Modekonzern Hugo Boss betreibt China-Filialen künftig selbst

Seine Mode vertreibt Hugo Boss bislang gemeinsam mit einem chinesischen Partner. Nun nimmt der Modekonzern in China selbst das Hemd in die Hand und übernimmt die vollständige Kontrolle über seine Filialen.
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Hugo Boss hängt an seiner Marke: Künftig vertreibt der Modekonzern seine Kleidung selbst. Quelle: dpa

Hugo Boss hängt an seiner Marke: Künftig vertreibt der Modekonzern seine Kleidung selbst.

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FrankfurtDer Modekonzern Hugo Boss will seine Läden in China künftig alleine betreiben und dadurch seine Marke besser in Szene setzen. Boss übernehme von seinem bisherigen chinesischen Partner Rainbow Group die restlichen 40 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen und damit die vollständige Kontrolle über 55 Hugo-Boss-Filialen in China und Macau, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Boss wolle die Qualität der Markenpräsentation erhöhen, begründete Firmenchef Claus-Dietrich Lahrs den Schritt. „Wir verbessern damit unsere operative Stärke in dem Markt.“ Das 2010 gegründete Joint Venture erzielte 2013 einen Umsatz von 94 Millionen Euro. Insgesamt betreibt Hugo Boss in China 126 Läden, nun komplett in Eigenregie, und erzielte 211 Millionen Euro Umsatz. Damit ist China für den Modekonzern der weltweit viertgrößte Markt.

Diese Modeketten zahlen Hungerlöhne
huGO-BildID: 6976306 Eine Schaufensterpuppe steht in einem mit Werbung beklebten Schaufenster beim Sommerschlussverkauf am Montag, 24. Juli 2006, in
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Die Textilbranche und der Trend zu ultragünstiger Kleidung in Industrieländern steht seit einiger Zeit in der Kritik, spätestens seit dem verheerenden Unfall in der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka im Frühjahr 2013. Doch Veränderungen ergeben sich nur langsam, dies zeigten zuletzt Rückblenden ein Jahr nach der Katastrophe, die vor allem die Sicherheitsbedingungen in den Fabriken in den Fokus nahmen.

Frauenpower in Bangladesch
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Einen weiteren Aspekt, der nach diesem und weiteren Unfällen stark diskutiert wurde, behandelt der aktuelle Clean Cloth Kampagne Firmencheck 2014: die unwürdigen Löhne, für die viele Arbeitnehmer bei Zulieferern von Kleidungsherstellern wie hier in Bangladesch schuften müssen. Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Kampagne (CCK) hat 48 Firmen auf diesen Aspekt hin untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Die meisten Firmen bieten vollkommen unzureichende Standards.

Versandhaus Quelle insolvent
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Mit 15 Firmen bekamen die meisten der getesteten Unternehmen ein Ungenügend – setzen sich also „kaum für die Bezahlung eines Existenzlohnes ein“. 13 Firmen antworteten indes gar nicht und haben somit vermutlich ebenfalls keine sonderlich präsentablen Zustände vorzuweisen. Diese Profile, etwa von Mexx, Benetton, Armani und Hugo Boss recherchierten die Analysten selbst aus öffentlichen Quellen. Hier eine Übersicht über die schwarzen Schafe der Branche laut der Clean Clothes Kampagne.

Aldi - Preissenkung
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Aldi

Aldi gibt an, der eigene Kodex sehe den gesetzlichen Mindestlohn in allen Produktionsländern vor und das Unternehmen arbeite in der Business Social Compliance Initative (BSCI) darauf hin, dass dies auch eingehalten werde. Das bewertet die NGO jedoch offenbar als Lippenbekenntnis: Es gebe „kaum Anhaltspunkte“, dass Aldi das Problem der Niedriglöhne wirklich angehe. Da das Unternehmen alle Waren von Agenturen, also Mittelsmännern, kaufe, entziehe sich Aldi der Verantwortung, die eigenen Zulieferer zu kontrollieren. Diese Verantwortung bleibe aber bestehen.

A customer pushes a shopping trolley as she arrives at the Carrefour's Bercy hypermarket in Charenton Le Pont, near Paris
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Carrefour

Der französische Konzern lässt in verschiedensten Ländern wie Brasilien, aber auch Bangladesch produzieren, allerdings nicht in eigenen Fabriken. Deshalb, so Carrefour, sei man auch nicht für die Angestelltenlöhne zuständig. Man sehe in der eigenen Charta aber vor, dass die Löhne die Grundbedürfnisse abdecken sollten. Dies ist der Clean Clothes Kampagne zu wenig: Allein ein Bekenntnis zu Grundbedürfnis deckenden Löhnen helfe den Arbeitnehmern wenig, wenn Carrefour keine Verantwortung für die Umsetzung übernehme.

Voegele
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Charles Vögele

Das Schweizer Unternehmen beantwortete die Anfrage der Kampagne mit vorgefertigten Standardantworten der Businessvereinigung BSCI, beruft sich darauf, mit der Initiative auf Existenzlöhne hinzuarbeiten. Die BSCI ist eine Industrie-Initiative von mehr als 600 Unternehmen und wurde gegründet, um die Bemühungen der Branche zu bündeln. CCK kritisiert, dass der Standard nicht verpflichtend sowie kaum extern nachvollziehbar sei und dass er die Zulieferer nicht bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstütze. Eine Firma wie Vögele, die im Heimatland und in Deutschland mit einer verantwortlichen Mitarbeiterpolitik und Ausbildungsbedingungen werbe, verstecke sich hinter der intransparenten Vereinigung. Noch dazu scheint problematisch, dass Vögele die Freiwilligkeit des Existenzlohns betont.

NACKTER EINKAUF
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Decathlon

Man bevorzuge eine „Schritt-für-Schritt“-Methode für die eigene Lieferkette, nach und nach sollten die Bedingungen verbessert werden. Das antwortete das französische Unternehmen Declathon von der Oxylane-Gruppe, das hier bei einer Expo-Aktion für Nacktshopper 2001 eine gewisse Lässigkeit und Humor zeigt, auf die CCK-Anfrage. Grundsätzlich stimme es einem Existenzlohn aber zu. Diese Form von Lockerheit und Lässigkeit findet die Organisation unpassend: „Ein Großunternehmen wie Oxylane kann es sich nicht leisten, keinen klar definierten Standpunkt zur zentralen Frage des Existenzlohns zu haben“, lautet der vernichtende Kommentar von CCK. Stattdessen müsse es seine Marktmacht nutzen, um die Zulieferer per Richtlinie an einen Existenzlohn zu binden.

Boss folgt dem Beispiel einiger anderer Firmen aus der Branche, die sich ebenfalls die alleinige Kontrolle über ihre Geschäfte sicherten und Geschäftspartner herauskauften - etwa Burberry in China, Gucci, Hermes und Prada in Russland und der Uhrmacher Swatch im Nahen Osten. Mit der Strategie, Herren- und Damenmode eher in eigenen Läden als in Kaufhäusern zu verkaufen, hatte Hugo Boss seinen Umsatz im vorigen Jahr um drei Prozent auf 613 Millionen Euro gesteigert.

  • rtr
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