Modebranche
H & M fädelt Übernahme ein

Erstmals in der Unternehmensgeschichte übernimmt H & M eine Firma: Für 60,3 Mill. Euro erwirbt der schwedische Mode-Konzern 60 Prozent an dem heimischen Konkurrenten Fabric Scandinavia. Mit dem Kauf will das Unternehmen wieder zu ihrem spanischen Konkurrenten, der Inditex-Gruppe (Zara und Massimo-Duti), aufschließen.

STOCKHOLM. H & M sicherte sich außerdem ein Vorkaufsrecht für den Rest der Scandinavia-Aktien. Von dieser Option kann der Konzern in den kommenden drei bis fünf Jahren Gebrauch machen. Zu Fabrics Scandinavia gehört die Designer-Jeans-Marke Cheap Monday, die in den vergangenen Jahren international große Erfolge feierte. Und das trotz oder wegen der ungewöhnlichen Preispolitik: Cheap-Monday-Jeans dürfen nicht mehr als umgerechnet 40 Euro kosten. Dennoch haben sie sich bei Jugendlichen, aber auch US-Filmstars durchgesetzt.

Mit dem Einstieg bei Fabrics Scandinavia übernimmt H & M auch die zum Unternehmen gehörenden Mode-Ketten Weekday und Monki. Beide Ketten sind bislang nur in Nordeuropa tätig. "Wir sind seit langem von den Erfolgen von Fabrics beeindruckt", sagte H & M-Chef Rolf Eriksen in Stockholm. Das Konzept wolle man gemeinsam auf anderen Märkten weiterentwickeln, sagte er. Fabrics solle eigenständig bleiben.

Fabrics Scandinavia setzte im vergangenen Jahr 250 Mill. Kronen um und erwirtschaftete einen Gewinn von 67 Mill. Kronen. Analysten zeigten sich von H & M?s Vorstoß positiv überrascht. "Übernahmen gehören eigentlich nicht zu H & M?s Strategie", sagte Rolf Karp, Analyst beim Börsenmakler Öhman in Stockholm. Er bewertete den Einstieg bei Fabrics sehr positiv, da der Mode-Riese sich so neue Zielgruppen erschließen könne. Die H & M-Aktie gab in einem schwachen Umfeld dennoch um knapp zwei Prozent nach.

H & M war bis 2005 nach dem Umsatz berechnet Europas größter Modekonzern. Danach übernahm die spanische Inditex-Gruppe mit ihren Zara- und Massimo-Duti-Läden den ersten Platz. Seitdem versucht der schwedische Konzern wieder Anschluss an den Spitzenreiter zu finden.

Derzeit wächst H & M schneller als der spanische Konkurrent. Ein Grund dafür ist der Ausbau des Online-Geschäfts in den Niederlanden, Deutschland und Österreich. In den kommenden zwölf Monaten wird das Unternehmen voraussichtlich auch einen Online-Shop in Großbritannien eröffnen. Bislang steht der Internet-Verkauf für nur 1,5 Prozent des H & M-Gesamtumsatzes von 92,1 Mrd. Kronen. Experten rechnen aber damit, dass der Online-Anteil in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird. Konkurrent Zara ist noch offline.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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