Mitgliedstaaten sollen europäisches Aufsichtssystem einrichten
EU nimmt Wirtschaftsprüfer an die Leine

Die EU-Kommission schlägt nach Informationen des Handelsblatts ein europäisches Aufsichtssystem zur Überwachung der Wirtschaftsprüfer vor. Außerdem setzt sich der zuständige Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein für eine umfassende Verschärfung der EU-Vorschriften für Wirtschaftsprüfer und Prüfungsgesellschaften ein.

BRÜSSEL. Die Kommission will den Revisionsvorschlag im März vorlegen. Die EU-Behörde reagiert mit ihrem Vorschlag zur Modernisierung der 8. EU-Richtlinie zum Gesellschaftsrecht auf die jüngsten Finanzskandale in den USA und Europa – Enron und Parmalat. Die in der EU-Direktive aus dem Jahre 1984 vereinbarten Vorschriften zur Ausbildung und Zulassung von Wirtschaftsprüfern bleiben im Wesentlichen unverändert. Bolkestein hatte zuletzt mehrfach auf den dringenden Handlungsbedarf hingewiesen. Hingegen hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel bei letzten Treffen der EU-Finanzminister vor voreiligen Konsequenzen aus den jüngsten Skandalen gewarnt und eingehende Analysen angemahnt.

Die EU-Mitgliedstaaten sollen einem Richtlinienentwurf zufolge effektive, unabhängige Systeme zur Beaufsichtigung von Prüfern und Prüfungsgesellschaften aufbauen. Mit Hilfe dieser Systeme sollen die Zulassung und Ausbildung der Prüfer sowie interne Kontrollen und die Qualitätssicherung der Prüfungsarbeiten überwacht werden. Darüber hinaus sollen die nationalen Aufseher in der EU grenzüberschreitend bei Untersuchungen gegen Unternehmen kooperieren und auf Verbesserungen bei der Überwachung der Prüfer hinwirken. Mitgliedstaaten und Kommission sollen in Brüssel einen Ausschuss gründen, der die Einhaltung der Richtlinie auf politischer Ebene überwachen soll.

Prüfungsgesellschaften aus Drittstaaten sollen einer besonderen Zulassungs- und Registrierungsprozedur unterzogen werden. Davon dürften vor allem amerikanische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sein. Nach Angaben von Alexander Schaub, dem Chef der für die Novelle zuständigen Generaldirektion Binnenmarkt der EU-Kommission, stehen Kommission und US-Regierung in engem Kontakt, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Die Prüfer selbst werden dem Entwurf zufolge zur Unabhängigkeit von der zu prüfenden Gesellschaft verpflichtet. Aktiengesellschaften sollen künftig ihre Prüfer spätestens alle sieben Jahre auswechseln; die Einbindung der Wirtschaftsprüfer in Management-Entscheidungen soll aber unterbleiben.

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