Modekonzern
Teure Erinnerungen an Yves Saint Laurent

Pierre Bergé, langjähriger Geschäfts- und Lebenspartner von Yves Saint Laurent, lässt die gemeinsame Kunstsammlung versteigern

PARIS. Nach jeder Modenschau schlich der scheue Designer Yves Saint Laurent mit gesenktem Kopf über den Laufsteg. Im Hintergrund, versteckt hinter dem Vorhang, beobachtete der kleine, drahtige Pierre Bergé mit wachen Augen den Auftritt. Der heute 78-Jährige blickte immer mit Sorge auf seinen Schützling. Der langjährige Freund und Geschäftspartner des am 1. Juni 2008 im Alter von 71 Jahren gestorbenen Yves Saint Laurent war nur der Mann hinter den Kulissen.

Dennoch galt der Franzose als der Macher in dem Duo, der Yves Saint Laurent Mut gab, weiterzumachen. In der Modebranche heißt es über Bergé: "Er hat ein unglaubliches Selbstbewusstsein." Er sei sehr energisch, manchmal gar fast aggressiv, wenn es darum geht, seinen Willen durchzusetzen.

Wie einflussreich Bergé als Geschäftsmann und Kunstsammler wirklich ist, wird sich von heute an bis zum 25. Februar im Pariser Ausstellungspalast Grand Palais zeigen. Dort versteigert das Auktionshaus Christie's eine der bedeutendsten und geheimnisvollsten Sammlungen der Welt, die Privatkollektion von Bergé und Yves Saint Laurent, zu der Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse und Piet Mondrian gehören. Weltweit wird sie als "die Versteigerung des Jahrhunderts" angekündigt. Experten erwarten von den über 700 Werken einen Gesamterlös von 300 Mio. Euro.

Pierre Bergé gilt neben Bernard Arnault von LVMH (Moët, Hennessy, Louis Vuitton) als einer der Großen in Frankreichs Luxusindustrie. Sein Einfluss ist bis heute spürbar. Erst kürzlich tauchte Bergé lächelnd im üblichen blauen Anzug neben der wichtigsten Frau des Landes auf. Er moderierte zusammen mit Präsidentengattin und Ex-Model Carla Bruni-Sarkozy, die er "eine alte Freundin nennt", die Pariser Aidsgala Sidaction. Bergé ist seit 1996 Präsident der Stiftung und will einen großen Teil des Erlöses aus der Kunstsammlung für die Aidsforschung spenden. Am Ende des Abends begrüßte er noch den Präsidenten Nicolas Sarkozy persönlich.

Dabei steht er politisch ganz und gar nicht auf dessen Seite. Bergé unterstützte einst den damaligen Präsidenten François Mitterrand und gilt heute als einer der wichtigsten Geldgeber von Sozialistin Ségolène Royal. Dazu befragt, sagte er nur: "Ich mache mit meinem Geld, was ich will." Daneben unterstützt er Anti-Rassismus-Organisationen und blieb Kunstmäzen. Die Kunst war neben dem Modebusiness immer seine größte Leidenschaft. Er eröffnete sogar im Jahr 2001 sein eigenes Auktionshaus, Pierre Bergé & Associés.

Ohne Pierre Bergés Finanztalent wäre vermutlich aus Yves Saint Laurent trotz seines immensen Talents nie der geniale Couturier geworden, den alle Welt anhimmelte. Angefangen hatte Yves Saint Laurent 1957 bei Christian Dior. Ein Jahr später lancierte er seine erste eigene Kollektion und traf Pierre Bergé, der sein Manager wurde und das bis zum Ende von YSLs Karriere im Jahr 2002 blieb. Vorher hatte Bergé schon als Manager von Maler Bernard Buffet gearbeitet. Er war von 1974 bis 1981 neben seinem Job bei YSL auch Chef der Pariser Modekammer und zeitweise Chef der Pariser Bastille-Oper, doch verband er die schönen Künste immer mit Geschäftssinn. So verkaufte Bergé 1993 für fast 600 Mio. US-Dollar das Modehaus YSL an den Pharmakonzern Sanofi, im Jahr 1999 übernahm Gucci das weltberühmte Logo des Designers.

Sentimental kennt man den Geschäftsmann Bergé eigentlich kaum. Doch zur Versteigerung der Erinnerungsstücke, die er und Yves Saint Laurent gemeinsam in 40 Jahren zusammengetragen hatten, erlaubte er etwas Einblick: "Mein Leben ist seit dem Tod von Yves leer." Er verabschiedet sich nicht nur ein zweites Mal von seinem Partner, sondern gleichzeitig vom gemeinsamen Lebenswerk. Damit schließt sich auch ein bedeutendes Kapitel der Kunst- und Modegeschichte, das Bergé wesentlich mitgeschrieben hat.

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