Mittlerweile rund 20 private Wetterdienstleister in Deutschland
Prognose teils heiter, teils wolkig

Das private Geschäft mit dem Wetter wird durch die staatliche Konkurrenz ausgebremst.

DÜSSELDORF. Als im August die Hitze einfach nicht vorüber gehen wollte, konnten sich Meteorologen vor Arbeit kaum retten: Landwirte und Binnenschiffer brauchten präzise Wettervorhersagen und Schadensgutachten. Unternehmen erkundigten sich vorsorglich nach Produkten zum Schutz vor extremem Wetter. Und reisefreudige Bürger wollten wissen, wie es mit dem Sommer denn nun weiter gehe. Extreme Wetterlagen bringen Wetterdienstleistern gute Geschäfte.

Mittlerweile gibt es rund 20 private Wetterdienstleister in Deutschland - neben Jörg Kachelmanns Meteomedia noch etwa fünf weitere große Wetterdienstleister und einige kleinere Anbieter. Ein Boom der Branche wird derzeit vom staatlichen Deutschen Wetterdienst (DWD) behindert. Denn der DWD, der dem Verkehrsministerium unterstellt ist, muss nach dem so genannten DWD-Gesetz seine Leistungen auch kommerziell anbieten. Das führt dazu, dass der DWD die privaten Wetterdienstleister mit teuren Rohdaten beliefert und ihnen dann das Geschäft mit fertigen Wetterberichten kaputt macht, indem der DWD eigene Prognosen an Medien und Unternehmen günstig abgibt.

Dagegen wehren die privaten Anbieter sich und haben sich zum Verband der Deutschen Wetterdienstleister (VDW) zusammengeschlossen. Der Verband fordert, dass der DWD sämtliche deutsche Rohdaten freigeben soll, und hoheitliche und kommerzielle Aufgaben der Behörde in Zukunft voneinander trennt. Dann müssten sich Leistungen des DWD zu Marktpreisen gegen die private Konkurrenz behaupten.

Einen ersten Schritt hat der DWD mittlerweile getan und zieht sich bis Anfang 2004 aus dem Geschäft mit den Medien zurück. Die morgendlichen Radio-Interviews mit den Beamten des DWD zum Tageswetter - mit ihren wolkigen Prognosen wie „teils heiter, teils wolkig“- fallen dann ebenso weg wie DWD-Wetterberichte in der Tageszeitung oder im Fernsehen.

„Ein längst überfälliger Schritt“, meint Dennis Schulz, Vorstandsmitglied des VDW. „Interessant sind vor allem die Bereiche, in denen Wetterberichte noch teuer verkauft werden können“, sagt Jürgen Schmidt vom japanischen Weltmarktführer Weathernews Inc (WNI), mit über 700 Mitarbeitern in 14 Ländern. So seien beispielsweise Wetterprognosen für die Flugsicherung sehr lukrativ. Beim DWD schlägt dieser Posten mit 60 Mill. Euro Umsatz jährlich zu Buche. Mit dem Medien- und Beratungsgeschäft nimmt die Behörde nur 12 Mill. Euro ein. Die Wetterprognosen für die Flugsicherung sind in Deutschland jedoch noch fest in staatlicher Hand.

In den USA sind dagegen 90 % aller Spezialwetterdienste - auch für die Flugsicherung - in privater Hand. Über 450 Firmen mit insgesamt 4000 Mitarbeiter setzen jährlich rund 400 Mill. Euro um. In Europa leben gerade mal 300 Mitarbeiter von privaten Anbietern, die 35 bis 50 Mill. Euro umsetzen.

Die Rohdaten des National Weather Service (NWS) sind in den USA frei zugänglich. Dadurch können auch kleine Firmen mit wenig Kapital spezielle Wetterdienste anbieten. Das spiegelt sich in der Unternehmensstruktur wider: 90 % der Wetterdienstleister sind kleine Anbieter mit ungefähr zehn Mitarbeitern. Zwölf große Unternehmen machen jedoch die großen Aufträge wie Wetterprognosen für die Flugsicherung, Energieversorger oder das Gutachtengeschäft. Bei solchen Aufträgen kommt es auf sehr exakte Daten an, für die immer neue Technik und innovative Methoden benötigt wird.

Der VDW sieht für den deutschen Markt ein ähnliches Potenzial wie in den USA. „Aber die Rahmenbedingungen stimmen hier einfach noch nicht“, meint ein Sprecher des VDW. Der DWD ist nach wie vor Monopolist in vielen Bereichen. Aber auch der Sprecher des DWD geht davon aus, dass sich das ändern wird. Denn der DWD würde ja mittlerweile die Rohdaten sogar freigeben. Er darf es aber noch nicht. Das zuständige Verkehrsministerium hat aber reagiert und einen Arbeitskreis eingerichtet. Noch in diesem Jahr sollen Ergebnisse präsentiert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%