Modebranche Hugo Boss ohne Boss

Der Modekonzern Hugo Boss kämpft gegen massive Absatzprobleme in wichtigen Märkten. Wenige Tage nach der Gewinnwarnung muss Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs abtreten. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Der langjährige Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs verlässt „auf eigenen Wunsch“ den Modekonzern. Quelle: dpa
Hugo Boss

Der langjährige Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs verlässt „auf eigenen Wunsch“ den Modekonzern.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/StuttgartHugo Boss schockiert die Öffentlichkeit in dieser Woche gleich zwei Mal: Erst kürzt der Modekonzern seine Gewinnprognose. Der Kurs der Aktie stürzte zeitweise um 20 Prozent ab.

Dann, zwei Tage später, teilt das Label mit, dass Claus-Dietrich Lahrs am kommenden Montag „auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand der Gesellschaft“ ausscheidet. Hugo Boss steht ohne Boss da – ein Nachfolger ist noch nicht Sicht.

Die Gründe für diese Personalie sind vielfältig: Offenbar hat Hugo Boss in den wichtigen Absatzmärkten USA und China doch größere Probleme als bekannt, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Adhoc-Mitteilung hervorgeht. Genau diese beiden Märkten sorgen dafür, „dass das operative Ergebnis des Konzerns im Jahr 2016 im niedrigen zweistelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahr zurückgehen wird“, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. In den USA drücken die Preiskämpfe bei großen Handelspartnern Umsatz und Marge. Dort machte Boss 2014 immerhin 463 Millionen des insgesamt 2,6 Milliarden Euro großen Gesamtumsatzes.

Das sind die stärksten deutschen Luxusmarken
15. Poggenpohl
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Küchen von Poggenpohl werden stets maßgefertigt und genau an Raum und Haushaltsgröße des Kunden angepasst. Gegründet wurde das Unternehmen 1892 von Friedemir Poggenpohl als kleine Tischlerei mit Ausstellungsraum. Heute stehen Poggenpohl-Küchen in mehr als 70 Ländern.

Quelle: Luxury Business Report 2015

14. Koch und Bergfeld
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Seit 185 Jahren fertigt die Manufaktur hochwertige Silberwaren in Handarbeit. Das Unternehmen ist damit eine der ältesten noch aktiven Silberwarenfabriken Deutschland. Es fertigt unter anderem Messer, Gabeln, Löffel und andere Besteckteile aus verschiedenen Epochen wie Klassizismus, Jugendstil, Barock, Rokoko oder Art déco.

13. Bechstein Piano
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1853 nahm Carl Bechstein in Berlin die „Pianofortefabrikation“ auf. Bis heute baut das Unternehmen Flügel und Klaviere, die mit ihrem Klang Maßstäbe setzen. Voller Stolz zitiert das Unternehmen Claude Debussy mit dem Satz: „Man sollte Klaviermussik nur für den Bechstein schreiben.“

12. Dedon
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Bobby Dekeyser war Fußballprofi und Torwart des TSV 1860 München, als er Dedon 1990 gründete. Heute ist das Unternehmen eine der weltweit führenden Outdoor-Möbelmarken. Die Stühle, Tische oder Liegen werden in Handarbeit geflochten und sind mit ihrer speziell entwickelten Kunsststofffaser besonders widerstandsfähig. Gleichzeitig hat das Unternehmen schon viele renommierte Design-Preise gewonnen.

11. Robbe & Berking
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Schon seit 1874 schmiedet das Familienunternehmen hochwertige Silberstecke und Tafelgeräte – inzwischen in der fünften Generation. Rund 20 Tonnen Silber verarbeiten die knapp 200 Beschäftigten pro Jahr. Das Flensburger Unternehmen handelt auch mit Edelmetallen und seit 2008 baut eine Tochterfirma Yachten aus.

10. BWM i8
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Der bayerische Premiumhersteller hat einen Sportwagen entwickelt, der einen Energieverbrauch und Schadstoffemissionen wie ein Kleinwagen hat. Dank einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor beschleunigt das Fahrzeug zwar in 4,4 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, verbraucht auf 100 Kilometern aber im Schnitt nur 2,1 Liter Benzin und 11,9 Kilowattstunden Strom.

9. Porsche
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Automarken gibt es viele in Deutschland, aber keine hat so einen Kultstatus wie der Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen. Die Volkswagen-Tochter sieht sich selbst nicht nur als größter und traditionsreichster Sportwagenhersteller der Welt, sondern auch noch als das weltweit profitabelste Automobilunternehmen.

Auch auf dem wichtigen chinesischen Markt geriet die Expansionsstrategie von Lahrs in Schwierigkeiten. Er versuchte zwar noch im China-Geschäft gegenzusteuern – was ihm nur bedingt gelang. So übernahm er Filialen in Eigenregie, die er dort zuvor mit Partnern betrieben hatte. Doch das konnte den Abschwung nicht aufhalten. Denn immer mehr Chinesen kaufen Anzüge von Hugo Boss lieber in Europa, wo sie deutlich billiger sind. Lahrs verkündete deshalb diese Woche, dass er die Preise in China auf europäisches Niveau anpassen werde.

Darüber hinaus war Lahrs war ein großer Verfechter der Filialisierungsstrategie. So wollte er bis 2020 rund 75 Prozent seines Umsatzes mit eigenen Läden erzielen. Doch die Expansion ist wegen der hohen Ladenmieten in Spitzenlagen und hohen Investitionen in den Ladenausbau teuer. Lahrs selber ließ im Herbst aufhorchen, dass er das Expansionstempo drosseln wolle.

Lahrs hat Hugo Boss in seiner achtjährigen Amtszeit als Vorstandschef groß gemacht. Er setzte zuletzt vor allem darauf, die Marke im Markt höher bis in den Luxusbereich hinein zu platzieren. Dieses Vorhaben sahen Branchenbeobachter jedoch kritisch. Schließlich greift Boss damit Marken wie Ermenegildo Zegna und andere Luxuslabels an. Viele Jahre war Boss hingegen im Geschäft mit Premium-Männermode erfolgreich.

Wer den 52 Jahre alten Lahrs an der Spitze beerben wird, ist offen. Der Personalausschuss des Aufsichtsrates werde sich „unverzüglich mit der Frage befassen“, teilte Boss mit. Außerdem wird Bernd Hake zum 1. März neuer Vorstand für den Bereich Vertrieb und Einzelhandel. Hake war zuvor Senior Vice President der Region Europa, Naher Osten und Indien. Bis ein Nachfolger für Lahrs gefunden ist, sollen die verbliebenen Vorstandsmitglieder die Geschäfte führen. Das sind derzeit Mark Langer für Finanzen, Personal und Logistik sowie Christoph Auhagen für Markenmanagement, Beschaffung und Produktion.

Den Anlegern gefiel Nachricht, dass Lahrs den Konzern verlassen werde. Die Aktie legte zwischenzeitlich von 51,54 auf 53,10 Euro zu – und erholte sich somit nach dem Kurssturz am Dienstag leicht.

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