Missmanagement
Berggruens Abstiegstruppe lähmt Karstadt

Karstadt rutscht immer tiefer in die Krise. Die Umstände sind Schuld, sagt das Management um den Investor Berggruen. Die Fachwelt staunt und macht den Führungstrupp verantwortlich. Schlechte Aussichten für das Warenhaus.
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DüsseldorfEine eigene Schuld für die Misere bei Karstadt will Warenhaus-Chef Andrew Jennings nicht erkennen. Es sei das "wirtschaftlich schwierige Umfeld der Euro-Krise", gab der 64-jährige Brite zu Protokoll, die den Kaufhauskonzern nun zum Abbau von 2 000 Stellen zwinge.

Manager, die dem Essener Warenhauskonzern nahestehen, sehen das allerdings anders. Von diktatorischem Führungsstil ist dort die Rede, von hohem Führungskräfteverschleiß und - für den Unternehmenserfolg am gravierendsten - von einem verfehlten Wareneinkauf.

Um zwei Prozent sei der Umsatz binnen Jahresfrist eingebrochen, berichtet das Fachblatt "Lebensmittelzeitung". Mit einem voraussichtlichen Ertrag von weniger als 100 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liege Karstadt deutlich unter Plan.

Stimmen die Zahlen - ein Karstadt-Sprecher mag sich dazu auf Anfrage nicht äußern -, sind sie kaum mit dem aktuellen Einzelhandelsklima in Deutschland zu erklären. Denn niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Konsumbereitschaft lassen die Kassen derzeit klingeln wie selten zuvor. Auch für die kommenden zwölf Monate bleiben die Erwartungen in der Branche mehrheitlich optimistisch, wie das Institut für Handelsforschung im Juni ermittelte.

Kommentare zu " Missmanagement : Berggruens Abstiegstruppe lähmt Karstadt"

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  • Neckermann lässt grüssen. Politiker sollten viel bescheidener sein. Dynamische Unternehmer - und eine fleissige und innovative Belegschaft, sofern sie innovativ sein darf - sind die Quelle von Gewinne und Arbeitsplätzen.
    Angelsächsische Investmentgesellschaften sind i.d. Regel weder geeignet, das zu erkennen, noch die Belegschaft entsprechend zu fördern und zu motivieren. Der alte NEckermann in Saft und Kraft hätte damals Internet läßt entdeckt und sich zu eigen gemacht.

  • Schon das Insolvenzverfahren war schlicht ein Skandal. Der Verwalter hat das lange hingezogen, mordsmäßig Kohle gemacht (vorwiegend aus der in die Masse vereinnahmten Umsatzsteuer !) und dann an Berggruen billigst verkauft, weil der angeblich das beste Konzept hatte. Das ist so, als würde die katholische Kirche eines ihrer zu renovierenden alten Klöster an einen Spielhallen-Betreiber verkaufen, in der Hoffnung, der mache daraus wieder ein veritables Gebetshaus...

  • Berggruen und Schlecker, an den Beiden sieht man sehr schön, wie durch Stimmungsmache in den Medien ein Menschenbild vermittelt werden kann. Berggruen der Philanthrop und Firmenretter. Schlecker der Ausbeuter und Sklavenhalter.
    Schaut man sich das Ganze mal genauer an, ist Berggruen nichts anderes als eine "Heuschrecke" die mit minimalem Kapitaleinsatz, über einen kurzen Zeitraum, Gewinnmaximierung, auch auf Kosten der Mitarbeiter, betreibt!
    Schlecker hat, als persönlich haftender Kaufmann, über zig Jahre den Laden aufgebaut und steht jetzt in der Gesellschaft als der letzte Ausbeuter da.
    Schlecker hätte rechtzeitig in einen guten Medien und Imageberater investieren sollen.

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