Möglicher Einstieg in Medikamentenhandel
Schlecker sucht Apotheker

Die schwäbische Drogeriemarktkette Schlecker steht möglicherweise vor dem Einstieg in den deutschen Apothekenmarkt. Der Filialist sucht per Chiffre-Anzeige Apotheker für den Aufbau einer neuen europäischen Vertriebsstruktur im Pharmaziebereich. In der Branche kursieren ganz bestimmte Vermutungen.

FRANKFURT. In der Stellenanzeige, die die Mitte März in einer nordrhein-westfälischen Regionalzeitung erschienen war, werden Apotheker mit und ohne Berufserfahrung für den Einsatz in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze gesucht. Zu den Aufgabenschwerpunkten dieser Position gehört laut Anzeigentext die „Bereitschaft, sich mit nationalen und internationalen Regelungen/Richtlinien auseinanderzusetzen.“ Wer sich auf die Anzeige bewarb, erhielt eine Kurzantwort von der Personaldirektion von Schlecker.

Dem Handelsblatt liegt eine Kopie eines solchen Schreibens vor. In der Schlecker-Zentrale in Ehingen war zunächst niemand für eine Stellungsnahme zu erreichen.

Bislang wird der deutsche Apothekenmarkt durch das in Deutschland geltende Fremd- und Mehrbesitzverbot geregelt. Dieses legt fest, dass nur Pharmazeuten mit Apotheker-Zulassung Apotheken besitzen dürfen und untersagt den Besitz von mehr als vier Apotheken. Die Regelung nimmt die rund 21 000 deutschen Apotheken bislang von der innerhalb des EU-Binnenmarkts geltenden Dienstleistungsfreiheit aus.

Juristen halten es aber für wahrscheinlich, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Gesetz in absehbarer Zeit kippen wird. Viele Apotheker und Branchenkenner aus dem Pharmagroßhandel erwarten, dass in diesem Fall die Drogeriemarktketten Schlecker, Rossmann oder DM in den Markt drängen. Schon heute vertreiben sie frei verkäufliche Arzneien in ihren Filialen. Die DM-Kette hat in den vergangenen Jahren auch schon mehrere Anläufe zur Kooperation mit dem niederländischen Pharmaversandhändler Europa Apotheek unternommen, die die deutschen Apotheker aber mit allen juristischen Mitteln bekämpft haben.

Bei der Bundesvereinigung der deutschen Apotheker (Abda) in Berlin weiß man nach Angaben einer Sprecherin nichts von der Schlecker-Stellenanzeige. Der Verband stemmt sich gegen eine Liberalisierung des Apothekenmarkts, die einige EU-Staaten wie die Niederlande, Norwegen und Großbritannien schon hinter sich haben. In Großbritannien ist die inzwischen mit dem Pharmagroßhändler Alliance Unichem fusionierte Drogeriemarktkette Boots in den Apothekenmarkt eingestiegen. Anders als in Deutschland, wo völlige Niederlassungsfreiheit für Apotheker herrscht, müssen die Filialen dort aber eine Apothekenzulassung beantragen.

Die Tatsache, dass bei einem Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbots jeder überall in Deutschland eine Apotheke eröffnen könnte, bereitet nicht nur den Apothekern selbst Sorgen. Auch ihre potenziellen Wettbewerber wie die Pharmahändler Celesio und Doc Morris sehen darin ein erhebliches Risiko für den Markt. „Mit dem Erwerb unserer eigenen Apotheke in Saarbrücken haben wir die Büchse der Pandora ein Stück weit geöffnet, aber ein rascher Fall des Gebots ist nicht in unserem Interesse“, sagte Doc Morris-Gründer Ralf Däinghaus dem Handelsblatt.

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