Nahverkehr in Essen

Die Bundesregierung will angesichts einer drohenden Klage der EU-Kommission ihre Maßnahmen für eine saubere Luft in deutschen Städten deutlich ausweiten. Dazu gehört auch ein möglicher kostenloser öffentlicher Nahverkehr.

(Foto: dpa)

Mobilität Kostenloser Nahverkehr „ermuntert niemanden, das Auto stehen zu lassen“

Die Bundesregierung hat die Debatte um kostenlosen Nahverkehr losgetreten. Doch das Konzept wurde bisher regelmäßig zum Fehlschlag.
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DüsseldorfEtwas mehr Begeisterung hätten die drei geschäftsführenden Kabinettsmitglieder – Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) – wohl erwartet. Ihre nicht ganz neue Idee, Diesel-Fahrverboten in Städten mit kostenlosen Nachverkehrstickets vorzubeugen, stößt aber eher auf Skepsis, wenn nicht gar Ablehnung.

Dem Präsidenten des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und zugleich Chef der Kölner Verkehrsbetriebe, Jürgen Fenske, fiel dazu nur die Bemerkung ein: „So weit, so gut.“ Und ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Meist endeten Versuche mit Gratisangeboten nach wenigen Jahren der Begeisterung als veritabler Flop.

Schon heute, stellt Fenske fest, drängelten sich die Fahrgäste überall in Bussen und Bahnen. Ein kurzfristiger, sprunghafter Fahrgastanstieg würde die vorhandenen Systeme vollständig überlasten. In dasselbe Horn stößt auch Gewerkschaftsboss Alexander Kirchner. Der Chef der Eisenbahnergewerkschaft EVG sagt: „Das wird nicht funktionieren.“ Heute seien Zugausfälle, Verspätungen und zu Stoßzeiten übervolle Züge die Regel. „Das ermuntert niemanden, das Auto stehen zu lassen, selbst wenn die Fahrt mit dem Nahverkehr nichts kostet.“

Gestützt wird Kirchners Skepsis durch eine Umfrage des Automobilclubs VCD bei Pkw-Fahrern. Danach fand die Organisation heraus, dass der Fahrpreis beim Ausflug in die Stadt erst an sechster Stelle der Prioritäten rangiert. Wichtiger waren den Befragten nicht nur Flexibilität, Zeitgewinn und Pünktlichkeit, sondern Komfort und Verfügbarkeit.

Ohnehin stellt sich die Frage, was sich die Minister bei ihrem Vorstoß gedacht haben. Nach den Berechnungen des VDV zahlt jeder Fahrgast durchschnittlich nur 1,20 Euro pro Fahrt aus der eigenen Tasche. Grund ist die üppige öffentliche Förderung für Tram, Busse, S-Bahnen und Regionalzüge. Allein der Bund verteilt jedes Jahr 8,2 Milliarden Euro Regionalisierungsmittel an die Bundesländer zur Subventionierung des Schienenpersonennahverkehrs.

Dazu kommen 330 Millionen Euro aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, die den Kommunen beim Ausbau ihrer Verkehrsangebote zugutekommen. Weitere 1,3 Milliarden Euro sogenannter Entflechtungsmittel flossen jedenfalls bislang ebenfalls in den öffentlichen Nahverkehr. Und die Länder selbst stecken noch 940 Millionen Euro ins System.

Unterm Strich finanziert der Staat schon heute den öffentlichen Personennahverkehr mit elf Milliarden Euro pro Jahr. Dazu kommen noch die Investitionen der staatseigenen Deutschen Bahn, die speziell in das regionale Schienennetz fließen. Ein kostenfreier bundesweiter Nahverkehr würde das erforderliche staatliche Subventionsbudget in etwa verdoppeln. Denn die Verkehrsunternehmen kassieren selbst zehn Milliarden Euro an klassischen Fahrgeldeinnahmen. Die fielen beim Null-Euro-Ticket weg.

Wo Taxifahren wenig kostet – und wo es besonders teuer ist
Taxipreise
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Wer in ein Taxi am Tokioter Flughafen steigt, ist – in der Innenstadt angekommen – schon mal um 170 Euro ärmer. Wo Taxifahren am teuersten, wo es am günstigsten ist, das hat das Online-Autohaus Carspring in einer Studie herausgefunden. Sie legt den Preis für Taxifahrten in 80 Städten weltweit offen. Sich über den ungefähren Fahrpreis zu informieren, kann Abzocke vorbeugen.

Die Rangliste beruht in erster Linie auf dem Preis für eine gewöhnliche Fahrt von drei Kilometern Länge. Die Bildergalerie zeigt die fünf preiswertesten – und die fünf teuersten Taxi-Städte. Auch die deutschen Vertreter tauchen im oberen Drittel auf.

Platz 5: Mexiko-Stadt
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Der Mann auf der Motorhaube mag etwas irritieren, aber der Kult-Käfer von Volkswagen war in der mexikanischen Hauptstadt lange das beliebteste Modell für Taxis. Mittlerweile soll das laut dem Carspring-Index der Nissan Tsuru sein. Mexiko-Stadt ist unter den 80 untersuchten Orten die günstigste Taxi-Stadt Lateinamerikas. 1,36 Euro kostet hier eine drei Kilometer lange Fahrt.

Platz 4: Bukarest
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Auf Uber können Kunden in 65 der 80 Städte zurückgreifen. Ende April protestierten Taxifahrer vor dem Regierungsgebäude in Bukarest gegen Online-Fahrdienstleister. Dabei sind normale Taxis schon erschwinglich. Drei Kilometer kosten 1,31 Euro.

Platz 3: Jakarta
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Indonesische Warteschlange: 1,31 Euro müssen Taxi-Kunden für drei Kilometer aufwenden. Toyota-Modelle sind nicht nur in Jakarta hoch im Kurs...

Platz 2: Mumbai
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Der Toyota Innova ist das beliebteste Modell unter Mumbais Taxiunternehmern. Schon für 1,24 Euro legt man in der indischen Hafenstadt die Drei-Kilometer-Strecke zurück.

Platz 1: Kairo
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In der ägyptischen Hauptstadt kostet die Entfernung bloß 49 Cent. Kairo ist damit die mit Abstand günstigste Stadt für Taxi-Nutzer. Und in noch einer wichtigen Kategorie wird der Geldbeutel der Kunden geschont: Die Fahrt vom Flughafen beläuft sich auf 3,73 Euro. Beim Grundpreis ist Kairo (20 Cent) schlagbar: In Tunis liegt der gerade mal bei 17 Cent.

Platz 65: Köln
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Deutschland kommt da nicht mit. Für 9,41 Euro käme man in Kairo knapp 60 Kilometer weit, in Köln reicht das Geld nur für drei. Die Rheinländer bieten die Dienstleistung im Vergleich zu den drei anderen deutschen Millionenstädte am preiswertesten an. Die Taxi-Lobby ist stark im Mercedes-Land. Nur in zwei Metropolen ist Uber zugelassen: in Berlin und der teuersten Taxi-Stadt Deutschlands...

Was dazu kommt: Bürgermeister, die es in ihren Städten mit dem kostenfreien Personennahverkehr versuchten, bleiben bis heute den Erfolgsbeweis schuldig. So in der brandenburgischen Stadt Templin. Sie erließ ihren 16.000 Einwohnern 1998 nicht nur die Fahrtkosten: Auf Druck der Stadtverwaltungen gab es neue Haltestellen, eine dichtere Taktfrequenz und sogar den Einsatz von Kleinbussen auf weniger gefragten Strecken.

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