Missmanagement besiegelt das Schicksal der deutschen Handelsgruppe
Hintergrund: Der lange Leidensweg von Spar

Sieben Monate dauern die Verkaufsverhandlungen, dann hat der Spar-Großaktionär Klaus Peter Schneidewind den Pariser Lebensmittelriesen ITM an der Angel. Der zeigt sich bereit, 1,3 Milliarden Euro für das Unternehmen zu zahlen.

HAMBURG. „Es ist keine Übernahme, sondern eine deutsch-französische Ehe“, macht der hager wirkende Finanzjongleur 1997 den Franzosen die Mehrheit an Deutschlands fünftgrößter Lebensmittelkette Spar schmackhaft.

Geschickt hatte Schneidewind zuvor die Braut schön gemacht: So kauft das Unternehmen für Millionensummen Pro- und Continent- Märkte auf. Die Expansion beflügelt den Aktienkurs. Als die Notierung ihren Höhepunkt erreicht, verscherbeln er und seine Partner die Anteile. Ihr Profit:60 Mill. Euro.

Doch mit dem Einstieg beginnt für die Franzosen ein langer Leidensweg: Schnell merkt ITM, dass Spar durch hohe Dividenden an die alten Anteilseigner und die Zukäufe finanziell ausgezehrt ist. Die einsetzende Flaute im deutschen Einzelhandel drückt zudem auf die Margen, so dass der Konzern die Zinsen auf die Kredite kaum bedienen kann. ITM zieht die Notbremse. Die Franzosen versuchen, die Verluste durch einen harten Sparkurs zu begrenzen. Doch dies misslingt.

Mitte 2001 treten die Franzosen die Flucht nach vorn an. Sie holen den Deutsch-Schweizer Fritz Ammann. Er läutet einen Strategiewechsel ein, indem er die Verbrauchermärkte „Eurospar“ neu ausrichtet. Die Läden sollen nach dem Muster der ITM-Geschäfte in Frankreich umgebaut werden und mehr Handelsmarken sowie Frischeprodukte im Sortiment führen.

Doch die anhaltende Konsumflaute und die Expansion der Discounter machen ITM einen Strich durch die Rechnung: Das Konzept scheitert, die Franzosen schalten einen Gang zurück. Spar trennt sich von den Verbrauchermärkten und konzentriert sich auf den Großhandel. Gleichzeitig muss ITM wieder frisches Geld nachschießen, um eine Insolvenz der Tochter abzuwenden – man spricht von einer Milliarde Euro.

Dabei war Spar einst eine der größten Handelsketten Europas. Gegründet wurde das Unternehmen 1932 in den Niederlanden. Damals schlossen sich 16 Kaufleute zusammen. Ihr Motto: „Door Endrachtig Samenwerken Profitieren Allen Regelmatig.“ Frei übersetzt: „Vom gemeinsamen Handeln profitieren alle.“ Aus den Anfangsbuchstaben des holländischen Mottos entsteht der Firmenname „Spar“ – was übrigens nichts mit dem deutschen Wort „sparen“ zu tun hat, sondern das niederländische Wort für „Tanne“ ist. Das bekannte Bäumchen im Logo dürfte hier zu Lande bald der Vergangenheit angehören.

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