Möglicherweise kein Abfindungsangebot nötig
Spekulationen um Tui-Anteil der WestLB

Die WestLB ist nach Angaben aus Finanzkreisen bereit, von ihren 31,4 Prozent am Reisekonzern Tui nur knapp 30 Prozent zu verkaufen, damit ein neuer Eigner kein Abfindungsangebot an alle übrigen Tui-Aktionäre machen müsste.

HB FRANKFURT. Denkbar sei auch, dass das Paket an mehr als einen Investor mit ähnlichen strategischen Interessen in der Touristik gehe. „Für einen strategischen Investor kann es kriegsentscheidend sein, ob er 29,9 oder etwas mehr als 30 % erwirbt - für die WestLB ist es das nicht“, sagte ein mit dem Thema vertrauter Manager am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Bei dem Erwerb von weniger als 30 % könnte ein Investor auf das nach deutschem Aktienrecht vorgeschriebene Abfindungsangebot an alle übrigen Tui-Aktionäre verzichten und hätte damit einen deutlich geringeren Finanzbedarf für einen Einstieg bei Tui. Zugleich dürfte auch bei nur knapp 30 % an Tui die Mehrheit auf der Hauptversammlung des Reisekonzerns nicht in Gefahr sein. Die WestLB hatte in der Vergangenheit mit ihren 31,4 % stets eine klare Mehrheit der Stimmrechte.

Europas größter Reisekonzern steht seit Wochen im Zentrum von Übernahmespekulationen, die den Kurs der Tui-Aktie zuletzt deutlich in die Höhe getrieben haben. Ein möglichst hoher Aktienkurs im August ist Voraussetzung für den Verbleib von Tui im Deutschen Aktienindex (Dax). Am Donnerstagmittag verlor Tui nach Bekanntwerden der möglichen Strategie der WestLB bei ihren Verkaufsplänen bis zu vier Prozent auf knapp 15 € und notierte danach rund drei Prozent im Minus bei 15,20 €.

Ein WestLB-Sprecher wollte die Angaben zur möglichen Struktur des seit längerem geplanten Verkaufs der Tui-Anteile nicht kommentieren. „Es bleibt dabei: Es gibt Interessenten für unseren Anteil. Wir stehen nicht unter Zeitdruck und werden nicht mit Verlust verkaufen“, sagte er. Den Finanzkreisen zufolge wird die Bank zunächst die Entscheidung der Deutschen Börse am 3. September über den Verbleib von Tui im Dax abwarten. Dann werde bei Tui auch die seit längerem anstehende Entscheidung über einen Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd erwartet.

„Es wird keine Entscheidung über den Tui-Anteil bei der WestLB geben, so lange nicht die Themen Dax-Verbleib von Tui und Börsengang der Hapag-Lloyd geklärt sind“, hieß es in den Kreisen. Allerdings sei klar, dass die WestLB in keinem Fall vorab ein kleinen Teil der Tui-Aktien an der Börse platzieren werde, um den Streubesitz des Reisekonzerns zu erhöhen und den Verbleib im Dax abzusichern. Damit würde die WestLB ihren Anspruch auf einen Paketaufschlag für ihren Tui-Anteil verspielen, hieß es aus den Kreisen.

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