Modernes Sexspielzeug
Die Erotikbranche will seriös werden

Deutschlands Sex-Shops wollen weg vom Schmuddel-Image und setzen auf Designdildos und Dessous. Mit kreativem Sex-Spielzeug und modernem Marketing versucht die Erotikbranche neue Kunden zu gewinnen- und besonders Frauen in ihre Läden zu locken.

HAMBURG. Das Objekt der Begierde sieht aus wie ein Seepferdchen: klein und handlich, einem geschwungenen S ähnlich, in Rosa-Pink erhältlich und unauffällig in einem schlichten Kasten verpackt. "Delight" heißt das Erwachsenen-Spielzeug aus dem Hause Fun Factory, und es ist der erste Vibrator, der mit dem Red-Dot-Award einen Designpreis erhalten hat. "Wir setzen auf Leistungsfähigkeit, Funktion, Ergonomie und Design", sagt Ilona Offermann, Marketingleiterin von Fun Factory. "Aber wir machen keine Nachbildungen der Natur."

Die Erotikbranche befindet sich im Wandel - und Unternehmen wie Fun Factory schreiten voran - mit ihren ästhetisch wirkenden Produkten, mit der Ansprache der weiblichen Zielgruppe und einem Vertriebsweg jenseits der einschlägigen Sexshops. Die Marktzahlen dieser Branche sind allerdings dünn gesäht. Der Elektronikkonzern Philips beziffert das Marktpotenzial für hochwertige Toys, wie die Hilfsmittel im Branchenjargon heißen, auf 280 Mio. Euro in Westeuropa. Der Kondom-Hersteller Durex geht für den deutschen Markt für Gele, Kondome und Vibratoren im Lebensmitteleinzelhandel und in Apotheken von 73 Mio. Euro aus. Der Gesamtumsatz der Erotikbranche soll weltweit hingegen bei 56 Mrd. Dollar liegen. So ungenau die Zahlen sind, so sicher sind Experten sich über den Trend: Der Markt wird wachsen - sofern die Hersteller es schaffen, neue Zielgruppen anzusprechen.

Viele Anbieter bewegen sich bereits raus aus der Schmuddelecke - dem harten Porno-Geschäft - hin zu sogenannten Lifestyle-Angeboten: Design-Toys, aphrodisierende Cremes und Öle, Dessous und andere Hilfsmittel. Gezielt Frauen anzusprechen ist die richtige Entscheidung, sagt Diana Jaffé, Vorstand von Bluestone, einer Beratung für geschlechtsspezifisches Marketing. "Frauen sind viel eher bereit, viel Geld auszugeben, wenn die Produkte vernünftig präsentiert und erklärt werden." Doch das sei eben eine Kunst: Vielen Herstellern fehle die klare Platzierung - auch, weil Frauen in der Branche häufig als Objekt dargestellt würden.

Fun Factory ist einer der Pioniere des neuen Trends: Mitte der 90er-Jahre bastelten die Ingenieure Dirk Bauer und Michael Pahl am Küchentisch die ersten Dildos aus Knetgummi. Bauers damalige Frau, Inhaberin einer Erotikboutique, hatte häufig darüber geklagt, dass es keine ansprechenden Vibratoren für Frauen gebe. Mit "Paddy Pinguin" wagten die Gründer 1996 ihren Markteintritt und waren vom Erfolg überwältigt. Die Bremer bauten ihr Sortiment aus und sind heute nach eigenen Angaben mit 80 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 18 Mio. Euro bei zweistelligen Zuwachsraten einer der großen Hersteller von Erotikspielzeug in Europa. "Wir bieten Produkte an, die Spaß machen und zu denen man sich bekennen kann, indem man sie offen zeigt", sagt Marketingleiterin Offermann.

So schafft der Mittelständler es auch in Läden, die großen Wert auf Seriosität legen: Seit vorigem Herbst gibt es Fun-Factory-Produkte in den ersten Apotheken, außerdem stehen exklusive Wäsche- und Geschenkeläden auf der Kundenliste. Der eigene Flagship-Store, der eher einem Designerladen gleicht als einem Sex-Shop, wurde im vergangenen Herbst in Berlin eröffnet.

Seite 1:

Die Erotikbranche will seriös werden

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%