Modeshow „Fashion Hero“
Karstadt braucht den Sieg am dringendsten

Junge Designer präsentieren, drei Modehäuser kaufen, Claudia Schiffer leiht dem ganzen ihr Gesicht: Das TV-Format „Fashion Hero“ soll Pro Sieben aus dem Mode-Quotenloch ziehen – und auch Karstadt einen Schub verpassen.
  • 1

DüsseldorfDie Quote zum Auftakt? Schlecht. 0,91 Millionen Zuschauer in der relevanten jungen Zielgruppe hat der Münchener Fernsehsender Pro Sieben am Mittwochabend mit dem Debut der Modeshow „Fashion Hero“ vor den Fernseher gelockt. Überraschend, genießt das Kernthema doch Relevanz bei der Jugend. Auch am Werbebudget geizte Pro Sieben nicht. Und last but not least: Experten halten das Format für wirkungsvoll - eigentlich. Auch, weil das US-Original „Project Runway“ ausgezeichnet läuft. Testimonial dort? Heidi Klum.

Darum geht es: In jeder Sendung stellen sich überwiegend junge, heimische Designer speziellen Aufgaben, die in Kollektionen münden – die in der Show direkt an eines von drei Modehäusern verkauft werden. Auf Einkäuferseite sitzen Delegierte von S. Oliver, dem Online-Modehändler Asos und der Warenhauskette Karstadt. Spannung soll im Idealfall dadurch entstehen, dass sich die Einkäufer gegenseitig überbieten. Die Designerstücke sind schon direkt nach der Ausstrahlung in den Online-Shops und am nächsten Morgen in Filialen erhältlich. Ex-Supermodel Schiffer tutoriert die Nachwuchskräfte und steht als Modeexpertin zur Verfügung. Noch 2010 hatte sie in einem Interview ausgeschlossen, an Formaten wie „Germany’s Next Topmodel“ mitzuwirken.

„Sie funktioniert, weil sie die Produktqualität hat, sie hat wirklich bewiesen, dass sie es kann“, sagt Markenexperte Frank Dopheide von der Deutschen Markenarbeit. Ihren Sinneswandel erklärt er mit dem seriöseren Format. „Claudia Schiffer ist ein klarer Anker, man hat sich noch nicht an ihr sattgesehen“, erklärt er weiter. Ein Richtung, in die auch Britta Wiemer, Leiterin des Fachbereichs Modemanagement an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf: „Ich denke, dass sie die nötige Strahlkraft hat“, sagt sie und ergänzt, „es wird spannend sein, zu sehen, wie ein jüngeres Publikum auf Frau Schiffer reagiert.“ Tatsächlich geht es aber um mehr als die Zuschauerzahlen – besonders für einen Einkäufer: Karstadt.

Für die Modehäuser geht es um Aktualität, Markenbildung – und in Teilen auch ums Überleben in der schnelllebigen Branche. Karstadt, Asos, S. Oliver, alle drei Häuser bekommen die Chance, zur besten Sendezeit eine aktuelle Kollektion zu zeigen. „Man muss bedenken, was ein Fernsehspot in dieser Länge kostet“, merkt Wiemer an. Gegenüber dem Nachrichtendienst Kress sprach Pro Sieben bereits im Vorfeld offen von einem Product Placement, was in diesem Ausmaß noch nicht stattgefunden hätte. Kern des Ganzen: Die erwähnte junge, werberelevante Zielgruppe. „Beim Thema Mode ist die Kernzielgruppe weiblich und jünger, also etwa 15 bis 30-jährige Frauen“, erklärt Dopheide. Und eben das sei die Zielgruppe, die gerade die wirtschaftlich angeschlagene Warenhauskette Karstadt ganz dringend bräuchte.

„Karstadt leidet seit langer, langer Zeit an fehlender Aktualität“, so Dopheide. Darum versucht das Unternehmen, was zuletzt seine Luxushäuser verkauft hatte und eine Filiale wegen Millionenverlusten geschlossen hat, über den Thema Mode wieder zurückzukommen. „Dass die Marke das alles überhaupt überstanden hat, ist eine sensationelle Leistung“, sagt Dopheide. Als Lösungsansatz wurde etwa die britische Modemarke Topshop ins Haus geholt, um junges Publikum zu begeistern. Problem: Topshop selbst ist zwar in England eine Macht, in Deutschland aber weniger bekannt. Eine Situation, in der sich übrigens auch „Fashion Hero“-Einkäufer Asos befindet. „Die haben sich günstig eingekauft und danach wird man den Namen und die Marke in Deutschland kennen“, ist sich Dopheide sicher.

Seite 1:

Karstadt braucht den Sieg am dringendsten

Seite 2:

Alles, was die „träge Masse“ bewegt

Kommentare zu " Modeshow „Fashion Hero“: Karstadt braucht den Sieg am dringendsten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sorry, aber Project Runway ist nicht das amerikanische Vorbild für diese Sendung, sondern "Fashion Star" mit der Moderatorin Elle MacPherson.
    Hier ist der Wikilink zur Überprüfung
    http://en.wikipedia.org/wiki/Fashion_Star

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%