Minimalabgaben
Steuermoral von Starbucks sorgt für Wut auf der Insel

Die Kette Starbucks steht für ein modernes Lebensgefühl und beste Kaffee-Qualität. Doch der Ruf ist in Großbritannien in Gefahr. Grund sind lächerlich geringe Steuerzahlungen, die nicht zum Milliardenumsatz passen.
  • 4

LondonMindestens zweimal pro Tag hat sich Jenna Jacobs bislang einen Latte Macchiato bei der amerikanischen Kaffeekette Starbucks gekauft. "Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an drei Filialen vorbei", erzählt die 25-jährige Londonerin, "da konnte ich nur schwer widerstehen."

Das hat sich jetzt geändert, seitdem das US-Unternehmen im Mittelpunkt einer heftig geführten Steuervermeidungsdebatte in Großbritannien steht. Kunden wie Jacobs meiden die Starbucks-Filialen: "Deren Verhalten kommt mir zu geldgierig daher."

In Umfragen der Marktforscher von YouGov schneidet das Unternehmen so schlecht ab wie noch nie. Eine Eisenbahnbetreibergesellschaft erwägt, keinen Starbucks-Kaffee mehr in ihren Zügen zu verkaufen. Und zwei Parlamentsausschüsse wollen den Fall zum Anlass nehmen, um die Steuersparmodelle internationaler Konzerne zu überprüfen.

Auslöser war ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die vergangene Woche detailliert die verhältnismäßig niedrigen Steuerzahlungen von Starbucks enthüllte. Gut 700 Filialen hat das US-Unternehmen seit 1998 auf der Insel eröffnet und mehr als drei Milliarden Pfund (umgerechnet 3,7 Milliarden Euro) umgesetzt. Aber in all den Jahren überwies die weltweit zweitgrößte Gastro-Kette nach McDonald's den britischen Finanzämtern gerade mal 8,6 Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro) an Unternehmenssteuern.

In den vergangenen drei Jahren zahlte Starbucks nach Reuters-Informationen auf der Insel überhaupt keine Steuern mehr auf seinen Umsatz von 1,2 Milliarden Pfund, weil das Unternehmen im Zuge seiner recht aggressiven Expansionsstrategie Verluste eingefahren hat.

Zum Vergleich: McDonald's hat nach Reuters-Angaben 80 Millionen Pfund an Unternehmensteuern überwiesen - bei einem Umsatz des britischen Geschäfts von 3,6 Milliarden Pfund.

Es waren offenbar legale Möglichkeiten, die Starbucks nutzte, um die Zahlung von Unternehmensteuern zuletzt komplett zu vermeiden. Das Gebaren stößt dennoch auf der Insel auf Kritik, weil Starbucks gegenüber Investoren wohl betonte, dass das britische Geschäft profitabel sei.

Starbucks erklärt dies mit der Definition von Gewinnen, die in den USA und in Großbritannien unterschiedlich ausfällt. In Gesprächen mit Investoren habe man den Ertrag vor Zinsen und vor Lizenzzahlungen als Gewinn bezeichnet. In Großbritannien sei dagegen für die Berechnung der Unternehmensteuern der Ertrag nach Zinsen und nach Abzug der Lizenzgebühren für die Nutzung der Marke entscheidend.

Das Unternehmen wehrt sich gegen die Kritik. Man werde in jeder Beziehung mit den britischen Behörden kooperieren, wenn diese sich die Steuerzahlungen genauer anschauen wollten, erklärte Konzernchef Howard Schultz Ende der Woche bei der Eröffnung des ersten Starbucks-Cafés in Indien.

In Großbritannien sind zuletzt einige Konzerne wegen ihrer niedrigen Steuerzahlungen in die Kritik gekommen, darunter der Mobilfunkbetreiber Vodafone und die Großbank Barclays. Bürgerinitiativen wie UK Uncut fordern daher eine Änderung der Steuergesetze.

Kommentare zu " Minimalabgaben: Steuermoral von Starbucks sorgt für Wut auf der Insel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Konzerne sind irgendwann auf die Idee gekommen sich von den Politikern zu "wünschen",dass sie weder faire Löhne zahlen müssen,noch faire Steuern.Das haben ihnen die Politiker gegen ein paar "Gefälligkeiten" eingeräumt und nun haben wir den Salat.
    Lange ist es gar nicht aufgefallen,bis man als Konzern,wie ein Junkie,nicht mehr anders konnte,als immer weiter an dieser Stellschraube zu drehen und das gesellschaftliche"Gewinde"zu ruinieren.

  • Interessanter Kommentar, insbesondere in Bezug auf Opel. Ich glaube auch, dass Opel durch Transfer Pricing-Gestaltungen ausgelutscht wird. Wenn Opel wirklich so schlecht wäre, wie die Amis behaupten, hätten die den Lagen ja längst an die Russen verkaufen können.

  • Einfach, viele legale Finanz Tricks abschaffen.
    Siehe da, zum Milliarden Gewinn passt wieder auch die Besteuerung des Unternehmens.
    Die normalen Steuerzahler werden es den Politikern danken.

    Gr

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%