Mögliches-EU-Veto für Lufthansa-Deal
Niki kämpft weiter um Niki

Die Übernahme der früheren Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa droht zu scheitern. Der Ferienflieger steht so vor der Pleite. Flug-Unternehmer Niki Lauda sagt dem Handelsblatt: Ich biete erneut für die Airline.
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Wien, BerlinNiki Lauda will zusammen mit dem Touristikkonzern Thomas Cook erneut für die österreichische Fluglinie Niki bieten, wenn die EU-Kommission die Übernahme durch die Lufthansa nicht genehmigen sollte. „Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen“, sagte Niki Lauda dem Handelsblatt in Wien. „Wir haben nach wie vor Interesse“, sagte Lauda. Das alte Angebot gelte aber nicht mehr, da inzwischen sich viele Dinge verändert hätten, so der Luftfahrtunternehmer, der die Ferienfluglinie einst gegründet hat.

Der dreifache Formel-1-Weltmeister kennt Niki genau. Denn Lauda ließ bereits beim Verkauf von Air Berlin und Niki an Lufthansa von seinem Team die Bücher der Airlines prüfen. Der Österreicher betreibt heute mit seinem Unternehmen Lauda Motion eine Privatjet-Gesellschaft in Wien.

Lauda kritisierte von Anfang an die Übernahme von Air Berlin und Niki durch die Lufthansa. „Die Übernahme der Air Berlin schafft quasi ein Monopol in Deutschland und Österreich. Das ist fürchterlich“, warnte Lauda schon vor der Übernahme.

Laudas Plan sieht vor, mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook, zu dem der Ferienflieger Condor gehört, zu bieten. Der Wiener Unternehmer hatte ursprünglich angekündigt, den Kauf aus Eigenmitteln und mithilfe einer österreichischen Großbank zu finanzieren. Nach seinen Plänen will er vor allem Kurz- und Mittelstrecken bedienen. Lauda hatte ursprünglich vor, sich mit 51 Prozent die Mehrheit bei Niki zu sichern. Condor wollte sich auf Nachfrage nicht äußern.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wollte sich unterdessen bei Last-Minute-Gesprächen in Brüssel für den Air-Berlin-Deal einsetzen. Spohr werde sich am Mittwoch bei EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager für die Übernahme der Air Berlin-Tochter Niki starkmachen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider.

„Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen“, hieß es zuvor.

Die wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen Katharina Dröge warnte vor den Folgen der unsicheren Situation und einer Untersagung. „Niki-Mitarbeiter müssen nun erneut um ihre Jobs bangen, die Kunden um den Verfall ihrer Tickets. Und die Steuerzahler könnten auf dem 150 Millionen Euro Kredit des Bundes sitzen bleiben. Das wäre ein Desaster.“ Dröge wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vor, für die Lufthansa Lobbyismus gemacht zu haben.

Die Fluggesellschaft kann noch bis Donnerstag Zugeständnisse einreichen, um kartellrechtliche Zweifel auszuräumen. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: „Die Untersuchung läuft, und wir können das Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersagen.“ Die Lufthansa lehnte einen Kommentar ab.

Das Unternehmen hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Millionen Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde muss dem aber noch zustimmen. Sie entscheidet voraussichtlich am 7. Dezember.

Sollte die Kommission wie allgemein erwartet Auflagen für notwendig halten, damit der Wettbewerb ausreichend gewahrt bleibt, könnte sie die Frist um zwei Wochen bis kurz vor Weihnachten verlängern. In schwierigen Fällen nimmt sich die Aufsicht 90 Werktage Zeit.

Falls die EU-Kommission eine solche vertiefte Prüfung plane, würde die Lufthansa wohl die aktuelle Zwischenfinanzierung von Niki einstellen, wie Reuters jüngst von Insidern erfahren hatte. Niki drohte dann wie Air Berlin ebenfalls die Pleite.

„Niki müsste sehr, sehr kurzfristig gegroundet werden. Sehr viele Passagiere wären irgendwo gestrandet“, sagte eine andere Person, die mit der Situation vertraut ist. Damit müsste der Flugbetrieb eingestellt werden. „Niki braucht Woche für Woche frisches Geld.“ Sollte Lufthansa nicht zum Zuge kommen, sei es eher unwahrscheinlich, dass andere Niki-Interessenten einspringen würden.

Denn es bleibe wenig Zeit, und die Dinge seien sehr komplex. „Ein weißer Ritter müsste sofort mehrere Millionen reinbuttern als Zwischenfinanzierung, bevor man überhaupt in Verhandlungen tritt.“

Sollte die Lufthansa nicht wie geplant Niki bekommen und damit auch knapp 1000 Beschäftigte, stünden diese vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Mit Material von Reuters

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
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Kommentare zu " Mögliches-EU-Veto für Lufthansa-Deal: Niki kämpft weiter um Niki"

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  • @ Herr Matthias Moser29.11.2017, 13:07 Uhr

    Es gibt ein Kartellrecht, das eingehalten werden muß. Das hat schon seine Berechtigung. Immer wenn es von Politikern durch Ministererlaubnis ausgehebelt wurde, kam es anschließend noch schlimmer. Die Probleme von Airberlin sind seit langem bekannt. Da geht es nicht um Bedenken sondern um das Einhalten von Gesetzen. Es besteht der dringende Verdacht, dass der Lufthansa das Geschäft z.L. anderer Anbieter und der Allgemeinheit zugeschanzt werden soll. So schlimm es für den Einzelnen ist, den Arbeitsplatz zu verlieren, die Politiker vernichten jährlich durch zunehmenden Bürokratismus und Dirigismus ein zigfaches an Arbeitsplätzen. Da regt sich schon lange keiner mehr drüber auf.

  • Ich hatte " beten " gelesen !

  • Vielleicht kommt mal einer auf die Idee, die kartellrechtlichen Bedenken zu Gunsten der Mitarbeiter und Passagiere hinten anzustellen. Bedenken und Bedenkenträger haben wir genug. Man muß auch mal was machen bzw. durchgehen lassen.

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