Molkerei Berchtesgadener Land
Die Retter der Almen

Mit den großen Milchkonzernen können und wollen die Milchwerke Berchtesgadener Land nicht konkurrieren. Sie versuchen stattdessen Hightech, traditionelle Herstellung und den Erhalt der Almen unter einen Hut zu bringen.
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PidingEs klingt ein bisschen wie die Geschichte von David und Goliath, aber sie passt nicht so ganz zu Berchtesgadener Land. Die Molkerei ist zwar klein – verglichen mit großen Milchkonzernen wie Deutsches Milchkontor (DMK) oder Arla – aber sie kämpft nicht gegen sie. „Wir sind nicht im direkten Wettbewerb mit großen Molkereikonzernen, weil wir den gar nicht bestehen könnten. Eine DMK ist 44-mal, eine Arla 42-mal so groß wie wir“, sagt Bernhard Pointner, geschäftsführender Vorstand der Milchwerke Berchtesgadener Land.

Er verweist auf die Markt- und Einkaufsmacht der Großmolkereien, die ihre Rohstoffe und Materialien zu viel günstigeren Preisen beschaffen können, weil sie etwa deutlich mehr Aludeckel für Joghurt-Becher abnehmen können. Also setzen die Berchtesgadener auf Qualität und Nachhaltigkeit. „Wir können nur bestehen, indem wir die Nische besetzen. Ihr könnt zwar gut billig, aber wir können halt qualitativ gut“, sagt Pointner.

Mit dem Klischee von den glücklichen Kühen auf malerischen Almen hat aber die Produktion bei Berchtesgadener Land nicht mehr allzu viel zu tun. Die Milchbauern, die das Milchwerk beliefern, haben im Schnitt 23 Kühe, die sie im Stall halten. Aber das Futter kommt hauptsächlich von den Wiesen der Alpenregion: frisch, als Heu getrocknet oder auch als Silage haltbar gemacht. Im Jahr 2010 verpflichtete die Molkerei alle Milchlieferanten, ausschließlich gentechnikfreie Futtermittel zu verwenden.

Hauptprodukte der Milchwerke sind die Bergbauernmilch und Bio-Spezialitäten. Und damit nicht nur die Kühe, sondern auch die Bauern glücklich sind, zahlt die Molkerei ihren Lieferanten etwa fünf bis zehn Cent mehr pro Liter Milch, derzeit etwa 42 Cent. Fünf Cent mehr, das klingt erst einmal nicht aufregend. Aber bei einer Milchmenge von 200.000 Liter im Jahr sind das 10.000 Euro.

Diesen guten Preis zahlt die Molkerei im Einvernehmen mit den Bauern, denn die 1.762 Milchlieferanten sind genossenschaftlich organisiert, das heißt, sie reden beim Preis mit. Gegründet wurde die Genossenschaft im Örtchen Piding bereits im Jahr 1927. Damals haben sich 54 Bauern zusammengetan und lieferten anfangs gerade einmal 700 Liter Milch am Tag. Durch Fusion mit der Chiemgau-Molklerei im benachbarten Truchtlaching entstanden 1976 die Milchwerke Berchtesgadener Land. Heute liefern die Landwirte zwischen Watzmann und Zugspitze täglich 700.000 Liter Milch. Im vergangenen Jahr machte die Molkerei damit einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Damit der Betrieb seine Milchlieferanten ordentlich bezahlen kann, sind Bergbauernmilch und Alpenrahm eben etwas teurer als die Produkte anderer Hersteller. „Die Marke ist über die Jahre einfach sehr stark geworden. Wir profitieren davon, dass es Endverbraucher gibt, die diese Artikel wollen. Und da ist der Preis zweitrangig. Die wollen eben zum Beispiel diesen Topfen (zu hochdeutsch: Speisequark), weil wir da fast eine Manufaktur sind, das kann keiner besser als wir“, sagt Pointner stolz. Der 39-Jährige hat die Leitung des Unternehmens vor sechs Jahren von seinem Vater übernommen. Nicht etwa durch natürliche Erbfolge. Nein, auch der Sohn des früheren Chefs musste sich bewerben und dem Aufsichtsrat seine Ideen präsentieren. Und er hat offensichtlich überzeugt.

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