Möglicherweise bald schwarze Zahlen
Heißer Sommer bringt Railion auf Trab

Der lange krisengeschüttelte Schienen-Güterverkehr der Deutschen Bahn wird nach Angaben aus Unternehmenskreisen bereits in diesem Jahr wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Ausgerechnet der heiße Sommer, der viele andere stöhnen ließ, führte zum Plus bei der Bahn-Sparte.

HB BERLIN. Grund sei unter anderem, dass wegen des heißen Sommers und des Niedrigwassers der Flüsse Güter vom Schiff auf die Bahn verlagert worden seien.

„Aller Voraussicht nach werden wir schon 2006 deutlich im Plus landen“, sagte ein mit den Zahlen der Güterbahn Railion Vertrauter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Weil Rhein und Elbe für die Schifffahrt lange zu wenig Wasser geführt hätten, habe die Bahn eine Flut von Aufträgen erhalten. „Wir fahren an der Kapazitätsgrenze.“ Statt des für 2006 eigentlich erwarteten Minus von fast 70 Mill. Euro, gehe man jetzt von einem dreistelligen Plus aus. „Nach derzeitiger Schätzung könnten wir ein Betriebsergebnis nach Zinsen von über 150 Mill. Euro erreichen“, hieß es an anderer Stelle bei der Bahn. Damit wäre nach dem Personen-Fernverkehr die zweite große Sparte aus dem Minus gerollt. Für die Bahn ist dies besonders vor dem Hintergrund des geplanten Börsengangs wichtig.

Auch die Logistiksparte Schenker (Schiff, Flugzeug, Lkw) wird den Angaben zufolge in diesem Jahr deutlich besser als geplant abschneiden. Das angepeilte Betriebsergebnis nach Zinsen werde wohl 250 Mill. Euro übersteigen.

Ein Bahn-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren und verwies auf die Halbjahres-Pressekonferenz am Montag. Er betonte aber: „Wir sind gut unterwegs.“

Abgesehen vom Pegelstand der Flüsse profitiert die Bahn auch von der allgemein verbesserten Konjunktur und dem Exportmotor. Vor allem der Containerverkehr an den Häfen entwickele sich rasant, hieß es. Normalerweise gebe es im Herbst immer besonders starken Güterverkehr, hieß es in Bahnkreisen. „Seit letzten Herbst hat es aber praktisch keine Abschwächung des Geschäfts mehr gegeben“, sagte ein Mitarbeiter. „Und der nächste Herbst kommt.“ Die Bahn habe zudem bei zusätzlichen Transporten von neuen Kunden viele langfristige Verträge durchgesetzt, um die Güter der Bahn über Jahre zu sichern.

Durch den Boom sieht sich die Bahn vor neuen Problemen: Die Pläne zum Stellenabbau, eine der Säulen des Sanierungsprogramms von Gütervorstand Norbert Bensel, wurden praktisch ausgesetzt. „Im Gegenteil, wir suchen händeringend nach Personal“, sagte ein Kenner der Bahn. Dies gelte etwa für Lokführer.

Schwachstelle bei der Bahn bleibe das Netz, hieß es weiter. Nachdem in den vergangenen Monaten auch wegen der Fußball-WM kaum gebaut worden sei, werde dies jetzt nachgeholt. „Es wird massiv investiert und es gibt viele Baustellen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%