Myanmar Ärger im neuen Billigmode-Boomland

Der Mindestlohn liegt in Myanmar bei 2,50 Euro – pro Tag. Ein Grund dafür, warum die Textilindustrie gerade boomt. Auch deutsche Konzerne lassen hier produzieren. Jetzt allerdings regt sich Protest.
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Näherinnen arbeiten in einer Halle der Textilfabrik Shweyi Zabe in Rangun. Myanmar hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für die billige Produktion von Kleidung entwickelt. Quelle: dpa
Textilfabrik Shweyi Zabe in Myanmar

Näherinnen arbeiten in einer Halle der Textilfabrik Shweyi Zabe in Rangun. Myanmar hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Land für die billige Produktion von Kleidung entwickelt.

(Foto: dpa)

RangunAuf dem Bogyoke-Markt von Myanmars ehemaliger Hauptstadt Rangun ist die Welt noch ziemlich in Ordnung. Außer Obst, Gewürzen und den üblichen Buddha-Souvenirs lassen sich dort auch T-Shirts kaufen – bedruckt mit einer der vielen Pagoden, die es im früheren Birma (oder Burma) gibt, oder auch mit dem Gesicht der international sehr geachteten Nobelpreisträgerin Aung Sang Suu Kyi. Alles „Made in Myanmar“, manches sogar bio zu 100 Prozent.

Eine Autostunde außerhalb von Rangun, wo keine Touristen hinkommen, sieht die Sache anders aus. Im Umland der 7,5-Millionen-Stadt haben sich in den letzten Jahren jede Menge neuer Textilfabriken angesiedelt. Dort wird Kleidung für den Weltmarkt produziert, zu Billiglöhnen und unter sehr fragwürdigen Bedingungen. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie gehört auch Kinderarbeit dazu.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
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Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
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Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
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Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
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Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
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Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
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Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Der südostasiatische Staat hat sich seit seiner Öffnung - das Militär gab einen Teil der Macht an Suu Kyi ab, die jetzt als „Staatsrätin“ de facto die Regierung führt – zum Boomland der Textilindustrie entwickelt. Mehr als 400 Fabriken gibt es inzwischen, mit 400.000 Arbeitern, fast alles Frauen. Weltmarken wie H&M und Adidas lassen dort produzieren, aber auch Aldi, Tchibo oder Jack Wolfskin.

Der Boom hat auch damit zu tun, dass der Ruf des Nachbarn Bangladesch arg gelitten hat. Beim Einsturz eines Gebäudes mit Textilfabriken kamen dort im April 2013 mehr als 1100 Menschen ums Leben. Aus Furcht ums eigene Image zogen internationale Unternehmen weiter, ins unbelastete Myanmar. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass manche Kunden in den Umkleidekabinen mittlerweile doch darauf achten, wo die Kleidungsstücke herkommen.

So wird Myanmars Bekleidungsindustrie das Geschäftsjahr 2016/17, das diesen Monat endet, mit einem Rekord beenden. Das Handelsministerium erwartet Exporte von mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro), ein Großteil davon nach Europa. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von mehr als 85 Prozent. Geht das so weiter, wird das Ziel von vier Milliarden Dollar bis 2020 locker erreicht.

Hinter vielen Fabriken steckt allerdings ausländisches Geld, aus China vor allem. Stoffe, Knöpfe und Reißverschlüsse werden importiert; in Myanmar wird dann nur noch geschnitten und genäht. Zum Plan, „Made in Myanmar“ zum Standard für eine „ethische und nachhaltige Produktion“ zu machen – wie es im Verhaltenskodex des nationalen Textilverbandes heißt -, passt das nicht.

2,50 Euro pro Tag
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