Myanmar

Ärger im neuen Billigmode-Boomland

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2,50 Euro pro Tag
Diese Designer machen gemeinsame Sache mit H&M
Kenzo bei H&M
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Die Marke Kenzo gehört zum Luxus-Imperium LVMH. Doch statt Luxus setzt die Marke nun auf Masse – zumindest eine Kollektion lang. Das Label der ursprünglich japanischen Kenzo – Namensgeber ist Kenzo Takada (77) – ist für seine intensiven Farben und ausgefallenen Aufdrucke bekannt.

Kenzo und H&M
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Auffällige Tigermuster und leuchtende Farben bestechen die Kollektion der Luxusmarke Kenzo, die seit dem 3. November in den Filialen des schwedischen Modefilialisten angeboten wird.

Kenzo-Kollektion
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Die Kollektion reicht von Kleidern, Jacken über Boots und Taschen in knalligen Farben. Die Designermode zu erschwinglichen Preisen ist stets schnell vergriffen.

Kenzo
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Die Kollektion der Kreativdirektoren Humberto Leon und Carol Lim (im Bild) ist seit dem 3. November online und in etwa 250 von weltweit rund 3.000 Filialen zu kaufen.

Eine Auswahl ihrer Vorgänger ...

Karl Lagerfeld
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Karl Lagerfeld gehört zu den bekanntesten Modedesignern der Welt. Der Deutsche vertreibt nicht nur unter seinem eigenen Namen Kleidung, sondern ist auch Chefdesigner bei Chanel und Fendi. Das hielt Lagerfeld allerdings nicht davon ab, für den Massenmarkt zu arbeiten: 2004 entwarf er eine eigene Kollektion für H&M. Mit großem Erfolg: Es gab lange Schlangen vor den Läden und Totalausverkauf. Auf Ebay blühte der Schwarzhandel mit den Lagerfeld-Stücken. Der Umsatz stieg damals um 24 Prozent. Es war die erste Kooperation mit einem Stardesigner – gelobt wurde sie sogar von Analysten: Die H&M-Aktie kletterte nach dem PR-Getöse über die 200-Kronen-Marke.

Versace
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Auch Donatella Versace ließ sich 2011 von H&M verpflichten. Das Unternehmen, von ihrem Bruder Gianni 1978 gegründet, ist nicht für den dezenten Auftritt bekannt. Auffällige Muster und Drucke fanden sich dann auch auf den H&M-Kleiderstangen. Neben Klamotten entwarf Versace auch noch Wohnaccessoires für die schwedische Kette.

Roberto Cavalli
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Ungefähr genauso „laut“ wie Versace ist auch der ebenfalls italienische Designer Roberto Cavalli. Gerade tierische Muster wie Leoparden-Prints finden sich immer wieder in der Kollektion. Auch bei H&M zierten diese einige Stücke, als Cavalli 2006 für die schwedische Kette designte.

Vor allem aber gibt es inzwischen auch massive Kritik an den Arbeitsbedingungen. Die holländische Organisation SOMO veröffentlichte kürzlich eine Studie, für die mehr als 400 Arbeiter aus zwölf Fabriken befragt wurden. Demnach sind extrem niedrige Löhne und Überstunden die Regel, Kinderarbeit ist keine Ausnahme. Deutsche Zulieferer wurden in der Studie übrigens nicht erfasst.

In Myanmar liegt der gesetzliche Mindestlohn gerade einmal bei 3600 Kyat (umgerechnet etwa 2,50 Euro) – nicht pro Stunde, sondern pro Tag. Weil das auch hier nicht zum Leben reicht, müssen viele Überstunden machen. In Hlaing Tharya – einem der Vororte von Rangun, wo die Textilfabriken stehen - dauert der Arbeitstag für viele von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr. 14 Stunden, sechs Tage die Woche.

Auch Kinder arbeiten dort. Manche zeigen den Ausweis von erwachsenen Verwandten vor, um an den Job zu kommen. Bei Kontrollen ist es angeblich gängige Praxis, von den Vorgesetzten in die Küche oder auf die Toilette geschickt zu werden.

Mittlerweile kam es in mehreren Fabriken in Hlaing Tharya aber auch schon zu Protesten. Zum Zentrum hat sich die Firma Hundred-Tex entwickelt, ein chinesisches Unternehmen, das für H&M produziert. Hier schlugen Arbeiter im Zorn über Entlassungen und ausbleibende Gehälter Maschinen und Überwachungskameras kaputt. Die Produktion steht schon seit Wochen still.

Eine der protestierenden Frauen, Chit Su Wai, sagt: „Es tut mir leid, das wir Schaden angerichtet haben. Aber die schulden mir Geld.“ Der 23-Jährigen zufolge geht es um 20.000 Kyat. Umgerechnet sind das nicht einmal 14 Euro. Aber für sie ist das der Lohn von fünfeinhalb Tagen Arbeit.

Das Problem haben auch die internationalen Konzerne längst erkannt. Mehrfach wurden in Rangun nun schon „Ethik-Konferenzen“ organisiert. Adidas betont, dass die SOMO-Vorwürfe den Sportartikelhersteller nicht betreffen. „Der durchschnittliche Monatsverdienst der Angestellten in unseren Zulieferfabriken liegt mehr als doppelt so hoch wie der Mindestlohn“, sagt eine Sprecherin.

H&M verweist darauf, das sich alle Zulieferer in Myanmar zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns verpflichtet hätten. „Es ist von größter Wichtigkeit für uns, dass all unsere Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden.“ Und Kinderarbeit sei „absolut unakzeptabel“.

  • dpa
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