Miserable Arbeitsbedingungen: Heros-Mitarbeiter brechen ihr Schweigen

Miserable Arbeitsbedingungen
Heros-Mitarbeiter brechen ihr Schweigen

Nach dem Betrugsskandal und der Insolvenz bei Heros kommen nun Details über die Arbeitsbedingungen beim größten deutschen Geldtransport-Unternehmen ans Licht. Das Bild, das die Gewerkschaft malt, ist düster. Über die Zustände zu reden, trauen sich die Mitarbeiter erst jetzt.

HB HANNOVER. „Betriebsräte gab es bei Heros ursprünglich gar nicht“, sagt Verdi-Fachbereichsleiterin Sonja Brüggemeier. Erst nach der Übernahme von anderen Sicherheitsfirmen, die zuvor einen Betriebsrat hatten, musste die Heros-Geschäftsführung zähneknirschend in einigen Bereichen Arbeitnehmervertreter akzeptieren – versuchte nach Darstellung von Verdi aber gleich, sie wieder loszuwerden.

Nun sitzen der Geschäftsführer und drei Mitarbeiter in Untersuchungshaft, weil sie 300 Mill. Euro Kundengelder unterschlagen haben sollen. Geschädigte sind Banken, aber vor allem Einzelhandelsunternehmen, deren Tageseinnahmen Heros transportierte.

Die Inhaftierungen können die schlimmen Erfahrungen der Mitarbeiter aber nicht wettmachen. „Nach der Übernahme im Oktober 2005 wurden wir sofort in die Zentrale nach Hannover zitiert“, berichtet ein Betriebsratsmitglied der Osnabrücker Heros Geld und Wert Logistik GmbH, der früheren WSO Geld und Wert Logistik. Dort habe man den verdutzten Arbeitnehmervertretern gedroht, keine Aufträge mehr an den Standort Osnabrück zu vergeben, wenn der Betriebsrat nicht zurücktrete. Zum Glück hätten nur 2 der 7 Gremiumsmitglieder aufgegeben.

Auch die Arbeitszeiten bei Heros sind der Gewerkschaft ein Dorn im Auge. Nach Verdi-Informationen wurden beispielsweise Beschäftigte für 9-Stunden-Schichten eingeteilt, mussten aber 14 Stunden ohne Ausgleich fahren. „Das verstößt natürlich massiv gegen das Arbeitszeitgesetz“, sagt Verdi-Frau Brüggemeier. Auch hätten Beschäftigte unterschreiben müssen, dass sie Pausen eingehalten hätten, die es in Wahrheit gar nicht gegeben habe. Erst am vergangenen Wochenende demonstrierten mehr als 500 Heros- Beschäftigte in Hannover unter dem Motto: „Gegen Unternehmerwillkür und für Demokratie im Unternehmen“. Eine Heros-Sprecherin wollte keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

Tarifverträge mochten die Heros-Chefs nicht akzeptieren, denn dem Arbeitgeberverband trat das Unternehmen nicht bei. Der Stundenlohn in der Geld- und Werttransportbranche beträgt in Niedersachsen 11,72 Euro, Heros soll sich daran orientiert haben. „Aber wenn es tatsächlich so hohe Arbeitszeitüberschreitungen gab, lag der Verdienst in Wirklichkeit natürlich deutlich niedriger“, sagt Brüggemeier.

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