Möglicher Karstadt-Verkauf
„Berggruen lenkt ab“

Ein Bericht über den Ausstieg von Investor Berggruen bei Karstadt sorgt für Unruhe. Ein Handelsexperte hält einen Verkauf für unwahrscheinlich – aber Verdi stellt schon Forderungen an den möglichen neuen Eigentümer.
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DüsseldorfKarstadt-Investor Nicolas Berggruen steht einem Medienbericht zufolge in Verhandlungen über einen Verkauf der Warenhäuser. Doch daran gibt es Zweifel. Handelsexperte Thomas Roeb hält die Meldung für einen Bluff. „Mir fällt kein Grund ein, warum Benko den Geschäftsbetrieb der Filialen übernehmen sollte“, sagt der Professor gegenüber Handelsblatt Online.

Einem Bericht der „Bild“ zufolge will Berggruen die Warenhäuser an die Finanzgruppe Signa verkaufen. Das Unternehmen von Rene Benko hatte bereits die Aushängeschilder von Karstadt – etwa das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin – sowie die Sport-Kette des Konzerns erworben.

Laut des Berichts soll Benko das Unternehmen zu 70 Prozent für einen symbolischen Euro übernehmen. Erst am Montag hatte Chefin Eva-Lotta Sjöstedt hingeworfen und schwere Vorwürfe gegenüber Berggruen erhoben.

Handelsexperte Roeb glaubt dem Gerücht nicht. Er vermutet dahinter eher eine Kampagne von Inhaber Berggruen. „Berggruen lenkt dadurch die Aufmerksamkeit von dem Abgang Sjöstedts auf Benko“, sagte Roeb. So übe der Deutsch-Amerikaner möglicherweise Druck auf Benko aus. Benko hatte die Option auf eine Mehrheit bei Karstadt bereits beim Kauf der Karstadt-Sport-Warenhäuser erworben.

Für den Unternehmer würde sich eine Übernahme der Warenhäuser aber nicht lohnen, meint der Handelsexperte. Entweder müsse er überzeugt sein, dass er Karstadt sanieren könne. „Doch das ist in der derzeitigen Situation schwierig“, so Roeb. Die andere Variante: Benko müsste die vermutlich hohen laufenden Verluste tragen oder eine Insolvenz riskieren. Beides könne nicht im Interesse des Unternehmers liegen.

Falls Berggruen Karstadt tatsächlich veräußern will, droht dem neuen Eigentümer zudem bereits Ärger. Die Gewerkschaft Verdi verlangt sichere Arbeitsplätze für die Beschäftigten des Unternehmens. Herr Benko sei in diesem Fall gefordert „den Beschäftigten ein Konzept vorzulegen, wie die Zukunft von Karstadt und den Beschäftigten gesichert werden kann“, sagte Stefanie Nutzenberger. Sie ist Bundesvorstandsmitglied für den Handel. „Wir fordern eine verantwortliche Unternehmensführung“, so die Handelsexpertin.

Verdi warnt davor, Standorte zu schließen. In einer Pressemitteilung verweist die Gewerkschaft auf die „gesellschaftliche Verantwortung“, die Karstadt trage. „Die Warenhäuser sorgen für lebendige Innenstädte“, so Nutzenberger. Benko trage damit als möglicher neuer Mehrheitseigentümer auch Verantwortung für die Städte und Kommunen.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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