigentlich unvorstellbar.

  • Ganz ehrlich: So funktioniert nunmal die Globalisierung. Dinge, die wir nicht mehr gebrauchen können, benutzen andere, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist doch was sehr Positives. Und dass der Altkleiderhandel die Textilindustrie NICHT zerstört hat, sondern die Importe aus Asien, ist inzwischen auch bekannt und auch von den Afrikanern bestätigt. Ein letzter Aspekt: Was soll denn mit der Masse an Altkleidern, die jedes Jahr abgegeben wird,sonst passieren? Das DRK hat angegeben, dass sie viel zu viele Altkleider bekommen, als es Bedürftige in Deutschland gibt. Sie verkaufen ihre gesammelte Kleidung, um die Selbstkosten zu decken, mehr nicht. Die einzige Frage, die sich hier stellt, ist meiner Meinung nach die, ob es moralisch zu vertreten ist, Profit aus diesem Klamottenüberhang zu machen oder ob es Non-Profit-Unternehmen vorbehalten sein sollte, damit zu handeln.

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