MVV
In ewiger Lauerstellung

Es ist beinah zum Ritual geworden: Immer wenn MVV-Chef Rudolf Schulten über die Strategie des Mannheimer Versorgers redet, kündigt er vollmundig an: Wir wollen uns an weiteren Stadtwerken beteiligen. Im gleichen Atemzug muss Schulten aber kleinlaut einräumen: Im Moment sei noch nichts Konkretes absehbar. Das geht nun schon seit Jahren so.

DÜSSELDORF. Ob die MVV Energie tatsächlich in absehbarer Zeit ihr Stadtwerke-Netzwerk erweitern kann, ist eher zweifelhaft. Denn noch zögern die Kommunen, wieder Beteiligungen auf den Markt zu werfen. Offenbar trauern viele Bürgermeister den traumhaft hohen Preisen nach, die die Kommunen zu Beginn der Liberalisierung erzielen konnten. In der Folgezeit kühlte der Markt jedoch spürbar ab, vor allem weil das Kartellamt Branchenriesen wie Eon und RWE in ihrem Expansionsdrang bremste.

Und wenn sich dann doch einmal eine Stadt entscheidet, ihren Kommunalversorger zumindest teilweise zu veräußern – wie jetzt Leipzig – ist die Zahl der Interessenten gleich wieder groß. Dort bewerben sich neben der MVV auch Konkurrenten, die wie die Energie Baden-Württemberg (EnBW) oder Vattenfall über eine höhere Finanzkraft verfügen, oder wie die Leipziger Verbundnetz Gas mit lokalpolitischen Argumenten pokern. Außerdem interessieren sich neuerdings Finanzinvestoren für den Markt.

Der ehemalige Mannheimer Kommunalversorger, der sich mit Kiel, Solingen, Offenbach, Ingolstadt und Köthen ein ansehnliches Netzwerk zusammengekauft hat, ist da nur ein vergleichsweise kleiner Fisch. Zwar wird er nach der geplanten Kapitalerhöhung um 220 Millionen Euro rund eine halbe Milliarde Euro in der Kasse haben. Allzu große Sprünge lassen sich damit allerdings nicht machen – zumal Schulten noch andere Projekte finanzieren muss: Investitionen in Kraftwerke, Müllerverbrennungsanlagen und erneuerbare Energien.

Die MVV hat aber ein großes Pfund, mit dem sie wuchern kann: Mit ihrem eigenen kommunalen Hintergrund ist sie für alle Kommunen interessant, die ihre Stadtwerke nicht an eine Branchengröße wie EnBW, einen ausländischen Versorger oder gar einen Finanzinvestor abgeben wollen. Dabei dürften die Chancen weniger in formellen Beteiligungen als in losen Partnerschaften liegen.

Die MVV ist mit ihren konzerninternen Dienstleistungsgesellschaften, mit denen sie die Kosten ihrer Beteiligungen bei den Netzen, dem Abrechnungswesen, der IT oder dem Energiehandel in den Griff bekommen will, für Kooperationen reizvoll. Der Druck, die Kosten zu senken, ist schließlich für alle Stadtwerke hoch. Die scharfe Regulierung der Netze und der erwartete Wettbewerb durch Direktanbieter wie „E-wie-einfach“ trifft vor allem kleinere Kommunalversorger hart.

Die MVV selbst hat in den vergangen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht. Sie ist aus verlustreichen Randgeschäften ausgestiegen, hat ein Sparprogramm aufgelegt und sich eine neue Holdingsstruktur gegeben. Und die eigene Aktionärsstruktur ist stabil. Die Stadt Mannheim wird zwar bald einen Anteil von 16 Prozent an die dänische Dong verkaufen, die Mehrheit aber behalten.

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