Möbelhersteller Benz: Luxusmarke für die Frau ab 50

Möbelhersteller Benz
Luxusmarke für die Frau ab 50

Der schwäbische Möbelhersteller Rolf Benz will sich stärker um ältere Kunden bemühen. Neben den so genannten „Best agern“, den verheirateten Paaren ab Mitte 50, zählt künftig auch die alleinstehende Frau gleichen Alters zu den Haupt-Zielgruppen der Luxusmarke.

NAGOLD. Eine Komplettierung des Sortiments durch ein entsprechendes Möbel-Programm für die allein lebende Dame kündigte jetzt Rolf-Benz-Chef Frieder Löhrer gegenüber dem Handelsblatt an. Allerdings werden die Objekte noch nicht auf der Internationalen Möbelmesse (imm cologne) in Köln zu sehen sein, die am Montag beginnt. Rolf Benz kommt damit zum zweiten großen Branchentreff im April, dem Salone Internationale del Mobili, dem Pendant zur imm in Mailand.

Die Entscheidung zu Gunsten der Seniorinnen, die jetzt neben der klassischen Familie und dem männlichen Single ins Visier der schwäbischen Polstermöbelbauer gerückt sind, fiel nach einem genauen Studium ihres Konsumverhaltens: Sie sind demnach auch mit Ende 50 noch sehr agil sowie äußerst konsumfreudig.

Sogar manche 70-Jährige, die heutzutage mit einer Lebenserwartung von weiteren zwanzig Lenzen rechnen kann, wolle sich „noch etwas gönnen“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Möbelproduzenten. Denn die hochwertige Luxusware ist nicht zu Ausverkaufspreisen zu bekommen.Der Käufer einer Rolf-Benz-Sitzgruppe kommt ohne weiteres auf eine Kaufsumme von 8 000 Euro und darüber.

Rolf-Benz-Chef Löhrer, der diese Position seit drei Jahren bekleidet, hat das Vorzeigeunternehmen der deutschen Möbelindustrie nach einigen Problemen in der Vergangenheit wieder auf die Spur gesetzt. Heute produzieren noch rund 550 von einst mehr als 900 Mitarbeitern an zwei Standorten in Deutschland Möbel im Wert von über 100 Mill. Euro. „Das Inlandsgeschäft ist stabil, Wachstumsmotor ist das Auslands“, berichtet Löhrer. Mehr darf er nicht sagen, denn die Eigentümerfamilie Hüls, die außer Rolf Benz noch den westfälischen Kastenmöbelhersteller Hülsta sowie den Parkett- und Regalproduzenten Parador besitzt, betrachtet selbst gängige Unternehmenskennzahlen als Geschäftsgeheimnis.

Firmengründer Rolf Benz, Namensgeber und einstiger Vater des Erfolges, hat seine letzten Anteile an der Firma bereits vor rund zehn Jahren veräußert und sich beim Möbelhersteller Walter Knoll im benachbarten Herrenberg eingekauft. In seinem ehemaligen Familienbetrieb hat heute der ehemalige Rodenstock-Manager Löhrer das Sagen, der sich aber gerne mit dem Mitbewerber mal auf einen Kaffee trifft. Nach Löhrers Worten sieht der inzwischen 74-Jährige die von ihm begründete und vielfach ausgezeichnete Design von seinen Nachfolgern gut gepflegt und weiter fortgeführt.

Das markante, schnörkellose Design kommt sogar in Russland an. Dort ist eine Rolf-Benz-Couch inzwischen ein Status-Symbol. Das einstige Zarenreich ist nach dem benachbarten europäischen Ausland heute einer der wichtigsten Auslandsmärkte für Rolf Benz.

Den Einstieg in den russischen Markt fand Rolf Benz über eine Vielzahl von Innenarchitekten, denen wohlhabende Russen oft die Ausgestaltung ihrer Wohnräume überlassen. Im vergangenen Jahr haben fast 100 russische Einrichtungsexperten Veranstaltungen am Verwaltungssitz in Nagold besucht. Insgesamt nähern sich die Exporte von Rolf Benz der 40-Prozent-Marke.

Diese Exportquote ist im übrigen auch der derzeitige Durchschnitt der deutschen Möbelindustrie, wie ihr Verbandschef Dirk-Uwe Klaas bestätigt. Mit Stolz betrachtet Klaas die zweistelligen Umsatzzuwächse gegenüber dem Vorjahr in fast allen Absatzregionen der Welt. Spitzenreiter beim Wachstum sind neben Russland (plus 37 Prozent) und China (plus 29 Prozent) auch die Märkte in Ungarn (plus 36 Prozent) und Portugal (plus 59 Prozent).

Kurzfristiges Ziel ist nach Klaas’ Worten eine Exportquote von 50 Prozent, die schon in rund fünf Jahren erreicht sein soll. Dann hätten die meisten deutschen Möbelhersteller eine margenträchtige Alternative zum wenig attraktiven Inlandsmarkt. Der werde von einem hochkonzentrierten Handel beherrscht, der sich in Einkaufsverbänden organisiert hat.

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