Millionenverlust
Schlecker-Vermieter bleiben auf Kosten sitzen

Böses Erwachsen nach der Insolvenz: Für viele Vermieter bedeutet die Pleite von Schlecker einen herben Verlust. Während die letzten Kunden auf Schnäppchenjagd gingen, stellte die Kette vielerorts die Zahlungen ein.
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MünchenDie ehemaligen Vermieter der rund 3.000 Schlecker-Filialen rechnen mit Verlusten von mehr als 16 Millionen Euro, wie der "Spiegel" berichtete. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz habe ihnen Anfang Juli mit einer Frist von drei Monaten gekündigt, die Mietzahlungen seien aber in vielen Fällen sofort eingestellt worden. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters war am Sonntag zunächst nicht erreichbar.

Ladeneinrichtungen oder elektrische Installationen müssten eigenständig entsorgt werden, berichtete das Blatt. Für viele Geschäfte seien zudem die Schlüssel verloren gegangen, sodass die Eigentümer auf eigene Kosten die Schlösser aufbrechen und austauschen müssten. Die Kosten könnten zwar als Insolvenzforderung angemeldet werden, man gehe aber "tendenziell eher davon aus, dass die einfachen Insolvenzgläubiger (...) nicht mit einer erheblichen Quote für die Forderungen rechnen könnten", zitierte das Magazin aus dem Brief des Insolvenzverwalters.

Die gescheiterte Drogeriemarktkette hat im letzten Monat vor dem endgültigen Aus einen Ansturm von Schnäppchenjägern erlebt. Das Unternehmen habe im Juni 5,1 Millionen Käufer gezählt, ein Drittel mehr als in den Vormonaten, berichtete das Magazin "Focus" am Wochenende unter Berufung auf Daten des Marktforschungsinstituts GfK. Derweil sorgt die Pleite des einstigen Branchenprimus' für hohe Verluste bei den Vermietern der knapp 3.000 Schlecker-Läden, wie der "Spiegel" berichtete.

Der Schlussverkauf schaffte dem "Focus" zufolge das, was Schlecker während des jahrelangen Abstiegs nicht gelungen war: Die Kunden ließen im Schnitt mehr als nur wenige Euro im Laden. Sie gaben demnach im Juni durchschnittlich 15 Euro aus, deutlich mehr als zum Beispiel im März. Damals hatten die ersten 2.200 Schlecker-Märkte geschlossen und mit Rabattaktionen den Umsatz ebenfalls kräftig angekurbelt.

Die Experten der GfK gehen davon aus, dass sich Supermärkte (29 Prozent), Discounter (30 Prozent) und andere Drogeriemärkte (33 Prozent) den Schlecker-Umsatz mit Deo, Toilettenpapier und Shampoo zu fast gleichen Teilen sichern dürften.

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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Millionenverlust: Schlecker-Vermieter bleiben auf Kosten sitzen"

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  • auch ein Vermieter
    In München wurde auch eine Filiale von Schlecker wie ein Saustall hinterlassen.Vom Insolvensverwalter wurde gesagt das wäre ein Einzelfall,ich kann nur sagen, das war bei uns genau so.Wenn ich mit Renovierung , Entsorgung,Miet und Nebenkosten Ausfälle mit 20000.-€ auskomme muß ich noch zufrieden sein,das muss man erst einmal verkraften.

  • Schlecker der Mietnomade lebte einst wie die Made im Speck, zahlte seinen Angestellten einen Hungerlohn und hat zigfach das Finanzamt beschissen... Das Irrenhaus BRD GmbH mit der Geschäftsführerin Merkel macht es möglich, zudem werden hunderte Milliarden Steuergelder in ausländichen Banken dponiert, damit sich die Verbrecher später den Gewinn gleichermaßen aufteilen können.

  • Mietschulden sind privilegierte Masseschulden. Die Mieten der sog. Fortführungsfilialen sind also vorrangig zu zahlen, solange noch Masse vorhanden ist. Leider gibt der Insolvenzverwalter nur keinerlei Auskunft, wann die Mieten für die letzten drei Monate bis zum Wirksamwerden der Insolvenzkündigungen überwiesen werden. Das macht es für die Vermieter, an denen die Räumung und die Renovierung hängenbleiben nicht leichter - zumal da Schlecker in vielen Fällen keine Kaution hinterlegt hat.

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