Mordaschow
Tui-Anleger setzen auf russischen Oligarchen

Eine mögliche Aufstockung der Beteiligung des russischen Oligarchen Alexej Mordaschow am Reise- und Reedereikonzern Tui beflügelt die Fantasie von Anlegern. Mit einem Kursplus von einem Prozent gehörte das Papier am Dienstag zu den größten Gewinnern im Dax.

rtr FRANKFURT. Kreisen zufolge will Mordaschow sein Aktienpaket auf 20 bis 25 von zehn Prozent erhöhen. "Es ist viel zu früh, über eine Erhöhung meines Anteils zu sprechen", bremste der Stahlmagnat die Erwartungen aber in der russischen Zeitung "Vedomosti" (Dienstagausgabe). Tui lehnte eine Stellungnahme ab.

Eine Aufstockung wäre für Mordaschow nach Einschätzung von Branchenexperten wohl vor allem aus zwei Gründen attraktiv: "Er sucht Anlagemöglichkeiten und betrachtet die TUI-Aktie vielleicht als attraktives Finanzinvestment", sagt LBBW-Analyst Hans Kuhlmann. -Peter "Außerdem könnte er damit wohl bessere Bedingungen für das geplante Joint Venture herausholen."

Um den streitlustigen Tui-Investor John Fredriksen auf der Hauptversammlung auszubremsen, wären weitere Aktienkäufe durch den Russen wohl nicht nötig. "Es sieht so aus, dass die hinter Tui-Chef Michael Frenzel stehende Fraktion ohnehin schon die Oberhand hat", sagt Kuhlmann. Wie Mordaschow stützen auch Investoren mit touristischen Interessen aus Spanien, Marokko und Ägypten Frenzels Kurs. Insgesamt kommt dieser Block auf gut 30 Prozent, womit er die Hauptversammlung bei der traditionell niedrigen Präsenz wohl dominieren könnte.

Die Tui-Reisesparte Tui Travel und Mordaschows Beteiligungsgesellschaft S-Group hatten sich verbündet, um den russischen Tourismusmarkt aufzurollen. Dazu wollen sie ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, bei dem Mordaschow vor allem Geld und die Kenntnis der Verhältnisse in dem Land, Tui dagegen sein Tourismus-Know-how einbringt. "Wir verstehen die Vorlieben unserer Leute gut, russische Eigenheiten - und Tui hat viel internationale Erfahrung", sagte Mordaschow "Vedomosti". Zur Bearbeitung des Marktes könne entweder die Zusammenarbeit von Tui mit dem bisherigen russischen Partner Mostravel ausgebaut oder zugekauft werden. "Beide Optionen sind möglich."

Der russische Urlaubsmarkt wächst schnell. Tui und Mordaschow wollen sich vor allem einen großen Anteil der von Veranstaltern organisierten Reisen sichern. Dabei stehen Lieblingsziele der Russen wie Ägypten und die Türkei im Fokus. Die Idee, den Tourismus auch in russischen Urlaubsregionen zu entwickeln, spielt bei den Planspielen noch kaum eine Rolle - ungeachtet der Tatsache, dass der Schwarzmeer-Badeort Sotschi die Olympischen Winterspiele 2014 austragen soll.

Anders als Mordaschow interessiert sich der Reeder und Tui-Großaktionär Fredriksen nicht für den Tourismus. Zu seinen strategischen Zielen mit Tui hat sich der Norweger noch nicht geäußert. Beobachter gehen davon aus, dass er vor allem ein gutes Geschäft mit seinen Tui-Aktien machen will. Auf seinen Druck hin hatte Frenzel angekündigt, dass sich Tui von der Schifffahrtssparte Hapag-Lloyd trennen will.

Fredriksen strebt auch zwei Aufsichtsratsmandate bei Tui an, was aber am Widerstand der Tui-Anteilseigner aus dem Tourismus zu scheitern droht. Sie dürften sich fragen, ob sie einen potenziellen Käufer der Schifffahrtsparte in jenem Gremium haben wollen, das über deren geplanten Verkauf entscheiden muss.

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