mmer mehr europäische Konzerne verlagern wichtige Service-Abteilungen in den neuen EU-Mitgliedsstaat
Dienstleister zieht es nach Tschechien

Neben Indien und anderen asiatischen Ländern entwickeln sich die neuen EU-Staaten in Ostmitteleuropa zu wichtigen Standorten für strategische Dienstleistungen und Technologiezentren großer westlicher Unternehmen. So hat jetzt der Softwarekonzern SAP die Verlagerung von Verwaltungskapazitäten aus der Konzernzentrale in Walldorf in die tschechische Hauptstadt Prag angekündigt.

PRAG. Dort sollen von 2005 an Teile der Buchhaltung des Unternehmens abgewickelt werden. Auch in Polen und Ungarn haben internationale Konzerne wie General Motors und General Electric sowie große westliche Transportunternehmen Logistikzentren eingerichtet. Deutsche Unternehmen wie Audi, Siemens und Bosch betreiben in diesen Ländern auch zunehmend Forschung und Entwicklung.

Gabor Hunya vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche schätzt, dass mehr als die Hälfte der ausländischen Direktinvestitionen, die ab 1998 in Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien und der Slowakei getätigt wurden, auf den Dienstleistungssektor entfielen. Die Fertigungsindustrie dagegen verzeichnete nur noch knapp 40 Prozent. „Die arbeitsintensive Produktion, die nur geringe Qualifikation der Arbeitskräfte erfordert, wandert aus diesen Ländern allmählich ab, während sich die wissensintensive Produktion und Dienstleistung zunehmend dorthin verlagern“, sagt Hunya.

Unter den neuen EU-Staaten Ostmitteleuropas ist derzeit Tschechien der beliebteste Standort für die Auslagerung von Dienstleistungen. Neben Exxon-Mobil, Honeywell, Olympus Services, Logica Systems und Accenture hat sich jetzt auch der Logistik- und Frachtspezialist DHL entschlossen, eines seiner drei globalen IT-Zentren in Prag anzusiedeln. Nach dem Offshore Location Attractiveness Index (OLAI) des Unternehmensberaters A.T. Kearney liegt Tschechien an vierter Stelle, wenn es um die Attraktivität als Auslagerungsstandort geht. Auf den Plätzen zehn und elf folgen Polen und Ungarn. Spitzenreiter sind Indien, China und Malaysia. Der OLAI-Index bewertet 25 Länder – die USA und die führenden Industriestaaten Westeuropas gehören allerdings nicht dazu. „Gerade das Beispiel DHL zeigt, dass Tschechien im globalen Rahmen wettbewerbsfähig ist“, sagt Radomil Novak, Chef der staatlichen Investitionsagentur Czech-Invest in Prag.

Über Czech-Invest wird auch ein Regierungsprogramm abgewickelt, das solche Investitionen finanziell unterstützt. So kann beispielsweise die Einrichtung eines Call-Centers gefördert werden, wenn die Investitionssumme mindestens 30 Mill. Kronen (etwa eine Mill. Euro) beträgt und wenn wenigstens 50 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Gründung von Technologiezentren kann schon bei einer Investitionssumme von 15 Mill. Kronen unterstützt werden. „Wir fördern außerdem die Kooperation zwischen internationalen Unternehmen und unseren Universitäten, wenn es um Forschung und Entwicklung geht“, sagt der Vizepremier für Wirtschaft, Martin Jahn.

So sind die staatliche Förderung und die vergleichsweise niedrigen Personalkosten zwei wesentliche Aspekte für das Engagement internationaler Investoren in Tschechien. Hinzu kommt, dass das Land über moderne sichere Datennetze verfügt. Czech-Invest-Chef Novak verweist außerdem auf die weitgehende Digitalisierung der Telekommunikation und die allgemeine Nutzung von IT-Technologie auf hohem Niveau. Außerdem gibt es eine große Zahl junger, gut ausgebildeter Fachkräfte, die mehrere Fremdsprachen beherrschen. Die Immobilienpreise sind zudem bislang relativ moderat. „Aus all diesen Gründen ist Prag für uns der richtige Standort“, betont Marc van Eeckhoudt, Manager des Business Support Centers in der tschechischen Hauptstadt.

Die zunehmende Verlagerung von strategischen Dienstleistungen und Technologiezentren nach Tschechien haben auch die Struktur der Volkswirtschaft des osteuropäischen Landes spürbar verändert. Während der Anteil der Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt 1989 noch bei knapp 40 Prozent lag, beträgt er inzwischen etwa 55 Prozent.

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