Modebranche
Jeanshändler Werdin steht vor dem Aus

Der traditionsreiche deutsche Jeanshändler Werdin steckt in einer schweren Krise. Nachdem das Lübecker Unternehmen im vergangenen Jahr in die Verlustzone gerutscht war, will sich der spanische Eigentümer Cortefiel nun von dem Filialisten trennen. Wie viele der mehr als 30 Filialen in Deutschland dicht gemacht werden, blieb vorerst unklar.

DÜSSELDORF / HAMBURG. Der spanische Mutterkonzern prüft derzeit, ob ein Teil der Geschäfte unter dem Namen „Springfield“ weitergeführt wird. „Wir wollen hierüber in den nächsten Monaten entscheiden“, sagte Cortefiel-Sprecher Ignacio Sierra dem Handelsblatt. Die Jeansmarke Werdin werde es weiter zu kaufen geben.

Cortefiel ist nach der börsennotierten Inditex (Zara) der zweitgrößte Modekonzern Spaniens und in Deutschland mit dem Herrenausstatter „Springfield“ sowie den Damenwäschegeschäften „Woman’s Secret“ vertreten. Unter der Marke Springfield haben die Spanier bundesweit rund 60 Geschäfte und Flächen im Einzelhandel. Den Jeanshändler Werdin hatte Cortefiel im Jahr 2000 von dem Hagener Handelskonzern Douglas übernommen.

Werdin wurde 1972 von Günther Werdin gegründet und vertreibt junge Mode – vor allem Jeans und die Eigenmarke Werdin. Im hart umkämpften Modemarkt verloren die Lübecker zuletzt den Anschluss. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Werdin bei einem Umsatz von 30 Mill. Euro einen Fehlbetrag, dessen Höhe nicht näher beziffert wurde.

Für Werdin arbeiten noch 280 Mitarbeiter – nachdem bereits im März dieses Jahres 25 Arbeitsplätze in den Bereichen Einkauf und Logistik abgebaut worden waren. Wie viele Mitarbeiter entlassen werden sollen, ist derzeit noch unklar. Einige Angestellte hätten bereits ihre Kündigung erhalten, sagte Chef-Controllerin Monika Weßel dem Handelsblatt.

Das Aus für Werdin ist Branchenexperten zufolge auch auf die neuen Eigentumsverhältnisse im spanischen Mutterkonzern zurückzuführen. Im Jahr 2005 war Cortefiel von Finanzinvestoren gekauft und von der Börse genommen worden. Die Investoren Pai, CVC und Permira trimmen Cortefiel seitdem auf Rendite. Die Suche nach einem neuen Investor für die defizitäre Tochter verlief bisher erfolglos. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die Spanier bei einem Umsatz von 964 Mill. Euro einen Gewinn von 62,2 Mill. Euro. Am Jeansboom der vergangenen vier Jahre konnte Werdin nicht teilhaben. Nach einer Studie der Kölner Unternehmensberatung BBE laufen Jeans weit besser als andere Hosen. In Deutschland hat sich die Zahl der verkauften Jeans seit dem Jahr 2000 demnach von rund 100 000 auf 150 000 Stück erhöht. „Die Marke spielt bei Jeans eine zunehmend wichtige Rolle“, sagte Hansjürgen Heinick von BBE.

Neben Klassikern wie Levi’s oder Trendsettern wie Diesel und Replay erobern neue Marken den Markt. Zu den Aufsteigern gehört G-Star. Die Jeansmarke aus Amsterdam zählt mit ihren spektakulären Modeschauen und der Kooperation mit einem Industriedesigner zu den Taktgebern der Branche. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet G-Star einen Umsatz von 420 Mill. Euro – nach 350 Mill. Euro im Vorjahr.

Den Markenaufbau hat Werdin in den vergangenen Jahren verpasst – im Gegensatz zu Konkurrenten. Die größte deutsche Jeansmarke Mustang startete 2004 nach mehreren Krisenjahren neu. Familienunternehmer Heiner Sefranek schuf um das Kernprodukt Jeans eine Markenwelt. Von Mustang gibt es heute auch Parfüm, Uhren und Wäsche, die in eigenen Läden präsentiert werden.

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