Mischkonzern
Haniel macht Milliardenverluste

Erst ein historischer Gewinneinbruch, dann Milliarden-Verluste: Der Mischkonzern Haniel ist schwer angeschlagen. Grund dafür sind die Beteiligung am Handelskonzern Metro und die Neuausrichtung des Pharmahändlers Celesio.
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DuisburgDie umfangreiche Investition in Metro-Aktien fällt dem Großaktionär Haniel mehr als fünf Jahre später mit einem historischen Milliardenverlust schmerzhaft auf die Füße. Das mehr als 250 Jahre alte Familienunternehmen verzeichnete 2012 unter dem Strich ein nie dagewesenes Minus von 1,9 Milliarden Euro. Hauptgrund ist eine Wertberichtigung auf die Metro-Beteiligung von mehr als einer Milliarde Euro. Die mehr als 600 Nachkommen des Firmengründers müssen angesichts der roten Zahlen und des erforderlichen Schuldenabbaus nun erstmals in Friedenszeiten auf eine Dividende verzichten.

„Ein derart hoher, man kann auch sagen historischer Verlust markiert unweigerlich einen deutlichen Einschnitt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stephan Gemkow am Montag bei der Bilanzvorlage. Haniel habe den deutlich gesunkenen Kurs der Metro-Aktie in seinen Büchern nachvollzogen. Er sprach von Aufräumarbeiten, die das Haniel-Geschäftsjahr 2012 geprägt hätten. Mit dem Dividendenverzicht beteilige sich die Eigentümerfamilie mit etwa 50 Millionen Euro am weiteren Schuldenabbau. Bei dem riesigen Jahresminus handele es sich um einen einmaligen Verlust, versicherte Gemkow. Für 2013 stellte er der Haniel-Familie bereits wieder eine Dividende in Aussicht.

Der seit acht Monaten amtierten Haniel-Chef will angesichts des Metro-Belastungen die Risiken breiter streuen. Er kündigte den Zukauf mittelständischer Firmen vor allem aus dem Dienstleistungssektor an. „Handel haben wir wahrlich genug“, sagte Gemkow im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. Start-Ups kämen wegen hoher Risiken aber nicht infrage. Weitere Verkäufe stünden hingegen nicht auf der Agenda: Bei den wichtigsten Beteiligungen Metro und dem Pharmagroßhändler Celesio wolle Haniel ein Anker-Investor bleiben.

Der seit Anfang 2012 amtierende Metro-Chef Olaf Koch setze die richtigen Akzente, etwa beim Umbau des Großhandelsgeschäfts, meinte Gemkow. „Aber wir wissen natürlich auch alle, dass das Management nicht zaubern kann.“ Deutschlands größter Handelskonzern, zu dem neben dem Großhandel unter anderem auch die Elektronikketten Media Markt und Saturn gehören, bekommt die Schuldenkrise und hohe Arbeitslosigkeit im Süden Europas zu spüren. Mit Preissenkungen, verbesserten Sortimenten und Online-Offensive will die Metro AG ihre Geschäfte ankurbeln.

Im Jahr 2007 hatte Haniel seinen Metro-Anteil von damals 18 auf 34 Prozent aufgestockt und sich dafür mit rund drei Milliarden Euro verschuldet. Die Hoffnung, dass sich das Großinvestment durch den anschließenden Verkauf von Unternehmensteilen finanziell rechnen würde, erfüllte sich nicht. Im Jahr 2007, als Haniel den Metro-Anteil deutlich erhöhte, lag der Aktienkurs zeitweise über 60 Euro. Aktuell notieren die Stammaktien des Handelskonzerns, der 2012 wegen der schwachen Kursentwicklung aus dem Leitindex Dax in den MDax abstieg, bei nur noch 22 Euro.

Trotz des niedrigen Kurses hatte Haniel Anfang Februar seinen Metro-Anteil zum Schuldenabbau von gut 34 auf 30 Prozent reduziert. Bei Celesio wurde die Beteiligung von knapp 55 auf 50 Prozent zurückgefahren. Der Schuldenberg wurde seit 2007 von 3,7 Milliarden Euro auf aktuell zwei Milliarden Euro verkleinert. Zum Familienunternehmen Haniel, dessen Umsatz 2012 bei 26,3 Milliarden Euro stagnierte, gehören außerdem der Rohstoffrecycler ELG, der Büroausstatter Takkt sowie der Waschraumhygiene-Spezialist CWSboco. Haniel hatte 2011 noch einen Gewinn von 236 Millionen Euro erzielt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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