Mit der Metro soll das Verkehrschaos in Thailands Hauptstadt endlich verschwinden
Bangkoks neue U-Bahn bremst das Taxigewerbe aus

Bangkoks 80 000 Taxifahrer müssen neue Konkurrenz fürchten. Die 12-Millionen-Stadt hat ihre erste U-Bahn. Seit diesem Monat fährt eine Metro durch Bangkoks Innenstadt.

BANGKOK. Der 36-jährige Thailänder hasst Bangkok. Die riesige Stadt, von der er sagt, dass sie niemals schläft. Den Verkehr mit den Blechlawinen und den nicht enden wollenden Staus. Schlechte Voraussetzungen für Boonyeon Srito, denn der junge Mann verdient sein Geld als Taxifahrer – von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr nachts. „Ich würde viel lieber in sauberer Luft als Bauer arbeiten“, sagt er. Doch die Reisernte allein bringt nicht genug Geld für sich und seine Familie ein, also fährt Srito Taxi.

Nun kommen auf den Mann neue Sorgen zu, denn Bangkoks Taxifahrer müssen neue Konkurrenz fürchten. Die 12-Millionen-Stadt bekommt ihre erste U-Bahn. Seit diesem Monat fährt eine Metro durch Bangkoks Innenstadt. Sieben Jahre hat der Bau gedauert, der thailändische König hat die Bahn höchstpersönlich eingeweiht. Noch gibt es hier und da kleine Störfälle. Die Stadtväter sprechen dennoch von ungeheuren Entlastungen für den Verkehr, der in der Metropole über die Jahrzehnte hinweg zur Plage geworden ist. Prapat Jongsanguan, Direktor der Verkehrsbehörde MRTA, jubiliert: „Die Staus in der Innenstadt können durch den Betrieb der U-Bahn halbiert werden.“

Doch es sind hauptsächlich Geschäftsleute und Touristen, die von der U-Bahn profitieren. Für viele Thailänder ist das Ticket von umgerechnet 30 bis 70 Cent unerschwinglich, sie werden sich weiterhin mit den klapprigen Billig-Bussen durch das Gewusel bewegen. Jeder andere, der es sich leisten kann, ließ sich bislang chauffieren: im Auto, im Tuk-Tuk – einem Zweitakter auf drei Rädern – oder auf dem Moped. „Wenn die U-Bahn erst etabliert ist, wird das vorbei sein“, fürchtet der Taxifahrer Srito. Seinen Opel hat er von seinem Chef gemietet. Nach Abzug von Leihgebühr und Benzinkosten bleiben ihm an einem guten Tag zwölf Euro, meist sind es viel weniger.

So wie der 1,55 Meter große Mann denken viele seiner Kollegen. Rund 80 000 Taxifahrer und 10 000 Tuk-Tuk-Fahrer – ihre Zweitakter sind nach dem Fahrgeräusch benannt – bieten in Bangkoks Innenstadt ihre Dienste an. Sie halten den Verkehr in dem Moloch aufrecht – und sie bringen ihn gleichzeitig immer wieder zum Erliegen. Mit dem Einzug der U-Bahn fürchten die Chauffeure um ihren Job. 250 000 Passagiere wollen die U-Bahn-Betreiber täglich befördern, nach der Anfangsphase sogar 400 000. „Wenn ich noch weniger Gäste habe“, sagt Srito, „weiß ich nicht mehr, wovon ich meine Familie ernähren soll.“

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