Monopolkommission
Briefbeförderung in Deutschland zu teuer

Die Monopolkommission geht mit der Post hart ins Gericht. In einem Gutachten kommt die Kommission zum Schluss, dass die Briefbeförderung in Deutschland zu teuer und die Wettbewerbssituation auf dem Briefmarkt miserabel ist.
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HB BONN. Das Briefporto ist nach Ansicht der Monopolkommission zu hoch. "Die Deutschen zahlen zu viel für die Briefbeförderung", sagte der Vorsitzende des Expertengremiums, Justus Haucap, in Bonn. Die Deutsche Post erziele seit Jahren "außerordentlich hohe" Umsatzrenditen im Briefbereich - im Jahr 2008 betrug sie 15,7 Prozent. "Eine solche Rendite ist nur möglich, wenn das Preisniveau deutlich über den Kosten liegt", heißt es in einem Sondergutachten der Monopolkommission zur Lage auf den Postmärkten. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wird der Briefmarkt noch zu 90 Prozent von der Deutschen Post dominiert - trotz Marktöffnung.

Die Wettbewerbssituation auf dem deutschen Briefmarkt sei "miserabel", kritisierte die Monopolkommission. Die seit dem 1. Januar 2008 geltende völlige Liberalisierung werde durch die Mehrwertsteuerbefreiung für die Deutsche Post und die Einführung des Mindestlohns für Briefzusteller konterkariert. Beides behindere einen funktionsfähigen Wettbewerb, meinte Haucap. Die Monopolkommission berät die Bundesregierung in Fragen der Wettbewerbspolitik und Regulierung.

Allerdings gelten für die Briefportofestsetzung bestimmte Regelungen und die Netzagentur muss die Preise genehmigen, so dass die Post hier keine freie Hand hat. Der Postmarkt beinhaltet neben Briefen auch Kurierdienste und Pakete. Im Gegensatz zum Briefbereich herrscht laut Bundesnetzagentur beim Kurier- und Paketangebot bereits ein großer Wettbewerb.

"Ich appelliere an die Verbraucher, bestehende Chancen zum Wechsel des Postanbieters intensiver zu prüfen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Dies gelte sowohl für Privat- als auch für Geschäftskunden. "Insgesamt werden neue Angebote im Briefmarkt mit zusätzlichen Auswahlmöglichkeiten den Markt beleben und verändern", meinte Kurth. In den nächsten Jahren seien weitreichende Veränderungen durch die Einführung elektronischer Briefdienstleistungen zu erwarten.

Außer mit der Post beschäftigten sich Bundesnetzagentur und Monopolkommission in ihren aktuellen Berichten auch mit dem Telekommunikationsmarkt. Nach Angaben der Netzagentur ist Deutschland bei der Versorgung mit Breitbandanschlüssen auf der Überholspur. "60 Prozent der Haushalte nutzen einen Breitbandanschluss", sagte Kurth. "Wir haben inzwischen alle großen Flächenländer wie Frankreich, England, Spanien oder Italien überholt und liegen weit über dem europäischen Durchschnitt."

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  • Früher hat ein briefträger die Post ausgetragen. Heute sollen es mehrer sein, damit wir endlich Wettbewerb haben.
    Der CO2-Anstieg läßt grüßen.

    Warum gibt es noch keinen Wettbewerber zur Monopolkommission?

    (beim sportlichen Wettbewerb treten zwei Gegner gegen einander an. Anschließend schütteln sie sich die Hände und trinken ein bier oder Apfelsaftschorle. beim wirtschaftlichen Wettbewerb geht es darum, dem anderen Marktanteile wegzunehmen. Das ist für mich nichts anderes als unbluten Krieg.)

  • jawohl, es wird Zeit, dass endlich die billigen inder unsere Post austragen.
    warum muss das solange dauern bis endlich jemand merkt, dass unsere Postboten völlig überbezahlt sind.

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