Moderne US-Keltermethoden
Tod den Weinpanschern!

Das Weinhandelsabkommen, das die EU-Agrarminister im März dieses Jahres mit den USA ausgehandelt haben stößt bei Schweizer Trinkern auf Ablehnung. Sie wollen ihren Rebensaft schützen. Die Winzer hingegen finden an den neuen Methoden aus den USA Gefallen.

ZÜRICH. Wenn die Schweizer etwas eint, dann die Abneigung gegen alles, was von der EU kommt. Übertroffen wird dieses Gefühl nur noch von jener Abneigung, die sie für Neuerungen von noch weiter weg empfinden: aus Amerika. Kein Wunder also, dass zumindest die trinkenden Eidgenossen eine Modernität aus den USA, die via EU jetzt in der Schweiz zur Anwendung kommen soll, erbittert bekämpfen.

Es geht um Wein. Und zwar nicht um jenes von regionalen Traditionen geprägte Kulturgewächs, von dem die Schweizer rund 1,2 Mill. Hektoliter herstellen und selber wegschlabbern, sondern um jenen Fruchtsaft für Erwachsene, den der Schweizer Historiker und Weinkenner Rudolf Trefzer „Coca-Cola-Wein“ nennt.

Was den Historiker zu verbalen Spuckkrämpfen verleitet, ist das Weinhandelsabkommen, das die EU-Agrarminister im März dieses Jahres mit den USA ausgehandelt haben. Getrieben von dem Wunsch, zu jenen zwei Mrd. Euro, die europäische Winzer jährlich durch den Export ihrer Weine in die USA verdienen, noch weitere Milliarden hinzuzufügen, erlaubten die Agrarminister den „Winemakers“ aus den USA, ihre Produkte nach Europa zu liefern. So, wie sie sind. Das heißt zum Beispiel mit künstlichen Aromastoffen – ohne dass dies auf dem Etikett vermerkt sein muss. „Weinkarikaturen“ nennt sie Trefzer, „kitschig überladene, kaum trinkbare Bodybuilder-Weine“.

Vor allem die Manier, einen Beutel voller Eichenspäne in den Wein zu halten und ihn dann als „Barrique“ – also im Eichenfass gereift – zu verkaufen, stößt den Eidgenossen auf. Ausgerechnet diese Weine sollen jetzt zwischen Genf und St. Gallen Einzug halten, weil die Schweiz mit der EU durch das eine oder andere bilaterale Abkommen verbandelt ist. Und weil den einen nicht verboten werden kann, was den anderen erlaubt ist, sollen auch Schweizer Winzer nach dem Willen des Bundesamts für Landwirtschaft in Bern vom nächsten Jahr an ihre Beutel in den Wein halten dürfen – anstatt ihn, wenn es denn ein Barrique werden soll, anständig in Eichenfässern zu lagern.

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