Multimillionär Alexander Lebedew
„In Russland ist es besser“

Seit die Fluglinie Bluewings in Schwierigkeiten geraten ist, hadert der russische Multimillionär und Großaktionär Alexander Lebedew vor allem mit dem Investitionsstandort Deutschland. Mit dem Handelsblatt sprach er aber auch über deutsche Werften, die Korruption in Russland, die Chance, das Land zu modernisieren und seine politischen Ambitionen.
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Hegen sie immer noch Groll, weil das Deutsche Luftfahrtbundesamt (LBA) ihrer Fluglinie Bluewings im Frühjahr die Lizenz entzogen hatte?

Ich verstehe immer noch nicht, warum und wozu. Die negativen Folgen spüren wir heute noch. Ich habe immer noch keine andere Erklärung, als dass es protektionistische Maßnahmen waren oder der Wunsch russische Investitionen nicht zuzulassen. Oder eine Lektion wegen meiner Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Sotschi. (dem russischen Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2014 Anm. d. Red.)

Diese Vorwürfe müssen sie aber beweisen können?

Vielleicht wird es eine forensische Untersuchung geben: Wer hat Recht gehabt, das LBA oder das Management? Doch selbst wenn dort Fehler gemacht worden wären, hätte das LBA nicht den Flugbetrieb stoppen müssen, da hätte es sicher andere Maßnahmen gegeben. Aber sie stoppen nicht die einzige gesunde Airline in Mitten einer Krise, die sich mit über einer Millionen Passagiere sehr gut entwickelt hat. Das ist mir sehr suspekt. Hinzu kommt: Wir haben in Deutschland 14 Flugzeuge gekauft, aber das interessiert niemanden.

Wie läuft es denn wirtschaftlich bei Bluewings?

Es geht der Gesellschaft wegen des Flugverbots schlechter, als es sein könnte. Wir waren gezwungen, 200 Mitarbeiter zu entlassen und zwei Maschinen zu parken. Die 40 Tage, die wir am Boden bleiben mussten - das war ein großer Schaden. Am Ende musste wir noch 25 Millionen Euro hineinstecken.

Und wollen an Aeroflot verkaufen?

Wir wollen den Einstieg von Aeroflot vorbereiten. Das Problem ist, dass Aeroflot gar nicht Eigentümer von Bluewings werden kann, weil die Gesellschaft keinen Sitz in der EU hat. Ich will einen Teil meiner Aktien, fünf bis zehn Prozent, an die Raissa verschenken, die ist in Großbritannien ansässig. Wenn Aeroflot dann 49 Prozent übernehmen will, können sie eine Aktionärsvereinbarung machen und die Kontrolle haben, ohne Gesetze zu verletzen.

Und wie soll das gehen?

Die Aktien werden für immer bei der Stiftung bleiben und diese wird vertraglich zusichern, immer mit Aeroflot zu stimmen. Die andere Sache ist, Bluewings überhaupt für einen Käufer attraktiv zu machen. Die Diskussionen mit Aeroflot laufen. Ich denke die Entscheidung dürfte im Dezember fallen.

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