Nach dem Bilanzskandal
Ahold weist Milliardenverlust aus

Der niederländische Handelsriese hat in seine Büchern aufgeräumt - und zu Tage wurde für das Jahr 2002 ein Nettoverlust von 1,208 Milliarden Euro befördert. Hintergrund: Auf seine US-Lebensmittelsparte U.S. Foodservice, bei der in einer internen Buchprüfung Fehlbuchungen in Millionenhöhe festgestellt worden waren, nahm Ahold nach US-Recht eine Firmenwert-Abschreibung von 2,7 Mrd. € vor - nach niederländischem Bilanzierungsgebahren entspricht dies 1,3 Milliarden Euro.

HB ZAANDAM. Die US-Lebensmittelsparte hatte ihre Gewinne zu hoch ausgewiesen und so den Bilanzskandal ausgelöst. Wegen der geschwächten Kapitalbasis - das Eigenkapital des Konzerns hat sich bis Ende 2002 halbiert - wird an den Finanzmärkten eine baldige Kapitalerhöhung erwartet. Trotz der negativen Zahlen legten die Titel des weltweit drittgrößten Einzelhandelskonzerns um mehr als sechs Prozent auf 8,77 € zu.

„Die Zahlen spiegeln die vollen Auswirkungen der Entdeckungen dieses Jahres auf die finanzielle Verfassung der Firma wieder“, sagte Ahold-Chef Anders Moberg am Donnerstag. „Sie unterstreichen auch Aholds grundlegende Stärke. Wir haben starke Vermögenswerte, viele solide Geschäftsbereiche und einen soliden Cashflow.“ Dennoch sei es unbedingt nötig, im gesamten Unternehmen Veränderungen vorzunehmen.

Ahold hatte die Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2002 mehrfach verschoben. Anfang Juli hatte das Unternehmen eine interne Buchprüfung abgeschlossen und dabei Fehlbuchungen von knapp einer Milliarde Euro, vor allem bei seiner Tochter U.S. Foodservice, festgestellt. Daraufhin wurden die Geschäftszahlen überarbeitet.

Für das Jahr 2002 wies Ahold nun einen Nettoverlust von 1,208 Mrd. € aus. Der operative Gewinn vor Sonderbelastungen habe 2,145 Mrd. € betragen. Den Nettoumsatz bezifferte der Konzern mit 62,7 Mrd. €. Ahold ist der weltweit drittgrößte Einzelhandelskonzern nach Wal-Mart Stores Inc und Carrefour.

Zu etwaigen Kapitalmaßnahmen will sich der Konzern erst Mitte Oktober äußern. Analysten erwarten, dass Ahold neue Aktien ausgibt, um seine Eigenkapitalquote zu verbessern. In Bankenkreisen hieß es, der Konzern werde wohl einen Erlös von sechs Mrd. € aus dem Verkauf von Vermögenswerten, Einsparungen, einer Kapitalerhöhung und möglicherweise einer Wandelanleihe anstreben. Das Eigenkapital gab Ahold per Ende Dezember 2002 mit 2,6 Mrd. € an. Im September 2002 waren es noch 5,8 Mrd. €, mehr als doppelt so viel. Die Schuldenlast bezifferte Ahold per Ende 2002 mit netto 11,59 Mrd. €.

Morgan-Stanley-Analyst Ben Britz sagte, die Verzögerung bei Aussagen zu Kapitalmaßnahmen sei enttäuschend. „Ich kann verstehen, dass das Unternehmen die Zahlen hinter sich bringen will, aber der CEO ist lange genug im Amt, um uns einen Hinweis auf die Finanzierung zu geben.“

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