Myanmar
Ärger im neuen Billigmode-Boomland

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2,50 Euro pro Tag

Vor allem aber gibt es inzwischen auch massive Kritik an den Arbeitsbedingungen. Die holländische Organisation SOMO veröffentlichte kürzlich eine Studie, für die mehr als 400 Arbeiter aus zwölf Fabriken befragt wurden. Demnach sind extrem niedrige Löhne und Überstunden die Regel, Kinderarbeit ist keine Ausnahme. Deutsche Zulieferer wurden in der Studie übrigens nicht erfasst.

In Myanmar liegt der gesetzliche Mindestlohn gerade einmal bei 3600 Kyat (umgerechnet etwa 2,50 Euro) – nicht pro Stunde, sondern pro Tag. Weil das auch hier nicht zum Leben reicht, müssen viele Überstunden machen. In Hlaing Tharya – einem der Vororte von Rangun, wo die Textilfabriken stehen - dauert der Arbeitstag für viele von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr. 14 Stunden, sechs Tage die Woche.

Auch Kinder arbeiten dort. Manche zeigen den Ausweis von erwachsenen Verwandten vor, um an den Job zu kommen. Bei Kontrollen ist es angeblich gängige Praxis, von den Vorgesetzten in die Küche oder auf die Toilette geschickt zu werden.

Mittlerweile kam es in mehreren Fabriken in Hlaing Tharya aber auch schon zu Protesten. Zum Zentrum hat sich die Firma Hundred-Tex entwickelt, ein chinesisches Unternehmen, das für H&M produziert. Hier schlugen Arbeiter im Zorn über Entlassungen und ausbleibende Gehälter Maschinen und Überwachungskameras kaputt. Die Produktion steht schon seit Wochen still.

Eine der protestierenden Frauen, Chit Su Wai, sagt: „Es tut mir leid, das wir Schaden angerichtet haben. Aber die schulden mir Geld.“ Der 23-Jährigen zufolge geht es um 20.000 Kyat. Umgerechnet sind das nicht einmal 14 Euro. Aber für sie ist das der Lohn von fünfeinhalb Tagen Arbeit.

Das Problem haben auch die internationalen Konzerne längst erkannt. Mehrfach wurden in Rangun nun schon „Ethik-Konferenzen“ organisiert. Adidas betont, dass die SOMO-Vorwürfe den Sportartikelhersteller nicht betreffen. „Der durchschnittliche Monatsverdienst der Angestellten in unseren Zulieferfabriken liegt mehr als doppelt so hoch wie der Mindestlohn“, sagt eine Sprecherin.

H&M verweist darauf, das sich alle Zulieferer in Myanmar zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns verpflichtet hätten. „Es ist von größter Wichtigkeit für uns, dass all unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden.“ Und Kinderarbeit sei „absolut unakzeptabel“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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