Nach Brexit-Votum Pfund-Schwäche hält Easyjet fest im Griff

Gemischte Easyjet-Bilanz: Rekord bei den Fluggästen, aber weniger Gewinn und Umsatz. Besonders der Absturz des britischen Pfunds nach dem Brexit belastet die Bilanz des Billigfliegers – auch im laufenden Geschäftsjahr.
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Um nach dem britische EU-Austritt nicht vom Luftverkehrs-Binnenmarkt ausgeschlossen zu werden, will sich die Billigfluglinie eine eigene Fluglizenz in einem anderen EU-Staat sichern. Quelle: Reuters
Easyjet

Um nach dem britische EU-Austritt nicht vom Luftverkehrs-Binnenmarkt ausgeschlossen zu werden, will sich die Billigfluglinie eine eigene Fluglizenz in einem anderen EU-Staat sichern.

(Foto: Reuters)

LutonDie Entscheidung der Briten zum EU-Austritt hält den Billigflieger Easyjet fest im Griff. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September verdiente die britische Ryanair-Rivalin unter dem Strich mit 427 Millionen Pfund (496 Millionen Euro) rund 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Absturz der britischen Währung werde das Ergebnis auch im laufenden Geschäftsjahr deutlich belasten, warnte das Management um Unternehmenschefin Carolyn McCall am Dienstag.

Unter anderem der Wertverlust des britischen Pfunds hinterließ in den Easyjet-Zahlen deutliche Spuren. Während die Zahl der Fluggäste um 6,6 Prozent auf den Rekord von 73 Millionen stieg, ging der Umsatz um 0,4 Prozent auf 4,67 Milliarden Pfund zurück. Währungseffekte kosteten die Fluggesellschaft 112 Millionen Pfund. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet McCall mit einer zusätzlichen Belastung von 90 Millionen Pfund. Denn Easyjet muss Treibstoff und Flugzeuge in US-Dollar bezahlen, viele andere Kosten fallen in Euro an.

Diese Airlines kassieren über Extras ab
Air Berlin (3,8 Prozent)
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Bei Air Berlin kosten unter anderem das Gepäck und mehr Beinfreiheit extra. Auch On-Board-Verkäufe und das Vielflieger-Programm brachten der Fluggesellschaft im Jahr 2015 Extraeinnahmen in Höhe von gut 156 Millionen Euro – das sind 3,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Gutes Geld, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nur Peanuts.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Lufthansa (5,5 Prozent)
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Auch der Lufthansa-Konzern rangiert bei den Zusatzeinnahmen nur unter ferner liefen – zumindest im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen (5,5 Prozent). Lufthansa, Swiss, Austrian und Germanwings generierten im Jahr 2015 in diesem Bereich 1,3 Milliarden Euro. Doch in Zukunft will der Konzern immer mehr auf diese Zusatzeinnahmen setzen. So stellte die Lufthansa 2015 ihr Preismodell um. Einige Tickets wurden günstiger, dafür aber bislang kostenlose Zusatzleistungen kostenpflichtig. Damit verbesserte sich die Lufthansa im Bereich Zusatzeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. 2016 sollen dann 6,5 Prozent der Gesamteinnahmen auf anderem Wege als über die Ticketpreise erwirtschaftet werden.

Easyjet (20 Prozent)
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Die Palette an Zusatzangeboten ist bei den Briten so groß wie komplex: Bordessen, Gebühren auf Umbuchungen, Stornogebühren, Verwaltungspauschalen für Online-Buchungen und, und, und... Alleine die zweiprozentigen Gebühren auf Zahlungen mit der Kreditkarte bringen der Fluggesellschaft jährlich rund 88 Millionen Euro ein. Insgesamt lagen die Einnahmen durch die Zusatzangebote bei annähernd 1,3 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent der Gesamteinnahmen. Platz zehn unter den Airlines.

Tigerair (20,8 Prozent)
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Als Erster ins Flugzeug einsteigen? Kein Problem: Bei Tigerair aus Singapur ist das gegen einen Aufpreis von umgerechnet knapp vier Euro möglich. Und wer in dem asiatischen Stadtstaat länger als acht Stunden auf seinen Anschlussflug warten muss, bekommt für etwa 15 Euro einen Sightseeing-Tour geboten. Kein Wunder, dass bei so viel Kreativität die Kassen im Zusatzgeschäft klingeln: 2015 kam mehr als jeder fünfte Euro der Gesamteinnahmen (20,8 Prozent) aus diesem Bereich – Platz neun. Insgesamt waren es fast 100 Millionen Euro.

Jetstar (21,3 Prozent)
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Jetstar verdient auch mit, wenn Kunden ein Hotelzimmer oder einen Leihwagen buchen. Zusammen mit den bei Billigairlines üblichen Aufschlägen für Catering und Extra-Fußraum hat das der australischen Fluglinie im Jahr 2015 Einnahmen gut 500 Millionen Euro beschert. Ein Anteil von 21,3 Prozent an den Gesamteinnahmen bedeutet gleichzeigt Rang acht.

Flybe (21,2 Prozent)
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Jeder vierte Euro kommt bei der britischen Flybe aus dem Zusatzgeschäft. Gebühren für Kreditkartenzahlungen und Wunschplätze, Gepäckkosten sowie weitere Extras sorgten 2015 für Einnahmen in Höhe von knapp 190 Millionen Euro – Rang sieben unter den Fluggesellschaften.

Volaris (22,3 Prozent)
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Volantis bezeichnet sich selbst als Billigfluglinie. Die Mexikaner steigerten ihre Einnahmen durch die Werbestrategie „Du entscheidest“. Fluggäste sollen selbst wählen, welche zusätzlichen Produkte und Angebote sie kaufen und nutzen wollen. Damit stiegen die Zusatzeinnahmen der Airline pro Fluggast seit 2009 von gut sieben auf fast 18 Euro. Insgesamt waren es im Jahr über 230 Millionen Euro (22,3 Prozent der Gesamteinnahmen). Platz sechs unter den Fluglinien.

Die Easyjet-Aktie hat in diesem Jahr schon rund 40 Prozent an Wert verloren. Neben dem schwachen Pfund wirken sich dabei die unsicheren Perspektiven für die künftigen Flugrechte der Gesellschaft in Europa aus. Um nach einem Brexit nicht vom Luftverkehrs-Binnenmarkt ausgeschlossen zu werden, will sich Easyjet eine eigene Fluglizenz in einem anderen EU-Staat sichern.

  • dpa
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