Mitflugzentralen
Mitreisende im Privatjet gesucht

In den Urlaub mit dem Privatjet? Das ist nicht so teuer wie man denkt. Auf etlichen Internetseiten suchen Hobbypiloten nach Mitfliegern - von der kleinen Propellermaschine bis zum luxuriösen Minijet.
  • 7

DüsseldorfÜberfüllte Flughäfen, Warteschlangen am Check-In-Schalter, stundenlange Sicherheitskontrollen - irgendwann war Clive Jackson so genervt von Linienflügen, dass er sich auf die Suche nach Alternativen machte. Um zu seinem Ferienhaus auf Mallorca zu fliegen, charterte der Chef einer Londoner Onlinemarketing-Agentur kurzerhand einen Privatjet und suchte über eine Website nach Mitfliegern. Die Resonanz war groß.

So groß, dass Jackson seine Idee mittlerweile zum Geschäft gemacht hat. Mit einer eigenen Website vermittelt er freie Plätze in Privatjets und stellt den Kontakt zwischen Chartergesellschaften und Privatkunden her. Victor funktioniert wie die mittlerweile weitverbreitete Mitfahrzentrale fürs Auto. Wer nach einem Platz im Privatjet sucht, kann die Angebot durchstöbern oder gleich ein eigenes Flugzeug chartern und Mitflieger anwerben. Die Agentur erstellt ein Angebot und berechnet den Flugpreis pro Kunde. Nur wer fliegt, zahlt auch. Eine Mitgliedsgebühr verlangt Victor nicht.

Ein Oneway-Ticket für einen Flug von Düsseldorf nach Paris in einer viersitzigen Privatmaschine gibt es bereits ab 565 Euro, wenn alle Plätze belegt sind. Bei der Lufthansa kostet ein vergleichbarer Flug in der Businessclass 479 Euro. Viele Strecken sind mit Linienfliegern kaum erreichbar - oder nur mit sehr viel Geld. Ein Flug von München nach St. Tropez kostet in der Businessclass beispielweise 1.400 Euro - mit Umstieg in Genf. Mit Victor wäre die Modemetropole an der Cote d'Azur ohne umsteigen bereits für 795 Euro zu erreichen, wenn man genug Mitflieger findet.

Bisher bietet die private Jetshare-Community nur Flüge innerhalb Europas an. Doch mit einer Kapitalspritze von 1,5 Millionen Pfund (ca. 1,9 Millionen Euro) von privaten Investoren will Jackson das Angebot deutlich ausbauen. Eine Erweiterung des Streckennetzes in die USA, den Mittleren Osten, nach Asien und Lateinamerika ist geplant. „Mein Traum ist es, die ganze Welt zu vernetzen“, sagt Gründer Jackson. Nach einem Jahr haben sich auf Victor bereits fast 1800 Kunden registriert. Neben der Ersparnis schätzen seine Kunden auch die Kontakte, die man im Flugzeug knüpfen kann. Zu seinem Kundenkreis zählen viele Businesskunden und wohlhabende Passagiere, die sich den Stress an den Flughäfen ersparen wollen.

Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Die Online-Seite eddh.de bietet eine Mitflugbörse an, auf der besonders viele Flüge von kleinen Regionalflughäfen bereitgestellt werden. Weltstädte findet man eher selten auf dem Abflugplan. Beispielweise wird ein Flug von Donaueschingen nach Heringsdorf hin und zurück für 880 Euro angeboten, von Braunschweig nach Magdeburg fliegt man schon für 100 Euro. Strecken, die niemals von Linienmaschinen beflogen werden, sind hier günstig zu haben.

Seit 2006 vermittelt auch mitfliegen.eu freie Plätze in Privatflugzeugen. Das Angebot ist überschaubar, aber auch bezahlbar. Von Augsburg nach Lugano kostet ein Sitz 390 Euro.

Mit dem Billigflieger können die Mitflugzentralen zwar nicht konkurrieren. Doch für gestresste (Business-)Reisende können sie eine ernsthafte Alternative sein.

Kommentare zu " Mitflugzentralen: Mitreisende im Privatjet gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was die Kontrollen betrifft, ist das nicht ganz richtig. ich fliege selber und es gibt keine Kontrollen an kleinen Flugplätzen. Würde das ganze auch noch weiter verteuern und es ist schon teuer genug. Aber die Kontrollen an großen Flugplätzen sind schon mehr als nur "lästig". Es ist richtig unangenehm. Viele Leute wollen das nicht mehr und fahren kurze Strecken mit dem PKW. Man stelle sich vor, man würde sowas an allen Bahnhöfen und Zügen einführen. Es würde ein Chaos ausbrechen. Und die Terroranschläge in Madrid/London haben gezeigt, das leider Terroristen vor Bus und Bahn keinen Halt machen. Einen Flieger mit 170 Leuten oder ein vollen Zug oder Bahnhof sprengen? Wo ist der Unterschied. Die Terroristen haben etwas erreicht, leider. Unser normales Leben doch schon stark einzuschränken. Genau das wollen die. Man sollte daher diese Neiddebte mit privaten Fliegen oder Bussinessjet mal aus diesem Licht sehen. Und Zeit bringen diese Jets ja auch noch. Alleine die Zeit vorm Abflug sind locker 60-90 Minuten, die man spart...

  • Ah, pünktlich zur "Klimawandel-Konferenz" in zwei Wochen ein Artikel darüber wie die vornehmen Herren und Damen Klimaschwandler vor Ort kommen. Die bedeutenden Klimagurus (z.B. Klimamilliadär Al Gore) wissen das allerdings schon lange, wie man so im Privatflieger einschwebt, um dann dem stauenden Volk das Ausatmen (Vorsicht CO2) zu verbieten.

  • Wäre gerne mit Matthias Rust mitgeflogen. Seitdem abgelutscht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%