Nach Air-Berlin-Pleite
„Wahrscheinlichkeit einer Zerschlagung ist groß“

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat eine Insolvenz in Eigenregie für die Pleite-Airline durchgeboxt. Sanierungsexperten beraten ihn dabei. Wie deren Chancen stehen, beurteilt Restrukturierungsanwalt Kolja von Bismarck.
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Die einst zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands ist durch ihre Pleite zur Verhandlungsmasse geworden. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das bedeutet, dass der Konzernführung Sanierungsexperten beratend zur Seite stehen: Lucas Flöther und Frank Kebekus. Wie der renommierte Restrukturierungsexperte Kolja von Bismarck von der US-Kanzlei Sidley Austin die Chancen auf Erfolg der Kollegen sieht, erläutert er im Interview. Zu seinen eigenen Mandanten zählten unter anderem US-Autobauer General Motors und der Filmemacher Sony Pictures aus Japan.

Herr von Bismarck, Air Berlin ist pleite – und hat eine sogenannte Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Begriff?
Dabei handelt es sich um ein reguläres Insolvenzverfahren, mit einem Unterschied: Die Unternehmensführung übernimmt einen Teil der Aufgaben des Insolvenzverwalters. Im Falle einer Fluggesellschaft ist das sogar sinnvoll, da hier das Management das eigene operative Geschäft wesentlich besser kennt, während der Sachverwalter und der Generalbevollmächtigte sich wesentlich um Verfahrensfragen kümmern werden. Was Air Berlin betrifft, verdienen meine erfahrenen Kollegen Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter und Lucas Flöther als Sachverwalter großes Vertrauen.

Wie kann der Flugbetrieb von Deutschlands zweitgrößter Airline auch während der Insolvenz aufrechterhalten werden?
Wesentlich ist, dass die Gesellschaft das laufende operative Geschäft finanzieren kann und die erforderlichen luftfahrtrechtlichen Erlaubnisse behält. Nach allem, was ich in der Zeitung lesen konnte, ist dies gewährleistet.

Dafür musste der Bund 150 Millionen Euro in die Fluglinie pumpen?
Im Kern schon. Der vom Bund verbürgte Überbrückungskredit wird im wesentlichen operative Kosten Benzinkosten, Leasingverträge und Flughafengebühren der Airline decken. Die Lohnkosten für Mitarbeiter dürften ja wiederum zunächst über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit finanziert werden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Airline am Ende zerschlagen wird?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Probleme geben wird. Es ist keine Überraschung, dass sich andere Unternehmen gegen die staatliche Unterstützung für Air Berlin zur Wehr setzen. Das hätten andere Fluggesellschaften genauso machen können. Ich unterstelle aber, dass der Sachverhalt von den Beteiligten auf Seiten der Gesellschaft diesbezüglich vorher gut geprüft wurde.

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„Andere Unternehmen gegen Staatshilfen für Air Berlin“

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