Möbelkette Habitat
Designer-Möbel für ganz Deutschland

Schaffen, was Ikea-Gründer Kamprad nicht geschafft hat: Die Möbelkette Habitat soll endlich Geld verdienen. Dafür suchten ihre Manager Franchisenehmer – und riefen bei Lidl an.

BerlinEs müssen feucht-fröhliche Vertragsverhandlungen in Berlin gewesen sein, als Vincent Destailleur mit einem potenziellen Vermieter für einen neuen Laden für Habitat verhandelte. Denn der Immobilienmanager kannte die Möbelkette nicht – und war entsprechend skeptisch. Also befragte Habitat-Chef Destailleur reihum die anderen Restaurant-Gäste – und siehe da: Mehr als die Hälfte kannten die Kette, obwohl Habitat bislang in Berlin gar nicht vertreten war. Ein provisorischer Mietvertrag, so schildert Destailleur die Episode, sei noch im Restaurant unterzeichnet worden.

Destailleur kann sein Überzeugungstalent gut gebrauchen. Der Franzose will etwas schaffen, dass nicht einmal der Möbel-Legende Ingvar Kamprad, dem Gründer von Ikea, gelungen ist. Er will die Möbel-Kette Habitat mit erschwinglichen Designer-Möbeln in Innenstadtlagen endlich nachhaltig profitabel machen. Erste Erfolge sind sichtbar – und auf die will Destailleur nun seine Expansionsstrategie auch in Deutschland aufbauen.

Erstmals seit vielen Jahren werfe das Deutschland-Geschäft im Geschäftsjahr, das am 30. September endet, Gewinn ab, prognostiziert Destailleur. Den Schwung will er nutzen, um ab kommenden Sommer erstmals in Deutschland Franchise-Nehmer zu finden. In dieser Woche eröffnete in Berlin in Eigenregie der sechste deutsche Laden, der 73. weltweit.

Habitat hat eine bewegte Geschichte. 1964 wurde die Kette in England von dem Designer Terence Conran gegründet. Möbel mit klaren Formen und kräftigen Farben zeigt die Firmenchronik aus dieser Zeit – etwa das Stahlrohrsofa „M“. 1992 kaufte Kamprad das Unternehmen, um Ikea um eine hochwertigere Kette zu ergänzen. Doch der erfolgsverwöhnte Milliardär scheiterte, Habitat schrieb Verluste. 2009 übernahm der Finanzinvestor Hilco, doch der musste die britischen Geschäfte in die Insolvenz schicken, verkaufte den kontinentaleuropäischen Rest mit 38 Filialen an den französischen Händler Cafom. Der verkaufte bis dato allein billige Möbel in Filialen und im Internet.

Habitat dient ihm der weltweiten Expansion mit einer echten Marke. Davon gibt es nur wenige, die Handel und Design selbst kontrollieren. Doch dass es klappen kann, zeigen in Deutschland auch Konkurrenten wie Bo-Concept.

Destailleur setzt darauf, dass seine Marke für Vermieter wichtiger wird, um etwa Einkaufszentren attraktiv zu halten. Denn: Mit dem Siegeszug des eCommerce ändert sich die Handelslandschaft – Flächen in den Nebenlagen der Innenstädte werden tendenziell günstiger. „Die Betreiber von Shopping-Centren brauchen Marken wie uns, die Abwechslung bringen“, meint Destailleur. Das ist auch Voraussetzung für das Gelingen der Sanierung. Deutschland-Chef Daniel Lambert hat die Mietverträge neu verhandelt und so die Kosten gedrückt. In Hamburg zog die Filiale von noblen Neuen Wall in das Büroviertel hinter dem Rathaus. Auch in die neue Filiale in Berlin ist etwa neben den eigentlichen Fußgängerströmen im ehemaligen Mercedes-Benz-Showroom an der Potsdamer Straße, der Zufahrt zum Potsdamer Platz.

Der Grund: 2800 Euro jährlich setzt Habitat im Schnitt je Quadratmeter um – nur knapp ein Fünftel des Flächenumsatzes einer erfolgreichen Textilkette wie H&M oder Zara. Entsprechend geringer muss die Miete ausfallen – trotz Innenstadtlage. „Das ist ein herausforderndes Business-Modell“, gesteht Destailleur. Zumal auch andere die Innenstädte entdecken: Ausgerechnet Ikea erprobt in Hamburg-Altona das weltweit erste City-Haus in einer Fußgängerzone. Doch Destailleur will mit seiner Positionierung dagegenhalten: „Ikea wird vielleicht vom Möbel-Hypermarkt zum Möbel-Supermarkt. Wir aber sind die Gourmet-Möbel-Boutique“, erklärt der Franzose. Von expansiven Haushaltswaren-Ketten wie Depot will er sich absetzen, indem Habitat weiterhin ein Sortiment fürs gesamte Haus anbietet.

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