Modebranche Tom Tailor zieht es nach Russland

Das Hamburger Modeunternehmen Tom Tailor schließt rund 160 Filialen in Deutschland. Stattdessen will Interims-Vorstandschef Heiko Schäfer stärker in Russland expandieren. Ein neuer Chef ist in Sicht.
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Eine Tom-Tailor-Filiale in Oberhausen: Die Marke will in Russland expandieren. Quelle: PR
Tom Tailor

Eine Tom-Tailor-Filiale in Oberhausen: Die Marke will in Russland expandieren.

(Foto: PR)

DüsseldorfBeim Hamburger Modekonzern Tom Tailor ist derzeit eigentlich Sparen angesagt. Doch damit allein kann Interims-Vorstandschef Heiko Schäfer das Überleben der Marke nicht langfristig sichern. Deshalb will er in Südosteuropa und in Russland wachsen. „In Russland wollen wir eine zweistellige Zahl von Tom-Tailor-Läden eröffnen“, sagte Schäfer dem Handelsblatt.

Warum ausgerechnet Russland? „Russen geben durchschnittlich mehr Geld für Kleidung aus als Westeuropäer“, begründet er seine Strategie. „Wir erwarten nach der Russlandkrise dort wieder ein Wachstum.“ Zur Zeit betreibt Tom Tailor schon 27 eigene und 49 Franchise-Filialen in Russland.

In den vergangenen Jahren war das Geschäft in Russland wegen der Wirtschaftskrise und Sanktionen für die deutsche Modebranche schwierig. Vor allem die Umsätze von Gerry Weber aus Halle/Westfalen, aber auch von Bugatti aus Herford brachen dort ein. Schäfer hat im September vergangenen Jahres als Chief Operating Officer (COO) zusätzlich die Rolle des Interims-Vorstandschefs übernommen. Sein langjähriger Vorgänger Dieter Holzer musste gehen, weil das Unternehmen die Gewinnprognose verfehlt hatte. Auch ein von ihm eingeleitetes Sparprogramm reichte nicht, um die Probleme schnell zu lösen.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
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Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
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Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
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Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
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Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
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Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Sein Nachfolger versucht nun, das Hamburger Unternehmen mit einer harten Sanierung aus der Krise zu führen. Schäfer stoppt die extreme Expansion und will Mode künftig neben Russland und Südosteuropa vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in den Beneluxländern verkaufen. Aber erst einmal hat er im Auslandsgeschäft kräftig aufgeräumt. So hat sich das Unternehmen bereits aus Südafrika zurückgezogen. Im März soll der Rückzug aus China, im Juni aus den USA und bis Ende des Jahres aus Frankreich folgen.

Das gehört zum Spar- und Effizienzprogramm „Reset“, mit dem Schäfer „wieder profitables Wachstum“ erreichen will. Denn im vergangenen Jahr gab es nach vorläufigen Zahlen einen Jahresverlust von rund 73 Millionen Euro. Der entstand auch, weil Tom Tailor wegen des Sparprogramms Einmalaufwendungen in Höhe von 81 Millionen Euro verkraften musste. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit zehn Millionen Euro nur den unteren Rand der korrigierten Prognose von zehn bis 20 Millionen Euro.

Das Filialsterben erzwingt einen Stellenabbau
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